Cor pulmonale
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Synonym: "Lungenherz"
Definition
Das Cor pulmonale ist eine konzentrische Hypertrophie und/oder Dilatation des rechten Ventrikels als Folge einer Lungenerkrankung mit pulmonaler Hypertonie.
Einteilung
Man unterscheidet:
- Akutes Cor pulmonale: Es tritt bei Lungenembolie, Spannungspneumothorax oder Status asthmaticus auf. Auch eine Pneumonie und ein ARDS können ein akutes Cor pulmonale verursachen.[1]
- Chronisches Cor pulmonale: Es entsteht infolge einer chronischen Struktur-, Funktions- oder Zirkulationsstörung der Lunge mit pulmonaler Hypertonie. Der pulmonal-arterielle Mitteldruck (PAMP) liegt über 20 mmHg.
Ätiopathogenese
Ursächlich können verschiedene Erkrankungen sein, z.B.:
- Erkrankungen der Atemwege (z.B. chronisch obstruktive Bronchitis, schweres Asthma bronchiale)
- Erkrankungen des Lungenparenchyms (z.B. Lungenfibrose, Pneumokoniosen, Sarkoidose, Tuberkulose)
- Erkrankungen der Lungengefäße (z.B. Schistosomiasis, rezidivierende Lungenembolien)
- Erkrankungen mit alveolärer Hypoventilation (z.B. chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), Pickwick-Syndrom)
- Stoffwechselerkrankungen (z.B. Mukoviszidose)
Aufgrund der pathologischen Veränderungen kommt es zu einer alveolären Hypoxie, die mittels des Euler-Liljestrand-Mechanismus zu einem erhöhten Widerstand im Lungenkreislauf führt. Die entstehende pulmonale Hypertonie erhöht die rechtsventrikuläre Nachlast. Damit das anfallende Volumen bewältigt werden kann, kommt es kompensatorisch zu einer Hypertrophie des rechten Ventrikelmyokards (oder zu einer Dilatation).
Klinik
Das Cor pulmonale führt nicht zu spezifischen Symptomen. Zu achten ist auf Zeichen der pulmonalen Hypertonie und Zeichen einer Rechtsherzinsuffizienz bei dekompensiertem Cor pulmonale (Halsvenenstauung, Stauungsleber, Ödeme).
Am Anfang des Krankheitsgeschehens sind nur sehr diskrete und inkonstante Symptome vorhanden:
EKG-Veränderungen
Elektrokardiographische (EKG-)Veränderungen treten in der Regel spät auf und fehlen auch bei einem Großteil der Betroffenen. Sie können umfassen:
- Rechtsherzhypertrophiezeichen (positiver Sokolow-Index)
- Rechtsschenkelblock mit einer Deformation des Kammerkomplexes in den Brustwandableitungen V1 und V2 sowie einer negativen T-Welle in V1 bis V3.
- In den Extremitätenableitungen II und III ein pyramidales P-pulmonale (die P-Welle ist verbreitert und erhöht)
Echokardiographie
In der Echokardiographie lässt sich die Hypertrophie und Dilatation des rechten Ventrikels objektivieren. Eventuell kann eine Trikuspidalinsuffizienz nachgewiesen werden. Aus ihrer maximalen Regurgitationsgeschwindigkeit und dem geschätzten rechtsatrialen Druck lässt sich bei fehlender rechtsventrikulärer Ausflusstraktobstruktion der systolische pulmonalarterielle Druck abschätzen. Die echokardiographische Wahrscheinlichkeit einer pulmonalen Hypertonie wird anhand der Regurgitationsgeschwindigkeit und zusätzlicher echokardiographischer Zeichen beurteilt.[2]
Röntgen-Thorax
Im Röntgen-Thorax zeigen sich spät im Krankheitsverlauf Veränderungen im Sinne des Cor pulmonale:
- Erweiterte zentrale Lungenarterien, Kalibersprung zu den peripheren Arterien hin, daher peripher "helle Lunge"
- Prominenter Pulmonalisbogen
- vergrößertes rechtes Herz, füllt im seitlichen Bild den retrosternalen Raum
Therapie
Die Behandlung richtet sich in erster Linie nach der Grunderkrankung und der Beseitigung bzw. Minderung der Hypoxämie; bei chronischer Hypoxämie ist eine Langzeit-Sauerstofftherapie zentral.[3][4] Bei Zeichen einer Rechtsherzinsuffizienz kommen Diuretika zur Entstauung in Betracht.[5] Eine spezifische pulmonal-arterielle Vasodilatatortherapie ist beim Cor pulmonale infolge chronischer Lungenerkrankungen in der Regel nicht indiziert; sie bleibt ausgewählten schweren Fällen vorbehalten.[5] Beim akuten Cor pulmonale ist die kausale Behandlung der Auslöser entscheidend, insbesondere bei Lungenembolie, Spannungspneumothorax oder schwerem Asthma; zusätzlich stehen unter intensivmedizinischen Bedingungen eine vorsichtige Steuerung von Vorlast und Nachlast, Diurese sowie gegebenenfalls inotrope Unterstützung und pulmonale Vasodilatation im Vordergrund.[5]
Prognose
Die Prognose hängt wesentlich von der zugrunde liegenden Lungenerkrankung, dem Ausmaß der pulmonalen Hypertonie und dem Vorliegen einer rechtsventrikulären Dekompensation ab.[4] Ein chronisch bestehendes Cor pulmonale kann lange kompensiert bleiben, verschlechtert sich jedoch bei persistierender Hypoxie und zunehmender pulmonaler Gefäßbelastung schrittweise.[5] Mit Entwicklung einer Rechtsherzinsuffizienz, Ödemen und Stauungszeichen nimmt die Prognose deutlich ab.[5]
Quellen
- ↑ Arrigo et al., Diagnosis and treatment of right ventricular failure secondary to acutely increased right ventricular afterload (acute cor pulmonale): a clinical consensus statement of the Association for Acute CardioVascular Care of the European Society of Cardiology, European Heart Journal: Acute Cardiovascular Care, 2024
- ↑ Deutsche Gesellschaft für Kardiologie: ESC Pocket Guidelines – Pulmonale Hypertonie, Version 2022, veröffentlicht 2023, abgerufen am 19.10.2026
- ↑ [1] Nationale Versorgungsleitlinie COPD, abgerufen am 19.10.2026
- ↑ 4,0 4,1 Deutsches Ärzteblatt, Pulmonale Hypertonie: Was ist neu?, 2017
- ↑ 5,0 5,1 5,2 5,3 5,4 MSD Manuals, Rechtsherzinsuffizienz und Cor pulmonale, abgerufen am 19.10.2026