Antidepressivum
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LoslegenEnglisch: antidepressive drug
Definition
Antidepressiva sind Medikamente, die zur Therapie von Depressionen eingesetzt werden. Daneben besitzen Antidepressiva zahlreiche andere Anwendungsbereiche, z.B. in der Schmerztherapie, bei Angst-, Panik- und Zwangsstörungen.
Einteilung
In der Literatur wird die Einteilung der Antidepressiva sehr unterschiedlich gehandhabt. Die hier gewählte Unterteilung hat daher nicht den Anspruch der Allgemeingültigkeit. Nach strukturchemischen und biochemisch-pharmakologischen Eigenschaften unterscheidet man zwischen:
Trizyklische Antidepressiva
Trizyklische Antidepressiva haben ein sehr breites Spektrum an pharmakologischen Wirkungen. Sie führen bei einmaliger bzw. kurzfristiger Gabe zu einer Hemmung der Wiederaufnahme der Monoamine Noradrenalin, Serotonin und Dopamin aus dem synaptischen Spalt. Bei langfristiger Gabe verändern sie die zentralnervösen Rezeptoren (z.B. Downregulation zentraler β-Rezeptoren, Aktivierung postsynaptischer α-Rezeptoren, Verstärkung GABAerger Aktivität im Frontalhirn). Ferner beeinflussen trizyklische Antidepressiva den Histamin-Spiegel in bestimmten Teilen des Gehirns.
Trizyklische Antidepressiva besitzen grundsätzlich eine stimmungsaufhellende (thymoleptische) Wirkung. Substanzspezifisch bestehen mehr antriebssteigernde (thymeretische) oder antriebshemmende bzw. sedierende Eigenschaften.
Die anfängliche Antriebssteigerung kann vermehrt zu suizidalen Handlungen führen. Erst nach 2-3 Wochen tritt der thymoleptische Effekt ein. Aufgrund der ausgeprägten Nebenwirkungen ist die therapeutische Bedeutung der trizyklischen Antidepressiva inzwischen (2020) deutlich zurückgegangen. Man unterscheidet zwischen drei Substanzgruppen:
| Substanzgruppe | Nebenwirkungen | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Amitriptylin-Typ |
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| Desipramin-Typ |
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| Imipramin-Typ |
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Die wichtigsten Vertreter sind:
| Gruppe | Freiname | Charakteristika |
|---|---|---|
| Imipramin-Typ | Imipramin | stimmungsaufhellend, historisch erstes Antidepressivum |
| Clomipramin | stimmungsaufhellend | |
| Amitriptylin-Typ | Amitriptylin | Standardsubstanz, stimmungsaufhellend, sedierend |
| Doxepin | stimmungsaufhellend, sedierend, Einsatz auch als Schlafmittel | |
| Opipramol | sedierend, nur schwach antidepressiv | |
| Trimipramin | stimmungsaufhellend, sedierend, Einsatz auch als Schlafmittel | |
| Desipramin-Typ | Desipramin | stimmungsaufhellend, aktivierend |
| Nortriptylin | stimmungsaufhellend, aktivierend, Metabolit von Amitriptylin |
Tetrazyklische Antidepressiva
Tetrazyklische Antidepressiva wirken stimmungsaufhellend und sedierend. Dazu zählen:
| Freiname | Charakteristika |
|---|---|
| Maprotilin |
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| Mianserin |
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| Mirtazapin |
|
Mianserin und Mirtazapin werden auch als NaSSA (Noradrenergic and Specific Serotonergic Antidepressant) zusammengefasst.
Selektive Serotonin-Reuptake-Hemmer (SSRI)
Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer, kurz SSRI, verhindern selektiv die Wiederaufnahme von Serotonin aus dem synaptischen Spalt. Sie weisen einen den trizyklischen Antidepressiva gleichwertigen antidepressiven Effekt bei besserer Verträglichkeit und nur geringer Toxizität auf. Daher sind sie Mittel der Wahl bei Depression und bei Angst- und Zwangsstörungen. Häufigste Nebenwirkungen sind Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen und sexuelle Funktionsstörungen. Sie wirken nicht sedierend, sondern häufig antriebssteigernd. Zu den SSRI zählen:
Atypische Antidepressiva
Atypische Antidepressiva sind eine heterogene Wirkstoffgruppe mit selektiver Wirkung auf die Wiederaufnahmemechanismen der biogenen Amine. Sie weisen i.d.R. eine bessere Verträglichkeit als trizyklische Antidepressiva auf. Sie wirken nicht anticholinerg und besitzen kaum kardiale Nebenwirkungen.
Selektive Serotonin-Noradrenalin-Reuptake-Hemmer (SSNRI)
Zu den selektiven Serotonin-Noradrenalin-Reuptake-Hemmern (SSNRI) zählen:
- Duloxetin: Einsatz auch bei neuropathischen Schmerzen und Belastungsinkontinenz, nicht sedierend
- Venlafaxin: Mittel der Wahl bei Depression, Einsatz auch bei Angststörungen, nicht sedierend
- Milnacipran
Selektive Noradrenalin-Dopamin-Reuptake-Hemmer (SNDRI)
Als selektiver Noradrenalin-Dopamin-Reuptake-Hemmer (SNDRI) wirkt:
- Bupropion: Einsatz auch im Rahmen einer Nikotinentwöhnung und zur Gewichtsreduktion
Selektive Noradrenalin-Reuptake-Hemmer (NARI)
Zu den selektiven Noradrenalin-Reuptake-Hemmern (NARI) zählen:
Trazodon
Trazodon ist ein sedierender Serotonin-Reuptake-Hemmer und ein 5-HT2-Rezeptor-Antagonist. Außerdem wirkt er über eine α2-Blockade.
MAO-Hemmer
MAO-Hemmer hemmen den Abbau von Noradrenalin und Serotonin. Dazu zählen:
- Moclobemid: reversibler MAO-Hemmer, aktivierend
- Tranylcypromin: irreversibler MAO-Hemmer, aktivierend
Sonstige Antidepressiva
- Agomelatin : Melatoninrezeptor-Agonist und gleichzeitiger 5-HT2c-Antagonist
- Esketamin : NMDA-Antagonist, in Form von Nasenspray
- Tianeptin
- Johanniskraut
Neuroleptika mit antidepressiver Wirkung
Einige eigentlich als Neuroleptika klassifizierte Psychopharmaka weisen eine antidepressive Wirkung auf. Hierzu zählen:
Nebenwirkungen
Typische Nebenwirkungen
- Mundtrockenheit
- Orthostatische Hypotonie
- Schwindel
- vermehrtes Schwitzen
- Obstipation
- Miktionsstörungen bis hin zum Harnverhalt
- Herabsetzung von Libido und Potenz
- Mydriasis und Akkommodationsstörungen
- Verlangsamung der Erregungsüberleitung am Herzen
- feinschlägiger Tremor
- Gewichtszunahme
Seltene, aber ernsthafte Nebenwirkungen
- Krampfanfälle
- Delirante Syndrome
- Veränderungen des weißen Blutbildes
- Cholestase
- Kardiomyopathien
Kontraindikationen
- Prostatahyperplasie
- Engwinkelglaukom
- Schäden an Leber oder Herz
- floride Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis