Valproinsäure
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LoslegenSynonyme: 2-Propylpentansäure, 2-Propylvaleriansäure, Dipropylessigsäure, Acidum valproicum
Handelsnamen: Convulex®, Convulsofin®, Ergenyl®, Leptilan®, Orfiril®, Valproat® u.a.
Englisch: Valproic acid
Definition
Valproinsäure zählt zur Gruppe der nicht natürlich vorkommenden Carbonsäuren, die als Antiepileptika eingesetzt werden.
Chemie
Valproinsäure hat die Summenformel C8H16O2 und eine molare Masse von 144,21 g·mol−1.
Wirkmechanismus
Valproinsäure besitzt die Fähigkeit, Ionenkanäle im ZNS zu verschließen, so dass die Ionen nicht mehr in die Zelle gelangen und dort zur Ausbildung eines Aktionspotentials führen können. Zu den betroffenen Kanälen gehören die Natriumkanäle und die Calciumkanäle. Beide sind für die Entstehung der vermehrten Aktionspotentiale bei Epilepsien verantwortlich.
Auch der Neurotransmitter GABA spielt hierbei eine Rolle. Dieser führt nämlich zu einem verstärkten Einstrom an Chloridionen in die Zelle, was wiederum deren Erregbarkeit herabsetzt. Valproinsäure verstärkt die Wirkung des Neurotransmitters, indem sie den Abbau von GABA zu Succinatsemialdehyd durch die GABA-Transaminase hemmt.[1] Des Weiteren wird die GABA-Synthese stimuliert, wodurch zusätzliche Erregungen verhindert werden.
Pharmakokinetik
Der Arzneistoff kann sowohl oral als auch intravenös appliziert werden. Die in der Pharmakotherapie eingesetzten Valproate werden im Magen in Valproinsäure umgewandelt. Valproinsäure wird schnell resorbiert und liegt im Blut zu bis zu 90% an Plasmaproteine gebunden vor. Die Metabolisierung erfolgt hepatisch. Die Plasmahalbwertszeit beträgt durchschnittlich 14 Stunden, kann aber in Kombination mit anderen Antiepileptika wie Carbamazepin herabsinken. Weniger als 3% des Wirkstoffs werden unverändert mit dem Urin ausgeschieden.
Indikationen
Folgende Epilepsie-Arten können mit Valproinsäure behandelt werden:
- Generalisierter Epilepsieanfall, Grand-mal-Anfall
- Sekundär generalisierter Epilepsieanfall
- Absence-Anfall
- Fokaler Anfall (zum Beispiel Jackson-Anfall)
- Komplexe fokale Anfälle (zum Beispiel Temporallappenanfall)
- Juvenile myoklonische Epilepsie
Auch die bipolare Störung sowie die Manie und verschiedene Arten von Psychosen oder Suchterkrankungen lassen sich mit dem Arzneistoff therapieren. Aufgrund der Wirkung gegen Hyperkinesien ist der Einsatz auch bei Chorea Huntington denkbar.
Nebenwirkungen
- allergische Reaktionen: Hauteffloreszenzen, Juckreiz
- Kopfschmerzen, Schwindel, Benommenheit
- Akkommodationsstörungen: Doppeltsehen, Verschwommensehen, Nystagmus
- Appetitlosigkeit/Gewichtsabnahme, Appetitsteigerung/Gewichtszunahme
- Tremor, Bewegungsunsicherheiten
- Störungen der Sensibilität, neuronale Störungen
- Veränderungen des Blutbildes
- Störungen der Blutgerinnung, Blutungen
- Hypersalivation
- temporärer Haarausfall
- Ödeme
- Anstieg des Insulins im Blut
- psychische Störungen: gesteigerte Aggressivität, Verhaltensstörungen
- Störungen des Gastrointestinaltrakts: Übelkeit, Erbrechen, Magenschmerzen, Verdauungsstörungen, Diarrhoe
- Hepatopathie (Mikrovesikuläre Steatose, Leberparenchymnekrosen, insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern mit antikonvulsiver Kombinationstherapie, Hirnschädigung oder angeborener Stoffwechselerkrankung)
- Pankreatitis
Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit gegenüber Valproinsäure oder die entsprechenden Salze
- Leberfunktionsstörungen
- Nierenfunktionsstörungen
- Pankreasfunktionsstörungen
- Porphyrie
- Diabetes mellitus
Bei Frauen im gebärfähigen Alter darf Valproinsäure nur noch bei ausbleibendem Therapieerfolg aller Alternativen und erfolgter Risikoaufklärung verordnet werden.
Toxikologie
Bei Erwachsenen wurde von Intoxikationen ab einer Einzeldosis von 2.000 mg berichtet. Symptome sind gestörte Vigilanz mit Somnolenz bis hin zum Koma, z.T. auch Unruhe bzw. Agitiertheit und Halluzinationen. Weiterhin besteht die Gefahr von Krämpfen, Ataxie, Hirnödem, Atemdepression, Störungen der Blutgerinnung, Hypotonie, Bradykardie und Asystolie.
Bei oraler Überdosierung stehen resorptionsvermindernde Maßnahmen (Aktivkohle, Natriumsulfat) im Vordergrund. Liegt die Einnahme länger zurück, haben sich Hämodialyse und Hämoperfusion als sinnvoll erwiesen. Des Weiteren ist für einen ausreichenden Volumenersatz sowie Elektrolyt- und Azidose-Ausgleich zu sorgen. Die Möglichkeit einer künstlichen Beatmung muss sichergestellt werden. Zur Thromboseprophylaxe werden Heparine verabreicht.
Quellen
- ↑ Freissmuth, M., Offermanns, S. & Böhm, S.: Pharmakologie und Toxikologie. Springer Publishing, 2016