Posteriores reversibles Enzephalopathie-Syndrom
Trainier deine Lernmuskeln!
Mit Flash Cards, Quiz und mehr
LoslegenEnglisch: posterior reversible encephalopathy syndrome(PRES), reversible posterior leukoencephalopathy syndrome (RPLS)
Definition
Das posteriore reversible Enzephalopathie-Syndrom, kurz PRES, ist ein selten auftretendes neurologisches Syndrom, das durch Kopfschmerzen, Sehstörungen, Krampfanfälle und Verwirrtheit gekennzeichnet ist. In der Bildgebung sind typischerweise vasogene Ödeme in den Parietal- und Okzipitallappen nachweisbar.
- ICD10-Code: G93.4 - Enzephalopathie, nicht näher bezeichnet
Ätiologie
Auslöser der Erkrankung sind beispielsweise:
- Arterielle Hypertonie (häufigster auslösender Faktor)
- Immunsuppressiva und Zytostatika (z.B. Ciclosporin, Tacrolimus)
- Nierenerkrankungen
- Thrombotische Mikroangiopathien
- Präeklampsie, Eklampsie
- Autoimmunerkrankungen (SLE, Sjögren-Syndrom)
- Porphyrie
- Sepsis/Infektionen
- Z.n. Transplantation
Pathophysiologie
Der genaue Pathomechanismus ist derzeit (2022) noch nicht geklärt. In der Literatur finden sich u.a. zwei Theorien zur Pathophysiologie des PRES:
Gestörte zerebrale Autoregulation und Hypertonie
Ein rapider Blutdruckanstieg führt dazu, dass die autoregulatorischen Kapazitäten der zerebralen Gefäße nicht ausreichen. Dies führt zu einem kapillären Leak und der Enstehung eines vasogenen Ödems. Das posteriore Stromgebiet ist besonders gefährdet.
Endotheliale Dysfunktion
Ca. 30 % der PRES-Fälle gehen nicht mit einer Hypertonie einher und beruhen nicht auf einer Überlastung der zerebralen Autoregulationsmechanismen. Es wird vermutet, dass in diesen Fällen eine direkte Toxin-vermittelte endotheliale Dysfunktion ursächlich für die Krankheitsenstehung ist. Die endotheliale Dysfunktion geht ebenfalls mit kapillären Leaks einher, die zu Störungen der Blut-Hirn-Schranke und zur Enstehung eines vasogenen Ödems führen. Dieser Mechanismus wird v.a. für das Zytostatika-induzierte PRES beschrieben.
Klinik
Es handelt sich um ein akutes bis subakutes Krankheitsbild, das sich innerhalb von wenigen Stunden bis Tagen entwickelt und in der Regel reversibel ist. Klinische Symptome sind beispielsweise:
- Kopfschmerzen (in der Regel dumpf und diffus)
- generalisierte tonisch-klonische oder fokale Krampfanfälle
- Sehstörungen
- Kortikale Blindheit
- Neglect
- Vigilanzminderung
- Verwirrtheit
Diagnostik
Die Diagnose des PRES wird anhand der klinischen und radiologischen Befunde gestellt. In der Bildgebung des Schädels zeigen sich bilateral vasogene Ödeme in den Okzipital- und Parietallappen. Weitere mögliche Lokalisationen sind u.a. der Frontallappen, das Cerebellum, der Hirnstamm, die Basalganglien oder das Corpus callosum. Die Befunde lassen sich am Besten mit einer kranialen MRT (cMRT) darstellen:
- T2-Gewichtung mit FLAIR-Sequenz: symmetrisch hyperintense Signale in den parieto-okzipitalen Lappen beider Hemisphären
- T1-Gewichtung: hypointense Signale in den betroffenen Arealen
- DWI: hypo- oder isointenses Signal (manchmal gering hyperintens aufgrund des T2-Durchscheineffekts)
- ADC: hyperintense Signale
Differentialdiagnose
Die Differentialdiagnose einer akuten Ischämie lässt sich kernspintomografisch abgrenzen: Bei dieser wären in der DWI hyperintense und in der ADC hypointense Signale zu erwarten.
Therapie
Die Behandlung der PRES besteht insbesondere in der Therapie der Grunderkrankung bzw. Kontrolle der Auslöser, wie beispielsweise einer antihypertensiven Therapie.
Quellen
- Anderson et al Posterior Reversible Encephalopathy Syndrome (PRES): Pathophysiology and Neuro-Imaging, Front Neurol. 2020
- Neurology - Posterior reversible encephalopathy syndrome (PRES), abgerufen am 01.08.2022
- Ito et al. Cisplatin neurotoxicity presenting as reversible posterior leukoencephalopathy syndrome, AJNR Am J Neuroradiol, 1998
- Fugate et al. Posterior reversible encephalopathy syndrome: clinical and radiological manifestations, pathophysiology, and outstanding questions, The Lancet Neurology, 2015
- Raman et al. Various Imaging Manifestations of Posterior Reversible Encephalopathy Syndrome (PRES) on Magnetic Resonance Imaging (MRI), Pol J Radiol. 2017
- Staykov et al. Posteriores reversibles Enzephalopathiesyndrom, Der Nervenarzt, 2012
- UpToDate - Reversible posterior leukoencephalopathy syndrome, abgerufen am 02.08.2022
- Matthaei et al. Posteriores reversibles Enzephalopathiesyndrom, DGNeurologie, 2019