Spondylose
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Synonyme: Spondylosis, Spondylosis deformans
Englisch: spondylosis, spondylosis deformans
Definition
Spondylose ist eine Sammelbezeichnung für verschiedene degenerative Veränderungen der Wirbelsäule. Liegt eine Entzündung der Wirbel vor, spricht man von einer Spondylitis.
Terminologie
Die Verwendung des Begriffs „Spondylose“ ist in der medizinischen Literatur nicht einheitlich. Einige Autoren fassen den Begriff enger und definieren ihn als degenerative Schwächung der Verbindung zwischen dem Anulus fibrosus der Bandscheibe und der Randleiste des angrenzenden Wirbelkörpers.[1]
Ätiologie
Die Entstehung der Spondylose ist multifaktoriell bedingt. Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen:
- Alter: Die Prävalenz steigt mit zunehmendem Lebensalter.
- Übergewicht: Es erhöht die mechanische Belastung der Wirbelsäule.
- Berufliche Belastung: Schwere körperliche Arbeit, repetitive Bewegungen und Vibrationsexposition.
- Genetische Disposition: Degenerative Wirbelsäulenerkrankungen können familiär gehäuft auftreten.
- Traumata: Vorausgegangene Wirbelsäulenverletzungen.
- Fehlhaltungen und Skoliose.
Pathophysiologie
Die degenerativen Veränderungen beginnen meist mit einer Dehydratation des Nucleus pulposus der Bandscheibe. Dies führt zu einem Höhenverlust des Bandscheibenfachs und zu einer erhöhten mechanischen Belastung der angrenzenden Strukturen. Im Anulus fibrosus entstehen Fissuren. Die verminderte Pufferfunktion der Bandscheibe bewirkt eine Mehrbelastung der Wirbelkörperendplatten mit reaktiven Sklerosierungen.
Als Kompensationsmechanismus bilden sich Osteophyten an den Wirbelkörperrändern. Sie vergrößern die Auflagefläche und verteilen die Druckbelastung. Gleichzeitig kommt es zu biochemischen Veränderungen mit vermehrter Proteoglykan-Degradation und Kollagen-Denaturierung. Entzündungsmediatoren wie Interleukin-1 und TNF-α können freigesetzt werden und den degenerativen Prozess unterhalten.
Formen
Die degenerativen Prozesse beginnen häufig im Bereich der Bandscheiben (Diskose bzw. Chondrosis intervertebralis) und greifen dann auf die Wirbelkörper über (Osteochondrosis intervertebralis). Es bilden sich Spondylophyten, die im Verlauf an Größe zunehmen und Wirbelsegmente knöchern verbinden (Ankylose). Eine Sonderform ist die Spondylosis hyperostotica, auch diffuse idiopathische skelettale Hyperostose (DISH).
Weiterhin sind häufig die Zwischenwirbelgelenke (Facettengelenke) betroffen. In diesem Fall spricht man von einer Spondylarthrose. Dabei kommt es zu einer Verdickung der Ligamenta flava, einer Hypertrophie der Facettengelenke und zur Ausbildung juxtaartikulärer Zysten.
Die Spondylosis deformans im engeren Sinne ist gekennzeichnet durch ausgeprägte Spondylophyten bei nur geringen degenerativen Veränderungen in den Bandscheibenfächern.
Klinik
Mögliche Folgen der Spondylose sind zum Beispiel Bewegungseinschränkungen, Radikulopathien, eine Spinalkanalstenose oder ein Facettensyndrom.
Diagnostik
Die Diagnose der Spondylose erfolgt durch die Kombination aus Anamnese, klinischer Untersuchung und bildgebenden Verfahren. Zur Diagnostik gehören:
- Klinische Untersuchung: Prüfung der Wirbelsäulenbeweglichkeit, Palpation auf Druckschmerzhaftigkeit sowie neurologische Untersuchung bei Verdacht auf Nervenwurzelkompression.
- Röntgen: Nativaufnahmen in zwei Ebenen zeigen Höhenminderung der Bandscheibenfächer, Spondylophyten, subchondrale Sklerosierungen und Facettengelenkarthrosen.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Sie dient zur Beurteilung von Bandscheiben, Spinalkanal, Nervenwurzeln und Weichteilen. Sie kann Modic-Veränderungen sowie das Ausmaß der Degeneration darstellen.
- Computertomographie (CT): Sie stellt knöcherne Strukturen besser dar und wird insbesondere bei Kontraindikationen gegen eine MRT eingesetzt.
- Funktionsaufnahmen: Sie kommen bei Verdacht auf Instabilität zum Einsatz.
Wichtige Differentialdiagnosen sind Spondylitis ankylosans, Spondylodiszitis, Wirbelkörperfrakturen und Wirbelsäulenmetastasen.
Therapie
Die Behandlung der Spondylose erfolgt primär konservativ und richtet sich nach der Symptomatik.
Konservative Therapie
Zu den konservativen Maßnahmen gehören:
- Physiotherapie zur Kräftigung der Rumpfmuskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und Haltungsschulung.
- Schmerztherapie mit NSAR und Muskelrelaxantien; bei chronischen Schmerzen kommen auch Antidepressiva oder Antikonvulsiva infrage.
- Infiltrationstherapie mit periradikulären oder Facettengelenksinfiltrationen aus Lokalanästhetika und Kortikosteroiden.
- Physikalische Therapie mit Wärmetherapie, Elektrotherapie oder Massage.
- Rückenschule zum Erlernen rückengerechter Bewegungsabläufe.
- Gewichtsreduktion bei Übergewicht.
Operative Therapie
Operative Eingriffe können bei therapierefraktären Beschwerden oder neurologischen Ausfällen indiziert sein. Mögliche Verfahren sind:
- Dekompression bei symptomatischer Spinalkanalstenose oder Nervenwurzelkompression.
- Spondylodese bei instabilen Segmenten oder ausgeprägter Spondylolisthesis.
- Bandscheibenprothese in ausgewählten Fällen zur Erhaltung der Beweglichkeit.
- Minimalinvasive Verfahren wie Nukleoplastie und Facettendenervation.
Prognose
Die Prognose der Spondylose ist variabel und hängt vom Ausmaß der degenerativen Veränderungen sowie von der Therapieadhärenz ab. Viele Patienten können durch konservative Maßnahmen eine Symptomlinderung erreichen. Die Progression degenerativer Veränderungen lässt sich jedoch nicht sicher aufhalten.
Mögliche Komplikationen sind chronische Rückenschmerzen, progrediente Bewegungseinschränkungen, neurologische Ausfälle durch Nervenwurzel- oder Rückenmarkskompression sowie eine eingeschränkte Lebensqualität. Regelmäßige körperliche Aktivität und Gewichtskontrolle sind wichtige prognostische Faktoren.
Quellen
- ↑ "Gelenke - Wirbelverbindungen" von W. Dihlmann und A. Stäbler, Seite 875, 4. Auflage, ISBN 978-3-13-471204-9