Zervikogener Schwindel
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LoslegenEnglisch: cervicogenic dizziness, cervical vertigo
Definition
Zervikogener Schwindel ist definiert als ein unspezifisches Gefühl der veränderten Orientierung im Raum und des Ungleichgewichts im Zusammenhang mit einer Nackenfunktionsstörung. Er tritt häufiger bei Frauen und bei Personen auf, die sitzende Tätigkeiten ausüben oder während der Arbeit eine aufrechte Nackenhaltung einnehmen. Der Schwindel äußert sich häufig als Benommenheit in Kombination mit Gleichgewichtsstörungen.
Ätiologie
Der zervikogene Schwindel wird mit Funktionsstörungen der Halswirbelsäule (HWS) in Verbindung gebracht. Mögliche Auslöser sind Traumata wie Schleudertraumata, degenerative Veränderungen, muskuläre Verspannungen und Fehlhaltungen. Auch arthrotische Veränderungen der Facettengelenke oder Bandscheibenvorfälle können die propriozeptiven Afferenzen aus der Nackenregion beeinträchtigen.
Pathophysiologie
Der zugrunde liegende Mechanismus ist nicht abschließend geklärt. Er beruht vermutlich auf einer gestörten Verarbeitung zervikaler propriozeptiver Informationen. Afferenzen aus der Nackenmuskulatur und der HWS konvergieren mit vestibulären und visuellen Informationen in den Vestibulariskernen des Hirnstamms. Widersprüchliche sensorische Informationen können als Schwindel wahrgenommen werden.
Diagnostik
Die Diagnose des zervikogenen Schwindels ist eine Ausschlussdiagnose. Eine standardisierte Diagnostik mit allgemein anerkannten Kriterien liegt bislang nicht vor. Entscheidend sind ein zeitlicher Zusammenhang zwischen Nackenschmerzen oder einer HWS-Funktionsstörung und den Schwindelbeschwerden sowie der Ausschluss anderer Ursachen.
Die klinische Untersuchung umfasst die manuelle Untersuchung der HWS, Beweglichkeitsprüfungen und gegebenenfalls spezielle Tests wie den Halsdrehtest. Bildgebende Verfahren wie Röntgen, MRT oder CT können strukturelle Veränderungen der HWS nachweisen. Eine Vestibularisprüfung dient dem Ausschluss vestibulärer Störungen.
Zu den wichtigen Differenzialdiagnosen zählen:
- benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel
- Morbus Menière
- Neuritis vestibularis
- zentrale Schwindelursachen
- eine vertebrobasiläre Durchblutungsstörung, insbesondere bei neurologischen Begleitsymptomen oder belastungsabhängigen Beschwerden
Therapie
Die Behandlung erfolgt multimodal und richtet sich nach den zugrunde liegenden Funktionsstörungen. Im Vordergrund steht die Physiotherapie mit manueller Therapie, Mobilisationstechniken sowie Übungen zur Verbesserung der HWS-Funktion und der Propriozeption. Wärmeanwendungen und Massagen können muskuläre Verspannungen lindern.
Bei akuten Beschwerden können nichtsteroidale Antirheumatika oder Muskelrelaxantien eingesetzt werden. Eine ergonomische Beratung zur Arbeitsplatzgestaltung und eine Haltungsschulung unterstützen die Prävention. In therapieresistenten Fällen können nach sorgfältiger Indikationsstellung Infiltrationen der Facettengelenke oder Nervenblockaden erwogen werden. Die Evidenz für spezifische therapeutische Maßnahmen ist begrenzt.