Pocken
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LoslegenSynonym: Blattern
Englisch: variola, smallpox
Definition
Die Pocken sind eine von Viren ausgelöste Infektionskrankheit, die sich durch typische Hautveränderungen auszeichnet. Sie sind hochansteckend und waren daher in der Vergangenheit der Auslöser von vielen Epidemien. Durch eine weltweite Impfprophylaxe ist die Welt laut WHO seit 1980 pockenfrei.
Auslöser
Der Auslöser für die Pocken ist ein Virus aus der Familie der Poxviridae, der sich nur im Menschen vermehren kann. Es gibt zwei Untergruppen:
Beim Menschen treten hauptsächlich zwei Formen der Pocken auf, die beide von einem Orthopoxvirus ausgelöst werden:
- Echte Pocken: Sie werden vom Orthopoxvirus variola ausgelöst.
- Weiße Pocken: Diese ungefährlicheren Pocken werden vom Orthopoxvirus alastrim ausgelöst.
Die Pockenviren sind mit einer Größe von bis zu 450 nm die größten Tierviren, die es gibt. Sie ähneln in ihrer Form einem Ziegelstein und sind unter dem Lichtmikroskop erkennbar. Sie haben eine widerstandsfähige Hülle und besitzen etwa 200 Gene.
Übertragung
Eine Infektion mit Pockenviren kann über eine Tröpfcheninfektion oder auch über eine Schmierinfektion stattfinden. Die Inkubationszeit liegt zwischen 7 und 19 Tagen.
Symptome
Kurz nach der Infektion treten die ersten, uncharakteristischen Symptome wie Fieber, Gliederschmerzen und Entzündungen der Atemwege statt. Außerdem kommt es zu einem ersten Hautausschlag, der aber ziemlich schnell wieder verschwindet. Nach einem kurzfristigen Absinken des Fiebers tritt nun der für Pocken typische Hautauschlag auf. Erst im Gesicht, dann am ganzen Körper treten Papeln auf, die mit virushaltiger Flüssigkeit gefüllt sind. Parallel dazu steigt das Fieber wieder treppenförmig an und wird begleitet von Delirien und Wahnvorstellungen. Die Papeln wandeln sich irgendwann in Pusteln um, die langsam Verkrusten und Verschorfen und dann schließlich abfallen. Dies ist mit einem starken Juckreiz verbunden und zurück bleiben die typischen Pockennarben.
Diagnose
Eine Infektion mit Pocken ist leicht zu diagnostizieren. Die typischen Hautveränderungen in Kombination mit Fieber sind ein eindeutiges Zeichen. Als Schnelltest lassen sich die Viren unter dem Mikroskop nachweisen.
Therapie
Pocken können nicht behandelt werden - lediglich die Symptome lassen sich lindern. Patienten mit Pocken müssen unter Quarantäne gestellt werden und haben absolute Bettruhe. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr muss gewährleistet sein und fiebersenkende Medikamente können gegeben werden.
Die symptomatische Therapie umfasst die Lokaltherapie und die systemische Therapie.
Lokaltherapie
- Tägliches Baden des Patienten in einer kaliumpermanganathaltigen Lösung (KMnO4)
- Hämorrhagische Läsionen sollten 2x täglich mit einer kaliumpermanganathaltigen Lösung betupft werden.
- Mehrmalige Mundspülungen mit Chlorhexidin- oder Wasserstoffperoxid-Lösung pro Tag
- Zur Schleimhautprotektion verwendet man dexpanthenolhaltige Lösungen
Rezepturen für die Lokaltherapie
- Chlorhexidindigluconat-Mundspüllösung 0,2% (NRF 7.2.) ad 250,0 g
- Kaliumpermanganat-Lösungskonzentrat 1% (NRF 11.82.) ad 50,0 g
- Wasserstoffperoxid 3% DAB 10 ad 100,0 g
Systemische Therapie
- Hyperkalorische Ernährung (40-50 kcal/kg KG)
- Breitspektrumantibiotika (z.B. Doxycyclin) gegen bakterielle Superinfektionen
- Ein individueller Heilversuch kann mit Cidofovir versucht werden. Cidofovir ist für die Behandlung der Pocken nicht zugelassen.
- ggf. antipyretische Therapie mit Paracetamol oder Metamizol
Podcast
Bildquellen
- Bildquelle Podcast: © cottonbro / Pexels