Herzinsuffizienz
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Synonym: Herzschwäche
Englisch: congestive heart failure, chronic heart failure (CHF)
Definition
Eine Herzinsuffizienz liegt vor, wenn das Herz unfähig ist, das vom Organismus benötigte Herzzeitvolumen bei normalem enddiastolischen Ventrikeldruck bereitzustellen. Es handelt sich um ein klinisches Syndrom, das unterschiedliche Ursachen haben kann.
Die WHO definiert die Herzinsuffizienz als verminderte körperliche Belastbarkeit aufgrund einer ventrikulären Funktionsstörung.
Epidemiologie
Die Prävalenz der Herzinsuffizienz ist abhängig vom Alter. Bei den 65 bis 69-Jährigen beträgt die Jahresprävalenz in Deutschland etwa 6,9 %, bei den 80 bis 84-Jährigen 24,3 % und bei den über 95-Jährigen 47,2 %. In Deutschland gehört die Herzinsuffizienz zu den häufigsten Todesursachen. Im Jahr 2025 war die Herzinsuffizienz bei Frauen in Deutschland die dritthäufigste einzelne Todesursache; auf sie entfielen rund 21.900 Todesfälle bzw. 4,3 % aller weiblichen Sterbefälle.[1][2]
Ursachen
Häufige Ursachen
- Koronare Herzkrankheit (KHK) (Myokardinfarkt, Ischämie)
- Arterielle Hypertonie
- Vorhofflimmern
- Myokarditis
Seltenere Ursachen
- Kardiomyopathien (dilatativ: toxisch, z.B. Alkohol, Medikamente, Drogen; hypertroph, mit oder ohne Obstruktion; restriktiv)
- Herzklappenfehler (angeboren/erworben)
- High-Output-Failure (Anämie, Thyreotoxikose, AV-Fisteln)
- Perikarderkrankungen
- Lungenembolie
- Hämochromatose
- H63D-Syndrom (Oslo-Syndrom)
In einigen Fällen bleibt die Ursache der Herzinsuffizienz unbekannt. Dann spricht man von einer idiopathischen Herzinsuffizienz.
Einteilung
...nach Schweregrad
Die klinische Stabilität ist von der Belastbarkeit zu unterscheiden. Eine dekompensierte Herzinsuffizienz liegt bei akut oder schleichend auftretenden Symptomen bzw. Zeichen vor, die eine dringliche medizinische Beurteilung und Einleitung oder Intensivierung der Behandlung erfordern.[3]
Eine feinere Unterteilung des klinischen Schwergrads ist mithilfe der 4 NYHA-Stadien möglich:
| Stadium | Symptomatik |
|---|---|
| I | Diagnostizierte Herzkrankheit ohne Symptome und ohne Einschränkung der Belastbarkeit. |
| II | Leichte Einschränkung der Belastbarkeit. Keine Symptome in Ruhe sondern erst bei stärkerer Belastung. |
| III | Starke Einschränkung der Belastbarkeit. Keine Symptome in Ruhe, jedoch bereits bei leichter Belastung. |
| IV | Persistierende Symptomatik auch in Ruhe. |
Weiterhin kann die Herzinsuffizienz nach der AHA (American Heart Association) in 4 Stadien eingeteilt werden:
| Stadium | Kriterien |
|---|---|
| A | Hohes Herzinsuffizienzrisiko, da Faktoren vorliegen, die stark mit der Entstehung einer Herzinsuffizienz assoziiert sind; keine strukturelle Herzerkrankung, noch nie Herzinsuffizienzsymptome. |
| B | Prä-Herzinsuffizienz (Pre-HF): bisher keine Herzinsuffizienzsymptome oder -zeichen, jedoch strukturelle Herzanomalien, eine abnorme Herzfunktion bzw. erhöhte Füllungsdrücke oder erhöhte kardiale Biomarker.[4] |
| C | Frühere oder derzeitige Herzinsuffizienzsymptome bei struktureller Herzerkrankung. |
| D | Fortgeschrittene strukturelle Herzerkrankung und schwere Herzinsuffizienzsymptome in Ruhe trotz maximaler medikamentöser Therapie (spezielle Therapie erforderlich, z. B. Herztransplantation, Katecholamine i. v., Kunstherz) |
...nach Lokalisation
Je nachdem, welcher Teil des Herzens betroffen ist, unterscheidet man:
- Rechtsherzinsuffizienz: Rechte Herzkammer betroffen
- Linksherzinsuffizienz: Linke Herzkammer betroffen
- Globalherzinsuffizienz: Beide Herzkammern betroffen
...nach Krankheitsverlauf
- Akute Herzinsuffizienz: Sie entwickelt sich innerhalb von Stunden bis Tagen.
