Scharlach
Trainier deine Lernmuskeln!
Mit Flash Cards, Quiz und mehr
LoslegenDieser Artikel muss zur Fortbildung.
Eine neue Leitlinie ist verfügbar. Klick auf "Bearbeiten" und starte das Seminar!
Dieser Artikel muss zur Fortbildung.
Eine neue Leitlinie ist verfügbar. Klick auf "Bearbeiten" und starte das Seminar!
Synonym: Scarlatina
Englisch: scarlet fever
Definition
Der Scharlach ist eine auf Infektionen mit β-hämolysierenden Streptokokken der Gruppe A folgende exanthematische Erkrankung. Betroffen sind vorzugsweise Kinder zwischen dem 3. und 10. Lebensjahr.
- ICD10-Code: A38
Epidemiologie
Scharlach ist eine weltweit verbreitete Infektionskrankheit mit einer Inzidenz von etwa 10–20 Fällen pro 100.000 Einwohner pro Jahr in Deutschland. Der Häufigkeitsgipfel liegt zwischen dem 3. und 10. Lebensjahr, wobei Jungen und Mädchen gleich häufig betroffen sind. Die Erkrankung zeigt eine saisonale Häufung in den Wintermonaten und im Frühjahr. In Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten und Schulen kann es zu kleineren Ausbrüchen kommen. Die Kontagiosität ist besonders in der akuten Phase hoch.
Ätiologie
Eine Vielzahl verschiedener Typen der A-Streptokokken ist bekannt, die Scharlach und das damit verbundene Exanthem verursachen können. Scharlach entsteht, wenn infektiöse A-Streptokokken sogenannte Scharlachtoxine (erythrogene Toxine) bilden können und von lysogenen Bakteriophagen befallen sind.
Es sind bis zu 13 verschiedene Scharlachtoxine bekannt. Drei davon (SpeA, SpeB und SpeC) besitzen klinische Relevanz. Daher ist eine Scharlacherkrankung prinzipiell mehrmals möglich. Eine nach der Erkrankung bestehende Immunität beschränkt sich demnach auf das jeweils verantwortlich gewesene Scharlachtoxin.
Seltener können auch die C- oder G-Streptokokken die Scharlachtoxine bilden.
Symptome
Die Erreger werden durch Tröpfcheninfektion in den Pharynx aufgenommen und verursachen nach einer Inkubationszeit von 2 bis 5 Tagen erste Krankheitszeichen.
Diese sogenannte Prodromalphase ist gekennzeichnet durch:
- Fieber und gegebenenfalls toxische Schockreaktionen
- Übelkeit und Erbrechen
- eitrige Tonsillitis und Pharyngitis
Ein bis zwei Tage nach der eitrigen Entzündung entsteht ein makulopapulöses Exanthem mit dicht beieinanderstehenden, stecknadelkopfgroßen, intensiv rot gefärbten und leicht erhabenen Effloreszenzen. Das Exanthem breitet sich von Hals, Nacken und Rücken auf Rumpf, Extremitäten und Gesicht aus. Prädilektionsstellen sind die Achseln und die Leisten. Auffällig ist das frei bleibende Mund-Kinn-Dreieck ("periorale Blässe") im Gesicht. Begleitend findet sich ein Enanthem der Schleimhäute.
Im Verlauf einer Scharlacherkrankung kommt es regelmäßig zu charakteristischen Veränderungen der Zunge. Zunächst ist die Zunge weißlich belegt. Später verschwindet der Belag und die Zunge wirkt leicht geschwollen und intensiv rot ("Himbeerzunge").
Seltener entsteht ein Scharlach auch ohne eitrige Tonsillitis im Rahmen einer Impetigo contagiosa oder anderen durch A-Streptokokken hervorgerufenen Erkrankungen.
