Akutes Koronarsyndrom
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LoslegenEnglisch: acute coronary syndrome
Definition
Der Begriff Akutes Koronarsyndrom, kurz ACS oder AKS, ist eine Arbeitsdiagnose bei unklaren Thoraxbeschwerden, die ein Spektrum von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammenfasst, die sich klinisch nicht sicher differenzieren lassen:
- Instabile Angina pectoris (kein Anstieg von Troponin T oder I)
- NSTEMI (non ST-segment-elevation myocardial infarction): Nicht-transmuraler Infarkt, keine ST-Hebungen, aber Anstieg von Troponin T/I
- STEMI (ST-segment-elevation myocardial infarction): Transmuraler Infarkt, ST-Hebungen im frischen Stadium des Infarktes und Anstieg von Troponin T/I
Die leichteren Formen des akuten Koronarsyndroms, instabile Angina Pectoris und Nicht-ST-Strecken-Hebungs-Infarkt (NSTEMI), werden auch unter dem Begriff NSTE-ACS (Akuter Brustschmerz ohne persistierende ST-Strecken-Erhöhung) zusammengefasst.
Hintergrund
Trotz Intervention versterben im Akutstadium eines Myokardinfarktes immer noch 35% der Betroffenen. Die instabile Angina pectoris geht in ca. 20% der Fälle in einen akuten Herzinfarkt über.
Symptome
Leitsymptom des ACS ist die instabile Angina pectoris. Sie kann sich auch atypisch durch Nausea und Oberbauchschmerzen äußern. Mögliche Begleitsymptome sind vegetative Reaktionen wie
- Angst
- Agitiertheit
- profuses Schwitzen
- Nausea, Erbrechen
Wenn eine akute Herzinsuffizienz besteht, treten ggf. folgende Symptome hinzu:
Darüber hinaus können subjektiv wahrnehmbare Herzrhythmusstörungen (z.B. Palpitationen) vorliegen.
Diagnostik
- 12-Kanal-EKG: Ein 12-Kanal-EKG sollte sofort (innerhalb von 10 Minuten), bei jeder erneuten Schmerzepisode und nach 6–12 Stunden geschrieben werden.
- Biochemische Marker: Die Laborparameter steigen zeitversetzt zum Infarktereignis an, das Myoglobin etwa 2-6 Stunden nach Infarkt, das Troponin 3-6 Stunden nach Infarkt. Deshalb ist - in Abhängigkeit vom individuellen KHK-Risiko - eine wiederholte Labor- und EKG-Kontrolle nach 4-6h zum sicheren Infarktausschluss unerlässlich. Die Basisdiagnostik umfasst: Troponin (ggf. hs-cTn), CK, CK-MB, Serumkreatinin, TSH, Gerinnungsdiagnostik und Blutbild.
- Koronarangiographie: Goldstandard zur Diagnose und Schweregradbeurteilung der koronaren Herzerkrankung.
Cave: Ein Myokardinfarkt kann auch dann nicht ausgeschlossen werden, wenn das EKG zunächst keine sicheren EKG-Infarktzeichen (ST-Hebungen in mindestens 2 Ableitungen oder neu aufgetretener Linksschenkelblock) zeigt und auch das Labor (Myoglobin, Troponin) unauffällig ist, da die Laborparameter zeitversetzt ansteigen.
Initial sollten folgende, potenziell letale Differentialdiagnosen ausgeschlossen werden:
Therapie
Die Therapie des akuten Koronarsyndroms besteht gemäß der ESC-Richtlinien aus mehreren Faktoren:
- Antiischämische Soforttherapie: Diese Akuttherapie zielt darauf hinab, das regionale Sauerstoffdefizit schnellstmöglich zu beseitigen. Dies kann einerseits durch eine Vasodilatation (Nitrate) oder eine Reduktion des kardialen Sauerstoffbedarfes (Betablocker) geschehen. Sofern ein Thrombus vorliegt, sollte dieser im Rahmen einer Lysetherapie beseitigt werden.
- Einsatz von Thrombozytenaggregationshemmern, wie ASS, Ticagrelor, Prasugrel oder Clopidogrel.
- Therapie mit Antikoagulantien, wie z.B. Heparin oder Marcumar
- Revaskularisation: Wiederherstellung der Blutversorgung durch Ballondilatation und Stentimplantation, sowie das Legen von Bypässen.