Difelikefalin
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LoslegenHandelsname: Kapruvia®
Englisch: difelikefalin
Definition
Difelikefalin ist ein selektiver Kappa-Opioidrezeptor-Agonist, der gegen Pruritus bei dialysepflichtigen Patienten eingesetzt wird.
Chemie
Difelikafelin ist ein Peptidomimetikum, das der Sequenz Phe-Phe-Leu-Lys entspricht. Am C-Terminus befindet sich ein Piperidin, das an 4-Position mit einer Carbonsäure- und Amino-Funktion substituiert ist.
Das Molekulargewicht beträgt 679,8 g/mol.[1]
Wirkmechanismus
Viele Patienten unter einer Hämodialyse leiden unter Pruritus, dessen genaue Pathophysiologie noch nicht vollständig geklärt ist. Er entsteht infolge der chronischen Nierenerkrankung und geht mit einem Ungleichgewicht des endogenen Opioidsystems einher, das bei der Modulation von Juckreiz eine Rolle spielt. Während die μ-Opioidrezeptoren hochreguliert werden, werden die κ-Opioidrezeptoren herunterreguliert.
Die Aktivierung von κ-Rezeptoren reduziert den Juckreiz. Difelikefalin aktiviert selektiv κ-Rezeptoren und lindert so die Symptomatik. Aufgrund seiner physikochemischen Eigenschaften kann der Arzneistoff nicht die Blut-Hirn-Schranke überqueren, sodass die Rezeptoren lediglich in der Peripherie aktiviert werden können. Das Einsetzen der juckreizlindernden Wirkung ist zwei bis drei Wochen nach der Behandlung zu erwarten.[2][3]
Pharmakokinetik
Das Verteilungsvolumen beträgt 145 bis 189 ml/kg bei Gesunden und 214 bis 301 ml/kg bei Hämodialysepatienten.
Bei gesunden Menschen beträgt die Plasmahalbwertszeit zwei bis drei Stunden und die Ausscheidung erfolgt überwiegend renal. Bei Hämodialysepatienten erfolgt die Ausscheidung zum Großteil über den Stuhl und die Halbwertszeit ist um den Faktor 10 erhöht (23 bis 31 Stunden). Der Wirkstoff wird nicht durch Enzyme des Cytochrom-P450-Systems verstoffwechselt und ist kein Inhibitor oder Induktor von CYP-Enzymen.[2]
Indikation
- mäßiger bis schwerer Pruritus im Zusammenhang mit einer chronischen Nierenerkrankung bei erwachsenen Hämodialysepatienten
Darreichungsform
Difelikefalin ist als Injektionslösung erhältlich.
Dosierung
Der Arzneistoff wird dreimal wöchentlich am Ende der Hämodialysebehandlung beim oder nach dem Rückspülen als intravenöse Bolusinjektion in den venösen Zugang des extrakorporalen Kreislaufes verabreicht. Die Dosis beträgt 0,5 µg/kg Trockengewicht (d.h. das Zielgewicht nach der Dialyse). Es sollen nicht mehr als vier Dosen pro Woche angewendet werden. Der Arzneistoff wird durch die Dialysemembran entfernt, weswegen er erst verabreicht wird, wenn kein Blut mehr durch den Dialysator fließt.[2]
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Nebenwirkungen
Mögliche Nebenwirkungen von Difelikefalin sind:[2]
- Hyperkaliämie: Unter Behandlung mit Difelikafelin wurde über eine erhöhte Rate an Hyperkaliämien berichtet. Eine Kausalität konnte jedoch nicht gezeigt werden, da Hyperkaliämien generell bei dialysepflichtigen Patienten auftreten können.
- Schwindel, Somnolenz
- Parästhesie, Kopfschmerzen
- Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
Wechselwirkungen
Wirkstoffe mit ZNS-depressiver Wirkung (Sedativa, sedierende Antihistaminika, Opioid-Analgetika) können das Auftreten von Schwindel und Somnolenz fördern.
Kontraindikationen
Kontraindikationen sind Zustände, bei denen die Blut-Hirn-Schranke beeinträchtigt ist (z.B. Hirntumore, Multiple Sklerose, Morbus Alzheimer). Bei diesen kann Difelikafelin in das Gehirn übertreten und Kappa-Opioidrezeptoren im Zentralnervensystem aktivieren. In diesen Fällen sollte der Arzneistoff mit Vorsicht angewandt werden.
Zulassung
Die Zulassung von Difelikefalin erfolgte 2022.
Quellen
- ↑ Difelikefalin in der pubchem-Datenbank; aufgerufen am 04.10.2022
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 Kapruvia 50 Mikrogramm, Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation); aufgerufen am 04.10.2022
- ↑ Maucher, V. Neueinführung Kapruvia bei Hämodialysepatienten mit starkem Pruritus. gelbe Liste online (2022); aufgerufen am 04.10.2022