- Myokardiales Pumpversagen, z.B. Akutes Koronarsyndrom durch kritische Hauptstammstenose, Herzinfarkt, hypertone Krise, Myokarditis
- Akut auftretende Insuffizienz- oder Shuntvitien, z.B. Ventrikelseptumdefekt bei Infarkt
- Mechanische Behinderung der Ventrikelfüllung, z.B. Perikardtamponade
- Tachykarde oder bradykarde Herzrhythmusstörungen
- Chronische Herzinsuffizienz: Entwickelt sich im Verlauf von Monaten/Jahren
...nach Pathomechanismus
- Systolische Herzinsuffizienz: Verminderte Ejektionsfraktion
- Diastolische Herzinsuffizienz: Herabgesetzte Relaxationsfähigkeit des Ventrikels, behinderte Ventrikelfüllung in der Diastole (z.B. durch Kammersteifigkeit)
...nach Pathophysiologie
Die ESC unterscheidet seit 2026 zwei EF-basierte Phänotypen:
- HFrEF: Herzinsuffizienz mit reduzierter linksventrikulärer Ejektionsfraktion (LVEF <50 %)
- HFpEF: Herzinsuffizienz mit erhaltener linksventrikulärer Ejektionsfraktion (LVEF ≥50 %)
Die bisherige Kategorie HFmrEF wird nicht mehr eigenständig geführt, sondern der HFrEF zugeordnet.[5]
- HFimpEF (engl.: heart failure with improved ejection fraction; Herzinsuffizienz mit verbesserter Ejektionsfraktion)[4]
...nach Hämodynamik
...nach Herzzeitvolumen
- Low-Output-Failure
- High-Output-Failure
Pathogenese
Eine Herzinsuffizienz entsteht, wenn die Pumpleistung nicht mehr ausreicht, um sich selbst und extrakardiale Organstromgebiete adäquat mit Blut, Sauerstoff und Substraten zu versorgen. Kompensatorisch werden verschiedene Adaptationsmechanismen angeschaltet, mit denen es gelingt, vorübergehend das erforderliche Herzzeitvolumen aufrechtzuerhalten. Bei chronischer Aktivierung tragen diese Mechanismen jedoch zur Progression der Herzinsuffizienz bei, wodurch ein Circulus vitiosus entsteht.
Die chronische Herzinsuffizienz wird in den meisten Fällen durch eine Verminderung des kontraktilen Herzmuskelgewebes verursacht. Histologisch sieht man einerseits ein krankhaftes Wachstum einzelner Herzmuskelzellen (myozytäre Hypertrophie), andererseits einen gesteigerten Zellverlust (myozytäre Apoptose).
Kompensationsmechanismen
Neuroendokrine Aktivierung
Die neuroendokrine Aktivierung kann die Funktionsminderung in der Frühphase der Herzinsuffizienz auffangen. In späteren Krankheitsstadien führen die Kompensationsmechanismen jedoch zu einer Verschlechterung der hämodynamischen Situation und verstärken die Krankheitsdynamik, sodass therapeutisch interveniert werden muss.
Sympathikusaktivierung und Katecholaminausschüttung
Sympathikusaktivierung und Katecholaminausschüttung führen anfangs zur Steigerung der Herzfrequenz und der Kontraktionskraft. Mit zunehmender Herzinsuffizienz steigt der Noradrenalinspiegel an. Gleichzeitig vermindert sich die Zahl der kardialen Betarezeptoren (Downregulation). Noradrenalin wirkt dadurch am Herzen immer weniger inotrop, erhöht aber den peripheren Widerstand (Afterload).