Komplikationen
Nach einer Scharlacherkrankung kann als immunologische Komplikation ein rheumatisches Fieber mit vorwiegender Beteiligung von Herz, Niere und Gelenken auftreten (Scarlatina rheumatica). Auch eine Chorea minor kann auftreten. Seltener kommt es in der Folge der Erkrankung zur Entwicklung einer Myokarditis, Endokarditis oder Glomerulonephritis.
Bei besonders schwer verlaufenden Formen des Scharlachs (Scarlatina septica, Scarlatina fulminans) kann es, bedingt durch die Scharlachtoxine, zu nekrotisierenden Entzündungen, Schleimhautblutungen, Herzschädigung, Vigilanzstörungen und einer ausgeprägten Hyperpyrexie kommen.
Sonderformen
Einige Sonderformen des Scharlachs mit abgewandeltem Verlauf sind:
- Scarlatina levis (beziehungsweise Scarlatina levissima), eine nahezu asymptomatisch verlaufende Form des Scharlachs, die dennoch zu postinfektiösen Komplikationen führen kann
- Scarlatina petechialis, mit punktförmigen Blutungen von Haut und Schleimhäuten
- Scarlatina typhosa, mit Bewusstseinsstörungen im Verlauf der Erkrankung
- Scarlatina variegata, eine mit atypischem masernähnlichem Ausschlag einhergehende Form
- Scarlatina puerperalis, ein im Rahmen einer Wundinfektion entstehender Scharlach (zum Beispiel im Wochenbett)
Diagnose
Die Diagnose ist klinisch zu stellen. Ein Rachenabstrich mit anschließender kultureller Anzucht ermöglicht den Nachweis der Streptokokken. Antigene der A-Streptokokken lassen sich mittels Schnelltests nachweisen.
Differentialdiagnose
Die folgende Tabelle stellt wichtige Differenzialdiagnosen des Scharlachs gegenüber:
| Scharlach | Masern | Röteln | |
|---|---|---|---|
| Beginn | Hohes Fieber, Halsentzündung (Angina tonsillaris) | Hohes Fieber, starker Husten, eventuell Halsentzündung | Mäßiges Fieber, leichtes Krankheitsbild |
| Exanthem | Feinfleckiger Ausschlag von unten nach oben (Mund-Kinn-Dreieck frei) | Grobfleckiger konfluierender Ausschlag von oben nach unten (Beginn retroaurikulär) | Nur schwaches nichtkonfluierendes Exanthem an Hals/Brust |
| Besonderes | Himbeerzunge | Koplik-Wangenfleck | Starke nuchale Lymphknotenschwellung |
Darüber hinaus sollte das Kawasaki-Syndrom vom Scharlach abgegrenzt werden. Dieses zeigt sich ebenfalls mit hohem Fieber, einem Exanthem und einer Himbeerzunge, geht aber zusätzlich mit einer Konjunktivitis einher und spricht nicht auf eine Antibiose an.
Therapie
Bei Scharlach sollten Penicillin V oder Erythromycin per os über mindestens eine Woche gegeben werden. Die adäquate antibiotische Therapie einer erstmaligen Scharlacherkrankung reduziert die Auftretenswahrscheinlichkeit von Komplikationen und ist daher auch die beste Prophylaxe.
Bei Patienten mit rheumatischem Fieber in der Anamnese ist eine Prophylaxe mit monatlichen intramuskulären Depotinjektionen von Benzathin-Benzylpenicillin indiziert.
Impfung
Eine Schutzimpfung gegen Scharlach ist in Deutschland nicht zugelassen. In der Vergangenheit gab es Impfstoffe. Da die Erreger gut auf eine Antibiotikatherapie ansprechen, wurde deren Entwicklung nicht weiterverfolgt. Test DC IT
Literatur
- Dr.med. Gerd Herold: Innere Medizin - Eine vorlesungsorientierte Darstellung (2012, DocCheck Load)
- Herold Innere Medizin (2012, DocCheck multeBook)