Valproat
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LoslegenHandelsnamen: Convulex®, Convulsofin®, Ergenyl®, Orfiril®
Englisch: Valproic acid
Definition
Valproat ist ein Salz der künstlich hergestellten, verzweigten Carbonsäure Valproinsäure und wird als Antiepileptikum eingesetzt.
Wirkmechanismus
Valproinsäure zeigte im Tiermodell bei verschiedenen Formen von experimentell erzeugten Epilepsien (generalisiert und fokal) eine krampfhemmende Wirkung. Das Gleiche trifft beim Menschen zu, bei dem die antiepileptische Wirkung ebenfalls bei den verschiedenen Epilepsieformen nachgewiesen werden konnte. Wahrscheinlich wirkt Valproat über eine Verstärkung der GABAergen Aktivität, die eine Ausbreitung der Entladung verhindert oder begrenzt.[1] Die Eliminationshalbwertzeit beträgt ca. 8 bis 15 Stunden.
Indikation
- Generalisierte Anfälle (Absencen, myoklonische und tonisch-klonische Anfälle).
- fokale und sekundär-generalisierte Anfälle
- bei therapieresistenten Epilepsien auch als Kombitherapie mit anderen Antiepileptika
Valproat ist seit einem Rote-Hand-Brief vom 12.12.2014 bei weiblichen Jugendlichen und Frauen im gebärfähigen Alter nur noch zur Behandlung von manischen Episoden bei bipolaren Störungen und zur Behandlung von Epilepsien zugelassen, falls andere Arzneimittel nicht wirksam sind oder nicht vertragen werden.[2]
Kontraindikation
- Lebererkrankungen in der Eigen- oder Familienanamnese sowie manifeste schwere Leber- u. Pankreasfunktionsstörungen
- Leberfunktionsstörungen mit tödlichem Ausgang während einer Valproinsäure-Therapie bei Geschwistern
- Porphyrie
- Blutgerinnungsstörungen
- Schwangerschaft, da Valproat eine hohe Teratogenität besitzt (Neuralrohrdefekte)
Nebenwirkungen
- Vorübergehender Haarausfall (dosisabhängig)
- Schläfrigkeit, Tremor, Parästhesien (dosisabhängig)
- erhöhter Appetit bzw. Appetitlosigkeit und damit verbunden Gewichtszunahme oder -abnahme (dosisabhängig)
- Hyperammonämie ohne Veränderung der Leberfunktionsparameter (kein Therapieabbruch erforderlich)
- Thrombozytopenie, Leukopenie (reversibel)
Labormedizin
Material
Für die Untersuchung wird 1 ml Serum benötigt.
Referenzbereiche
- therapeutischer Bereich: 50-100 µg/ml
- toxischer Bereich: > 120 µg/ml
Das Maximum ist etwa 1-8 Stunden nach der letzten Dosis erreicht, während das Minimum unmittelbar vor der nächsten Dosis messbar ist.
Weitere Hinweise
Auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch kann das Reaktionsvermögen so weit verändert sein, dass beispielsweise die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt wird.
Besondere Aufmerksamkeit muss auf folgende Anzeichen einer Leberschädigung gerichtet werden, die meist innerhalb der ersten 6 Monate einer Therapie auftritt:
- Verringerung antiepileptischer Wirkung, die durch erneutes Auftreten oder Zunahme epileptischer Anfälle gekennzeichnet ist
- länger dauernde Symptome wie körperliches Schwächegefühl, Teilnahmslosigkeit, Appetitlosigkeit, Übelkeit und wiederholtes Erbrechen oder unklare Oberbauchbeschwerden
- generalisierte oder auf einzelne Körperteile begrenzte Ödeme
- Bewusstseinsstörungen mit Verwirrtheit, Unruhe und Bewegungsstörungen
Ein sofortiger Therapieabbruch ist zu erwägen bei:
- Nicht erklärbarer Störung des Allgemeinbefindens
- klinischen Zeichen einer Leber- oder Pankreasaffektion oder Blutungsneigung
- mehr als 2–3facher Erhöhung der Lebertransaminasen auch ohne klinische Zeichen
- leichte Erhöhung der Lebertransaminasen bei gleichzeitigem akut fieberhaftem Infekt
- ausgeprägter Störung des Gerinnungsstatus