Aktivierung des RAA-Systems
Die Aktivierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems führt über eine erhöhte Produktion von Angiotensin II zur Vasokonstriktion und damit zur Erhöhung der Vorlast. Dieser Effekt wird durch Aldosteron verstärkt, das eine Natrium- und Wasserretention bewirkt.
ADH-Aktivierung
Die Aktivierung von ADH (Vasopressin) führt ebenfalls zu einer Wasserretention und damit zu einer Erhöhung der Vorlast.
Freisetzung der natriuretischen Peptide
Die Natriuretischen Peptide (NP) sind die wichtigsten Gegenspieler des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS). Mit ihrer Hauptfunktion, der Reduktion des Plasmavolumens und der Senkung des Blutdrucks, schützen sie das gesunde Herz vor einer übermäßigen Volumen- und Druckbelastung. NPs werden z.B. bei erhöhtem Druck und durch Überdehnung der Vorhöfe ausgeschüttet. BNP und sein biologisch inaktives N-terminales Spaltprodukt NT-proBNP sind daher bei Herzinsuffizienz gute Parameter zur Diagnosesicherung und Prognoseabschätzung. Die Konzentrationen natriuretischer Peptide können bei Adipositas erniedrigt und bei Niereninsuffizienz, COPD oder Myokarditis erhöht sein.[6] Deswegen sind immer Anamnese, Klinik und Echobefund mit zu beurteilen.
- ANP (atrial natriuretic peptide) - Stimulierung der Natriurese
- BNP (brain natriuretic peptide) - Stimulierung der Natriurese, bei höheren Konzentrationen Stimulierung des renalen Blutflusses und der GFR (Glomeruläre Filtrationsrate)
- CNP (C-type natriuretic peptide) – Regulation des Gefäßtonus (Vasodilatation)
- DNP (dendroaspis natriuretic peptide) - Hemmung der tubulären Natriumrückresorption
- Urodilatin - Hemmung der tubulären Natriumrückresorption
Remodelling
Unter Remodelling versteht man molekulare, biochemische und zelluläre Mechanismen, die nach einer Schädigung des Herzens seine Struktur und Funktion verändern.
Herzhypertrophie
Die akute Herzinsuffizienz führt zu einer Dilatation des Herzens. Bei chronischer Herzinsuffizienz spielt die Art der Belastung eine Rolle:
- Volumenbelastung (z.B. Klappeninsuffizienz) führt zu exzentrischer Hypertrophie (Hypertrophie mit Dilatation)
- Druckbelastung (z.B. Klappenstenosen, Hypertonie) führt zu konzentrischer Hypertrophie (Hypertrophie ohne Dilatation)
Symptome
Die Symptomatik der Herzinsuffizienz ist vielseitig und wird oft zusätzlich von den Symptomen der auslösenden Ursache überlagert. Mögliche Krankheitsanzeichen sind:
- Dyspnoe (Belastungs-, Ruhedyspnoe, Orthopnoe, Bendopnoe, paroxysmale nächtliche Dyspnoe);
- Müdigkeit, inadäquate Erschöpfung nach Belastungen, Schwäche, Lethargie
- Flüssigkeitsretention (Bein- oder Bauchschwellung, Gewichtszunahme), Nykturie
- Trockener Husten ("Herzhusten"), besonders nachts im Liegen
- Schwindel, Palpitationen, Synkopen
- Inappetenz, Übelkeit, Völlegefühl, Meteorismus, Obstipation, abdominelle Schmerzen, u.U. Gewichtsabnahme, Gedächtnisstörungen, Verwirrtheitszustände, kognitive Beeinträchtigung
- Hitzewallungen, Schwitzen, Nachtschweiß
Betroffene schlafen aufgrund von Atembeschwerden häufig mit erhöhtem Oberkörper.
Diagnostik
Die Diagnostik dient sowohl der Erfassung des Schweregrads der Herzinsuffizienz als auch der Abklärung ihrer möglichen Ursachen.
