Kokzidien
Trainier deine Lernmuskeln!
Mit Flash Cards, Quiz und mehr
LoslegenWir werden ihn in Kürze redaktionell checken.
Wir werden ihn in Kürze redaktionell checken.
Synonym: Coccidea
Englisch: Coccidia
Definition
Kokzidien oder Coccidia sind eine Unterklasse (Coccidiasina) der apicomplexen Klasse Conoidasida und gehören damit zum Stamm Apicomplexa. Sie gehören wie Plasmodien zu den intrazellulären Parasiten höherer Tiere.
Taxonomie
Morphologie
Kokzidien sind einzellige Eukaryoten mit einem typischerweise ausgeprägten Apikalkomplex. Dieser besteht aus Rhoptrien, Mikronemen und einem Konoid. Die vegetativen Stadien sind meist rundlich bis oval und messen je nach Art zwischen 5 und 50 μm. Die Oozysten besitzen eine widerstandsfähige Wand und können in der Umwelt über Monate infektiös bleiben. Im Inneren der Oozysten entwickeln sich Sporozysten mit je zwei bis acht Sporozoiten.
Lebenszyklus
Der Lebenszyklus umfasst bei vielen Kokzidien sowohl asexuelle als auch sexuelle Vermehrungsphasen. Nach oraler Aufnahme von Oozysten werden im Darm Sporozoiten freigesetzt, die in Epithelzellen eindringen. Dort erfolgt die asexuelle Vermehrung (Schizogonie) mit Bildung von Merozoiten. Nach mehreren Schizogonie-Zyklen differenzieren sich die Merozoiten zu Geschlechtszellen (Gameten). Die Befruchtung führt zur Bildung neuer Oozysten, die mit dem Kot ausgeschieden werden. Die Sporulation erfolgt meist in der Außenwelt unter aeroben Bedingungen.
Wirtsspektrum
Kokzidien parasitieren ein breites Spektrum von Wirbeltieren, darunter Säugetiere, Vögel, Reptilien und Fische. Die meisten Arten sind wirtsspezifisch. Wichtige Vertreter sind Eimeria bei Geflügel und Kaninchen, Cystoisospora bei Hunden und Katzen, Toxoplasma gondii bei Katzen als Endwirt sowie Cryptosporidium bei verschiedenen Säugetieren einschließlich des Menschen.
Übertragungswege
Die Übertragung erfolgt bei vielen Arten fäkal-oral durch die Aufnahme sporulierter Oozysten aus der Umwelt. Diese können über kontaminiertes Wasser, Nahrungsmittel oder Schmierinfektionen übertragen werden. Oozysten von Cryptosporidium sind bereits bei Ausscheidung infektiös. Bei Toxoplasma gondii sind zusätzlich eine transplazentare Übertragung sowie eine Infektion durch den Verzehr von zystenhaltigem Fleisch möglich. Immunsupprimierte Patienten sind besonders gefährdet.
Klinische Bedeutung
Kokzidien verursachen die Kokzidiose, eine Durchfallerkrankung, die besonders bei Jungtieren und immungeschwächten Individuen schwer verlaufen kann. Die Symptome reichen von mildem Durchfall bis zu schwerer, blutiger Enteritis mit Dehydratation und Gewichtsverlust. Cryptosporidium kann beim Menschen eine selbstlimitierende Durchfallerkrankung auslösen, die bei AIDS-Patienten jedoch chronisch und lebensbedrohlich verlaufen kann. Toxoplasma gondii verursacht die Toxoplasmose, die bei Immunsuppression zu schweren ZNS-Manifestationen führen kann.
Diagnostik
Der Nachweis erfolgt primär durch mikroskopische Untersuchung von Kotproben. Die Oozysten können mittels Flotationsverfahren angereichert und nach Färbung identifiziert werden. Für Cryptosporidium eignet sich beispielsweise die Ziehl-Neelsen-Färbung. Molekularbiologische Methoden wie die PCR ermöglichen eine speziesspezifische Diagnostik. Serologische Verfahren stehen für Toxoplasma gondii zur Verfügung, darunter ELISA und IFT.
Therapie
Die Behandlung richtet sich nach dem Erreger und der Schwere der Erkrankung. Bei Eimeria-Infektionen kommen Kokzidiostatika wie Toltrazuril oder Sulfonamide zum Einsatz. Bei Cryptosporidium-Infektionen kann Nitazoxanid bei immunkompetenten Patienten eingesetzt werden. Bei immunsupprimierten Patienten ist die Therapie häufig schwierig und erfordert gegebenenfalls eine Verbesserung der Immunfunktion. Die Toxoplasmose wird mit einer Kombination aus Pyrimethamin, Sulfadiazin und Folinsäure therapiert. Supportive Maßnahmen umfassen Flüssigkeitssubstitution und Elektrolytausgleich.