Extrauteringravidität
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LoslegenSynonym: ektope Gravidität
Abkürzung: EUG
Definition
Eine Extrauteringravidität, kurz EUG, liegt bei Einnistung (Nidation) einer befruchteten Eizelle außerhalb des Cavum uteri vor, d.h. die Eizelle nistet sich außerhalb der Gebärmutterhöhle ein.
Lokalisation
99 % aller Extrauteringraviditäten sind in einem der Eileiter lokalisiert (Eileiterschwangerschaft bzw. Tubargravidität). Hier gibt es drei Lokalisationen:
- ampulläre Gravidität: im distalen Bereich der Tuba uterina
- isthmische Gravidität: etwas weiter proximal im Tubenisthmus
- interstitielle/intramurale Gravidität: am Übergang von Tuba uterina zum Uterus
Etwa 1 % der Extrauteringraviditäten nisten sich im Ovar, im Peritoneum oder in der Cervix uteri ein.
siehe auch: Ovarialgravidität
Ätiologie und Pathogenese
Wie auch das Endometrium wandelt sich die Tubenschleimhaut dezidual um. Ist also am 5. oder 6. Tag das befruchtete Ei noch nicht ins Cavum uteri gedrungen, findet die Einnistung dort statt, wo sich das Ei gerade befindet. Mögliche Gründe hierfür sind:
- angeborene mechanische Hindernisse (z.B. Tubendysplasie, Tubendivertikel)
- erworbene mechanische Hindernisse (Z.n. Adnexitis bzw. Salpingitis mit Tubenverwachsungen, Endometriose, frühere Operationen im Tubarbereich, frühere Extrauteringravidität oder Abort)
- funktionelle Störungen (fehlende oder verminderte Zilienaktivität bzw. Tubenmotilität, z.B. bei Nikotinabusus)
- iatrogene Ursachen (Intrauterinpessar, Sterilisations-OP, hormonelle Sterilitätsbehandlung)
Symptome
Je nach Lokalisation und Stadium der Einnistung und Zustand der Frucht ist das klinische Bild sehr variabel. Als wegweisende Trias können folgende Symptome auftreten:
- Schmierblutung
- rezidivierende Unterbauchschmerzen evtl. mit Kolik
- sekundäre Amenorrhoe (Hormonentzugsblutung)
sowie
- Schulterschmerzen (durch Reizung des Nervus phrenicus durch Blutungen)
- Abwehrspannung
- Kreislaufkollaps bis zum Schock
- unsichere Schwangerschaftszeichen (Brustspannen, morgendliche Übelkeit)
Diagnostik
Klinische Untersuchung
- Anamnese (letzte Regelblutung, Hormonentzugsblutung, Kohabitation in den fruchtbaren Tagen)
- Palpation des Abdomens: Druckdolente Resistenz, Abwehrspannung
- Portioverschiebeschmerz
Labor
- Positiver Schwangerschaftstest: ß-hCG in Blut und Urin positiv
- hCG-Verlaufskontrolle: Der Anstieg des ß-hCG entspricht nicht dem physiologischen Schwangerschaftsverlauf. Ein Anstieg unter 66 % des Ausgangswertes im 48-Stunden-Verlauf weist auf eine EUG hin. Bei einer vitalen intrauterinen Schwangerschaft kommt es in der Regel innerhalb von 48 Stunden zu einer Verdoppelung des hCG-Spiegels. Ein normaler hCG-Anstieg im ersten Trimenon schließt mit einer hohen Wahrscheinlichkeit (> 95 %) eine Extrauteringravidität aus.
- Progesteronspiegel: Die Bestimmung des Progesterons kann bei Unsicherheiten in Kombination mit dem hCG die nichtintakte Gravidität mit hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen, leistet aber keinen Beitrag zum Nachweis einer ektopen Schwangerschaft.
Vaginalsonografie
Bei einem hCG-Wert > 1.000 U/l sollte bei einer Vaginalsonographie ein intrauterines Chorion (Fruchtbläschen > 4 mm) erkennbar sein. Bei der EUG findet sich hingegen ein leeres Cavum uteri, evtl. ein Pseudo-Gestationssack. Außerdem sieht man eine Verdickung der Tube und freie Flüssigkeit im Abdomen. Ca. 6 Wochen post menstruationem findet man eine Fruchtblase mit Embryo. Die sonografischen Befunde werden bewertet als:
- sichere ektope Schwangerschaft: extrauteriner Gestationssack mit Dottersack und/oder Embryo
- wahrscheinliche ektope Schwangerschaft: inhomogene Raumforderung im Bereich der Adnexe
- unklare Schwangerschaftsanlage: kein Hinweis auf eine intrauterine oder extrauterine Schwangerschaftsanlage
- wahrscheinlich intrauterine Schwangerschaft: darstellbare intrauterine Ringstruktur
- sichere intrauterine Schwangerschaft: intrauteriner Gestationssack mit Dottersack und/oder Embryo.
Mit der Vaginalsonografie können etwa 75 % der Tubargraviditäten nachgewiesen werden.[1]
Weitere Verfahren
Die Diagnosesicherung kann laparaskopisch durch eine Pelviskopie erfolgen.
Differentialdiagnosen
Differentialdiagnostisch abzugrenzen sind:
- Abort
- Frühgravidität
- Appendizitis
- Adnexitis
- Ovarialtumor
- urologische Koliken
Therapie
Meist wird eine diagnostisch-therapeutische Pelviskopie durchgeführt. Vorher muss entschieden werden, ob das Organ erhalten werden kann oder entfernt wird. Bei dieser Entscheidung spielt beispielsweise auch das Alter und die Familienplanung der Patientin eine Rolle. Wird die Tube erhalten, muss mit einer erhöhten Rezidivrate gerechnet werden.
Auch die Lokalisation spielt eine Rolle:
- Bei ampullärer Gravidität findet eher ein Tubarabort statt. Die Frucht wird mittels Expression oder Absaugung entfernt.
- Bei isthmischer Gravidität besteht die Gefahr der Tubarruptur. Hier muss eine Salpingotomie oder Salpingektomie erfolgen.
| OP-Video: Eileiterschwangerschaft - Ruptur |
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Im frühen, asymptomatischen Stadium kann auch eine medikamentöse Therapie mit Prostaglandin F2α oder Methotrexat in Erwägung gezogen werden. Die Erfolgsrate der Therapie mit Methotrexat liegt zwischen 63 und 97 %. Sie ist in Multi-Dose-Protokollen etwas höher als bei der Single-Dose-Therapie. Aufgrund der gleichwertigen Ergebnisse operativer Verfahren wird von einer breiten Anwendung der medikamentösen Behandlung abgeraten. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Nausea, Emesis, Stomatitis.
Bei allen Therapieverfahren muss das ß-hCG bis zum Abfall unter die Nachweisgrenze kontrolliert werden, um eine Persistenz rechtzeitig zu erkennen.
Quellen
- ↑ Taran, F.A., Kagan, K.-O., Hübner, N. et al.: Diagnostik und Therapiestrategien bei Extrauteringravidität. Dtsch. Ärztebl. 112 (41): 693-705.