Körperliche Untersuchung
Bereits durch einfache klinische Untersuchungsverfahren wie Inspektion, Palpation und Auskultation kann die Verdachtsdiagnose einer Herzinsuffizienz erhärtet werden:
- Erhöhter Jugularvenendruck (Füllungszustand bei 45° Oberkörperhochlagerung und leicht rekliniertem Kopf)
- positiver hepatojugulärer Reflux, Hepatomegalie
- Verlagerter (und verbreiterter) Herzspitzenstoß, vorhandener 3. Herzton
- Pulmonale Rasselgeräusche, die auch nach Husten fortbestehen
- Tachykardie (Herzfrequenz > 90-100/Min.), irregulärer Puls, Tachypnoe (> 20/Min.)
- Periphere Ödeme (Knöchel, Unterschenkel, bei bettlägerigen Patienten auch sakral – ausgeprägt als Anasarka, Pleuraerguss, Aszites, Gewichtszunahme)
Apparative Diagnostik
- EKG: abgelaufene Myokardinfarkte? Herzrhythmusstörungen?
- Belastungs-EKG: Ischämiezeichen unter Belastung?
- Blutgasanalyse: Eingeschränkte Sauerstoffversorgung?
- Bildgebung
- Röntgen-Thorax: verbreiterter Herzschatten? vermehrte Gefäßzeichnung? Kerley-Linien? interstitielles Lungenödem?
- Echokardiographie: Herzmuskelfunktion? Herzklappen? Größe der Ejektionsfraktion?
- Stress-Echokardiographie: Wandbewegungsstörung?
- Kardio-MRT
Labordiagnostik
Blutuntersuchungen werden nur benötigt, um Ursachen und Komplikationen der Herzinsuffizienz (z.B. Diabetes mellitus, Niereninsuffizienz oder Elektrolytstörungen) und mögliche Nebenwirkungen der Therapie erkennen zu können.
Seit Anfang des 21. Jahrhunderts steht mit der Bestimmung der Plasmakonzentration des brain natriuretic peptide (BNP bzw. NT-proBNP) ein Test zur Verfügung, der auch in der Alltagsroutine für die Diagnostik einer Herzinsuffizienz hilfreich sein kann. Je nach Ausmaß der Herzinsuffizienz sind die Werte mäßig bis stark erhöht, während niedrig normale BNP- oder NT-proBNP-Spiegel bei einem unbehandelten Patienten eine Herzinsuffizienz weitgehend ausschließen. Der Normbereich ist vom Alter und Geschlecht abhängig. Die Messung des BNP zur Differentialdiagnose und Verlaufskontrolle der Herzinsuffizienz ist inzwischen in die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie und Kinderkardiologie eingeflossen.
Außerdem steigt mit zunehmender Herzinsuffizienz der Plasmaspiegel des Noradrenalin an und korreliert mit einer Prognoseverschlechterung.
Empfohlene Laboruntersuchungen bei Verdacht auf Herzinsuffizienz
| Untersuchungsverfahren | Begründung |
|---|---|
| Blutbild |
|
| Harnstoff und Kreatinin |
|
| Ferritin und Transferrinsättigung |
|
| Elektrolyte |
|
| y-GT (ggf. GOT, GPT) |
|
| TSH |
|
| Gesamteiweiß, Albumin |
|
| Blutuntersuchungen, die für seltenere und speziellere Fragestellungen eingesetzt werden können: | |
| Glucose |
|
| CK, LDH, Troponin |
|
| Cholesterin, HDL, LDL |
|
| Virustiter |
|
| Autoantikörper |
|
| Kälteagglutinine |
|
Invasive Diagnostik
- Koronarangiographie (Herzkatheter-Untersuchung) mit der Möglichkeit einer Erweiterung eventuell erkennbarer Gefäßengen (PTCA, Ballondilatation und ggf. Stenteinlage)
- Myokardbiopsie
Therapie
Risikokontrolle
- Kontrolle einer arteriellen Hypertonie; Myokardrevaskularisation bei Nachweis von ischämischem Myokard
