Tecovirimat
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LoslegenHandelsnamen: Tecovirimat SIGA®, TPOXX®
Englisch: tecovirimat
Definition
Tecovirimat ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Virostatika, der zur medikamentösen Behandlung verschiedener Pockenerkrankungen zugelassen ist.
Wirkmechanismus
Tecovirimat hemmt die Aktivität des viralen Hüllproteins VP37, das von allen Orthopoxviren in einem hoch konservierten Gen kodiert wird. Tecovirimat blockiert die Interaktion von VP37 mit der zellulären Rab9-GTPase und TIP47, was die Bildung von austrittskompetenten umhüllten Virionen ("Budding") verhindert. Dadurch wird der Befall neuer Wirtszellen unterbunden.
Resistenz
Wie bei anderen Virostatika ist durch Veränderungen in der Aminosäuresequenz von VP37 eine Resistenzentwicklung möglich, die durch eine verringerte Bindung des Wirkstoffs an das Zielprotein bedingt ist.
Pharmakokinetik
Die maximale Plasmakonzentration von Tecovirimat wird 4 bis 6 Stunden nach der Einnahme zusammen mit Nahrung erreicht. Fettreiche Nahrung verbessert die Resorption. Die Plasmahalbwertszeit beträgt rund 19 Stunden. In der Leber wird der Wirkstoff zu den inaktiven Metaboliten M4, M5 und TFMBA verstoffwechselt. Die Elimination erfolgt zu mehr als 70% renal, zu einem kleineren Teil über die Fäzes.
Indikationen
Tecovirimat ist bei Erwachsenen und Kindern mit einem Körpergewicht von mindestens 13 kg angezeigt zur Behandlung von
- Pocken
- Affenpocken
- Kuhpocken
- Komplikationen infolge der Replikation des Vaccinia-Virus nach einer Pockenimpfung
Darreichungsform
- Hartkapseln mit 200 mg Wirkstoff zur oralen Anwendung
Seit Mai 2022 steht Tecovirimat in den USA auch als Infusionslösung zur intravenösen Gabe zur Verfügung.
Hilfsstoffe
- Lactose
- Gelborange S (E110)
Dosierung
Die Dosierung von Tecovirimat richtet sich nach dem Körpergewicht:
| Körpergewicht [kg] | Dosierung [mg] | Kapseln á 200 mg/Tag |
|---|---|---|
| 13 bis < 25 | 200 alle 12 h | 2 |
| 25 bis < 40 | 400 alle 12 h | 4 |
| ≥ 40 kg | 600 alle 12 h | 6 |
Die empfohlene Therapiedauer beträgt 14 Tage.
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Bei älteren Patienten sowie Patienten mit mäßig eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion ist keine Dosisanpassung erforderlich. Bei schwerer Nieren- oder Leberfunktionsstörung sollte die Gabe mit Vorsicht erfolgen.
Einnahme
Tecovirimat sollte innerhalb von 30 Minuten nach einer mäßig oder stark fetthaltigen Mahlzeit eingenommen werden.
Nebenwirkungen
Sehr häufige (≥ 1/10) und häufige (≥ 1/100, < 1/10) Nebenwirkungen von Tecovirimat sind:
Wechselwirkungen
Tecovirimat und seine Metabolite sind Induktoren von CYP3A4 oder CYP2B6. Das kann zu einer Wirkungsverminderung von Arzneistoffen führen, die Substrate dieser Enzyme sind (z.B. Atorvastatin, Tacrolimus, Midazolam). Umgekehrt werden CYP2C8 und CYP2C19 durch Tecovirimat gehemmt, sodass es ggf. zu einer Wirkspiegelerhöhung von Arzneistoffen kommt, die durch diese Enzme abgebaut werden (z.B. Repaglinid, Voriconazol, Omeprazol). Bei Arzneistoffen mit geringer therapeutischer Breite ist daher eine Überwachung ratsam, insbesondere des Blutzuckers bei gleichzeitiger Gabe von Repaglinid.
Tecovirimat ist ein Substrat von UGT1A1, UGT1A3 und UGT1A4. Eine klinisch bedeutsame Interaktion bei gleichzeitiger Anwendung von Tecovirimat und starken UGT-Inhibitoren bzw. -Induktoren ist jedoch nicht zu erwarten.
Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der Hilfsstoffe
Die Anwendung von Tecovirimat während der Schwangerschaft wird nicht empfohlen.
Zulassung
Tecovirimat wurde im Janur 2022 in der EU zugelassen. Hersteller ist SIGA Technologies Netherlands B.V. in den Niederlanden.
Podcast
Weblinks
DocCheck News: Tecovirimat gegen Pocken, 24.01.2022
Quellen
- Tecoviroimat Fachinformation, abgerufen am 23.5.2022
Bildquellen
- Bildquelle Podcast: © cottonbro / Pexels