- Therapie eines Herzklappenfehlers (Op, Ballonvalvuloplastie)
- Schrittmachertherapie bzw. antiarrhythmische Therapie bei arrhythmieinduzierter Herzinsuffizienz
- Therapie von Schilddrüsenfunktionsstörungen
- Anämiediagnostik und -korrektur
- Alkoholentzugsbehandlung bei alkoholtoxischer Kardiomyopathie
- Therapie von Perikarderkrankungen
Basistherapie
Die nicht-medikamentöse Basistherapie der Herzinsuffizienz besteht aus einer Reihe von Allgemeinmaßnahmen, die die Arbeitslast des Herzens reduzieren bzw. eine weitere Schädigung des Myokards verhindern sollen:
- Gewichtsreduktion
- Vermeidung einer übermäßigen Kochsalzzufuhr
- Individuelle Anpassung der Flüssigkeitszufuhr; keine routinemäßige Restriktion bei allen Patienten. Eine Einschränkung kann insbesondere bei schwerer Herzinsuffizienz oder Verdünnungshyponatriämie sinnvoll sein.[7]
- Limitierung bzw. Restriktion des Alkohol- und Tabakkonsums
- Reduktion kardiovaskulärer Risikofaktoren (CVRF)
- An die Herzinsuffizienz angepasste körperliche Bewegung
Arzneimitteltherapie
Die Arzneimitteltherapie richtet sich nach Herzinsuffizienz-Phänotyp, Beschwerden, Begleiterkrankungen und Verträglichkeit. Die NVL beschreibt für die symptomatische HFrEF eine prognoseverbessernde Kombinationstherapie.[8] Nach ESC 2026 gehören SGLT-2-Inhibitoren und Mineralokortikoid-Rezeptorantagonisten unabhängig von Ejektionsfraktion und Diabetesstatus zur medikamentösen Basistherapie symptomatischer Patienten; bei HFrEF kommen RAS-Hemmung einschließlich ARNI und Betarezeptorenblocker hinzu. Diuretika dienen der Entstauung. Einzelheiten und zusätzliche Therapieoptionen siehe die jeweiligen Spezialartikel.[3]
Der medikamentöse Eingriff in den Wasser- und Elektrolythaushalt erfordert tägliche Gewichtskontrollen des Patienten.
Implantierbarer Kardioverter-Defibrillator (ICD)
Ein implantierbarer Kardioverter-Defibrillator kommt zur Sekundärprävention nach bestimmten lebensbedrohlichen ventrikulären Arrhythmien oder zur Primärprävention bei ausgewählten Patienten mit einer LVEF ≤35 % trotz optimierter medikamentöser Therapie infrage; zusätzliche Indikationskriterien und Ausschlüsse sind im Spezialartikel zu berücksichtigen.[6]
Kardiale Resynchronisation (CRT)
Eine kardiale Resynchronisation kommt bei ausgewählten Patienten mit symptomatischer Herzinsuffizienz, einer LVEF ≤35 % trotz optimierter medikamentöser Therapie und verbreitertem QRS-Komplex infrage; die genaue Indikation hängt unter anderem von QRS-Dauer, QRS-Morphologie und Herzrhythmus ab.[6]
Weitere unterstützende Therapien
Zu den weiteren unterstützenden Therapien zählen die Ventrikelreduktionsplastik und mechanische Unterstützungssysteme (Herzunterstützungspumpen).
Herztransplantation
Eine Herztransplantation ist die Ultima ratio, wenn andere Therapieoptionen versagen. Aufgrund des Mangels an geeigneten menschlichen Spenderorganen wird klinisch auch die Transplantation gentechnisch veränderter xenogener Organe (Schweineherz) erprobt.
Überblick
Die Therapie der Herzinsuffizienz richtet sich primär nach der auslösenden Ursache. Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über potenzielle Therapieansätze.
| Ursachen | Mögliche therapeutische Ansätze |
|---|---|
| KHK | |
| 1. Chronisch ischämische Herzerkrankung | Ggf. Revaskularisation |
| 2. LV-Remodelling nach Myokardinfarkt | Konservativ-medikamentös |
| 3. Hibernating myocardium (vitales Myokard mit chron. Ischämie) | Baldige Revaskularisation |
| Hypertonie, hypertensive Herzkrankheit mit LV-Hypertrophie | Einstellung der Hypertonie |
| Kardiomyopathien (CMP) | |
| 1. Dilatative Kardiomyopathie (DCM, idiopathische Form) | Körperliche Schonung, Medikamente, Alternative Therapien und HTX erwägen |
| 2. DCM infolge toxischer Schädigung durch Alkohol, Drogen, Medikamente | Strikte Alkoholkarenz; strikte Drogenkarenz (insbes. Kokain); Überprüfung und ggf. Änderung der Medikation (z.B. NSAR, Zytostatika, etc.) |
| 3. Hypertrophe CMP mit Obstruktion (HOCM) | Medikamentös hochdosiert Verapamil; Diskussion: DDD-Schrittmacher; kathetertechn. Ablation der Septumhypertrophie oder operative Myektomie |
| 4. Hypertrophe CMP ohne Obstruktion | Hochdosiert Verapamil |
| 5. Restriktive CMP, idiopathische Form | Diskussion HTX |
| 6. CMP bei Speicherkrankheit (Amyloidose, Hämochromatose) | Symptomatisch und Behandlung der Grunderkrankung, z.B. Chemotherapie bei Plasmozytom, Aderlässe bei Hämochromatose |
| Rhythmusstörungen | |
| Tachykarde Formen | |
| Chronisches oder akutes Vorhofflimmern | Medikamentöse Frequenznormalisierung; ggf. Rhythmisierung (elektrisch/medikamentös) |
| Typisches Vorhofflattern | Kathetergesteuerte HF-Ablation |
| Supraventrikuläre Tachykardien mit Reentry-Mechanismus (z.B. WPW-Syndrom) | |
| Anhaltende ventrikuläre Tachykardien | ICD (implantierbarer Kardioverter-Defibrillator), Antiarrhythmika, ggf. HF-Ablation |
| Arrhythmogene rechtsventrikuläre Cardiomyopathie (ARVCM) | Antiarrhythmika; ICD (führt nur selten zur Herzins.) |
| Bradykarde Formen | |
| Sinus- oder AV-Knotenerkrankungen | ggf. DDD(R)-Schrittmacher |
| Bradyarrhythmia absoluta bei chron. Vorhofflimmern | Überprüfung der Medikation; ggf. VVI(R)-Schrittmacher-Implantation |
| Herzklappenerkrankungen | Operativer Klappenersatz oder Valvuloplastie |
| Entzündliche Herzerkrankungen | |
| 1. Akute Myokarditis | Symptomatisch |
| 2. Akute Endokarditis mit hämodyn. bedeutsamer Klappendysfunktion | Operative Sanierung (Klappenersatz) |
| 3. Akutes rheumatisches Fieber | Antibiotika |
| 4. Konstriktive Perikarditis | Operative Sanierung (Perikardektomie) |
| Herzbeteiligung bei Vaskulitiden und anderen Autoimmunerkrankungen | Immunsuppressive Therapie der Grunderkrankung; symptomorientierte Therapie |
| Herzbeteiligung bei endokrinologischen und Stoffwechselerkrankungen | Ausgleich der hormonellen und metabolischen Faktoren |
| Hypo-/Hyperthyreose | |
| Diabet. autonome Neuropathie | |
| Anämie | Transfusion und Ursachenklärung |
| Niereninsuffizienz | Ggf. Dialyse |
Pharmaka, die bei Herzinsuffizienz vermieden werden sollen
- Kalziumantagonisten vom Nifedipin-, Verapamiltyp und Diltiazem vermeiden; bei symptomatischer KHK mit Angina pectoris-Beschwerden und/oder schlecht kontrollierter arterieller Hypertonie ggf. langanflutende Dihydropyridine (z.B. Amlodipin) verwenden
- Nichtsteroidale Antirheumatika inkl. COX-2-Hemmer (cave Selbstmedikation!); Ausnahme: niedrig dosierte Acetylsalicylsäure in der Prophylaxe von KHK bzw. pAVK
- Antiarrhythmika Klasse I und III2 (Ausnahme Amiodaron), andere negativ inotrope Substanzen: Carbamazepin, trizyklische Antidepressiva, Itraconazol und Alpha-Blocker
- Metformin soll bei dekompensierter Herzinsuffizienz wegen der erhöhten Gefahr einer Laktatazidose vermieden werden; eine stabile Herzinsuffizienz ist nicht allein aufgrund des NYHA-Stadiums eine generelle Gegenanzeige. Thiazolidindione (Glitazone) sollen bei Herzinsuffizienz wegen Flüssigkeitsretention und Dekompensationsrisiko vermieden werden.[8][3] Hier sollten bei bestehendem Diabetes SGLT-2-Inhibitoren verwendet werden.
- Phytopharmaka und Nahrungsergänzungsstoffe (cave Selbstmedikation!)
Komplikationen
Häufige kardiale Komplikationen sind Herzrhythmusstörungen, insbesondere Vorhofflimmern und ventrikuläre Tachyarrhythmien, bis hin zum plötzlichen Herztod.[9] Zudem sind thromboembolische Ereignisse, etwa durch Vorhofthromben oder kardiale Stase, mögliche Komplikationen.[10] Extrakardial können sich ein kardiorenales Syndrom mit Verschlechterung der Nierenfunktion, Leberstauung mit sekundärer Leberschädigung sowie pulmonale Stauung bis zum Lungenödem entwickeln.[10][11] Im fortgeschrittenen Stadium kommen Organstauung, Kachexie und eine generelle Multiorgandysfunktion hinzu.[11]
Prognose
Die Prognose der Herzinsuffizienz ist variabel und hängt wesentlich von Ursache, Schweregrad, Alter, Komorbiditäten und dem Ansprechen auf die Therapie ab.[10][12] Mit zunehmender NYHA-Klasse verschlechtert sich die Lebenserwartung deutlich; eine niedrige Ejektionsfraktion, wiederholte Dekompensationen, Hospitalisierungen, Vorhofflimmern, ventrikuläre Arrhythmien, Nierenfunktionsstörung und Hyponatriämie gelten als ungünstige Prognosefaktoren.[12][13] Eine leitliniengerechte medikamentöse und interventionelle Therapie kann Symptome lindern, Hospitalisierungen reduzieren und die Prognose verbessern.[9]
Quiz
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Literatur
- Fischer, Denise / Kindermann, I. u.a.: Kognitive Einschränkungen bei Herzinsuffizienz. In: herzmedizin 26 (2009). H.2, S.63-68. Volltext abrufen
- Leitlinie: Evidenzbasierte Leitlinie zu Diagnose und Therapie der Herzinsuffizienz (evidence.de, Universität Witten/Herdecke)
| Peer-Review durch Dr. med. Barbara Bellmann |
Quellen
- ↑ Statistisches Bundesamt: Todesursachen 2025 – Weniger Verstorbene aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Pressemitteilung vom 09.10.2026, abgerufen am 20.10.2026
- ↑ Leitlinie – Herzinsuffizienz, abgerufen am 10.05.2022
- ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 Køber et al., 2026 ESC Guidelines for the management of heart failure, European Heart Journal, 2026
- ↑ 4,0 4,1 Walsh et al., AHA/ACC/ESC/WHF Expert Consensus Document: Second Universal Definition of Heart Failure (2026), Circulation, 2026
- ↑ European Society of Cardiology: Major changes made to the ESC Guidelines on heart failure, 28.08.2026, abgerufen am 20.10.2026
- ↑ 6,0 6,1 6,2 European Society of Cardiology: 2026 ESC Guidelines for the management of heart failure – Educational Slideset, abgerufen am 20.10.2026
- ↑ Mullens et al., Dietary sodium and fluid intake in heart failure. A clinical consensus statement of the Heart Failure Association of the ESC, European Journal of Heart Failure, 2024
- ↑ 8,0 8,1 Nationale VersorgungsLeitlinie Chronische Herzinsuffizienz, Version 4.0, 2023, AWMF-Registernummer nvl-006, abgerufen am 20.10.2026
- ↑ 9,0 9,1 Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) - Chronische Herzinsuffizienz, abgerufen am 20.10.2026
- ↑ 10,0 10,1 10,2 Chronische Herzinsuffizienz - Nationalen Versorgungsleitlinien, abgerufen am 20.10.2026
- ↑ 11,0 11,1 Die Kardiologie - Leitlinien, abgerufen am 20.10.2026
- ↑ 12,0 12,1 Nationale VersorgungsLeitlinie Chronische Herzinsuffizienz – Langfassung, 3. Auflage. Version 2, abgerufen am 20.10.2026
- ↑ Heart Failure Care - Gov, abgerufen am 20.10.2026