Clostridioides difficile
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Loslegenvon altgriechisch: κλωστήρ ("kloster") - Spindel; lateinisch: difficile - schwierig
Synonyme: C. difficile, C. diff
Englisch: Clostridioides difficile
Definition
Clostridioides difficile, bis 2016 Clostridium difficile genannt, ist ein obligat anaerobes, bewegliches, gram-positives Stäbchenbakterium, das zur Sporenbildung befähigt ist. Das Bakterium ist einer der häufigsten Erreger von Nosokomialinfektionen.
Nomenklatur
Die ältere Bezeichnung "Clostridium difficile" ist in der medizinischen Alltagssprache nach wie vor (Stand 2022) weit verbreitet. Ein Grund dafür ist sicher die schlechte Sprechbarkeit des neuen Erregernamens.
Systematik
- Phylum: Bacillota
- Klasse: Clostridia
- Ordnung: Eubacteriales
- Familie: Peptostreptococcaceae
- Gattung: Clostridioides
- Art: Clostridioides difficile
- Gattung: Clostridioides
- Familie: Peptostreptococcaceae
- Ordnung: Eubacteriales
- Klasse: Clostridia
Mit dem Namen Clostridioides difficile wurde auch eine neue Gattung Clostridioides eingeführt, zu der außer Clostridioides difficile noch Clostridioides mangenotii gehört, das ebenfalls bisher zu den Clostridien gezählt wurde.[1] Die neue Klassifikation beruht auf Vergleichsstudien der 16S-rRNA-Sequenz.
Vorkommen
Clostridioides difficile kommt ubiquitär in der Umwelt und im Magen-Darm-Trakt von Menschen vor. Beim Menschen ist der Erreger häufig im Darm von Kleinkindern zu finden (bis zu 80%). Erwachsene hingegen weisen nur eine geringere Besiedlung (unter 5%) auf. Nach einem Krankenhausaufenthalt sind etwa 20 bis 40% der Patienten mit Clostridioides difficile besiedelt, wobei sie häufig asymptomatisch bleiben.
Pathomechanismus
Clostridioides difficile produziert verschiedene Exotoxine, wie Enterotoxin A und Zytotoxin B, die zu einer Zerstörung der Epithelzellen der Darmschleimhaut führen. Beide Toxine sind Glucosyltransferasen, die GTPasen der Rho-Familie inaktivieren. Zytotxin B induziert dadurch eine Depolymerisation des Aktins. Weitere Toxine wurde beschrieben - ihre pathogenetische Bedeutung ist jedoch noch offen.
Zusätzliche Virulenzfaktoren von Clostridioides difficile sind Adhäsine, welche die Bindung an das Darmepithel vermitteln, und Hyaluronidase. Der Erreger sezerniert außerdem p-Kresol, um das Wachstum von anderen Mikroorganismen in seiner Umgebung zu unterdrücken. Damit verschafft er sich einen Selektionsvorteil gegenüber der normalen Darmflora.
In den letzten Jahren zeigte sich neben einem Anstieg der Inzidenz von Infektionen mit Clostridioides difficile auch das vermehrte regionale Auftreten von hochvirulenten Stämmen in Clustern, wie etwa dem Ribotyp 027. Beim Ribotyp 027 liegt eine Punktmutation (Deletion) im Toxingen vor, was schwere Krankheitsverläufe mit deutlich vermehrter Toxinexpression (A+B) zur Folge hat. Diese hochvirulenten Stämme weisen häufig Resistenzen gegen mehrere Antibiotika (z.B. Erythromycin oder Moxifloxacin) auf.
Übertragungsweg
Clostridioides difficile wird mit der Fäzes abgegeben und fäkal-oral zwischen Menschen, aber auch zwischen Tier und Mensch übertragen. Der Erreger kommt als Kommensale in der Darmflora vieler Patienten vor.
Das Bakterium bildet hitzeresistente Endosporen, die nicht durch gängige Händedesinfektionsmittel oder eine konventionelle Flächendesinfektion abgetötet werden. Die Sporen können daher auch in Gesundheitseinrichtungen lange Zeit überleben. Jede Oberfläche, die potentiell mit Fäzes kontaminiert ist (z.B. Toilettensitze, Badewannen), kommt dabei als Infektionsquelle in Frage.
Nach der oralen Aufnahme der Sporen passieren sie aufgrund ihrer Säureresistenz den Magen, ohne vom Magensaft abgetötet zu werden. Im Colon keimen sie durch den Kontakt mit Gallensäuren und nehmen wieder ihre vegetative Form an, die sich auf der Darmschleimhaut vermehrt.
Klinik
Eine Infektion mit Clostridioides difficile löst eine akute Darmentzündung (Enteritis) mit schleimig-blutigen Diarrhöen, Fieber und Bauchkrämpfen aus. Der Stuhl hat einen fötiden Geruch. Durchfallbedingt kann es zu einer Exsikkose kommen.
Die Schwere der Clostridioides-difficile-assoziierten Diarrhö (CDAD) variiert stark. In der Mehrzahl der Fälle kommt es zu einem leichten bis mittelschweren Krankheitsverlauf. Die schwerste Verlaufsform imponiert unter dem Bild der pseudomembranösen Colitis mit der Ausbildung von Pseudomembranen auf den Colonwänden. Weiterhin ist die Entstehung eines toxischen Megacolon möglich.
Häufig geht eine Infektion mit Clostridioides difficile mit einer Hyperalbuminämie einher.
Nachweis
Als Screeningtest eignet sich das Clostridioides difficile-spezifische Enzym Glutamat-Dehydrogenase (GDH). Es wird sowohl von toxigenen als auch von nicht-toxigenen Stämmen produziert.
Die Infektion mit pathogenen Stämmen wird über den Nachweis der Toxine in einer Stuhlprobe belegt (Toxin A/B-Test). Er kann per Zellkultur (Hemmung des Zellwachstums) oder per ELISA erfolgen. Präanalytische Faktoren (lange Transportzeit, falsche Probenlagerung) können zu einem Toxinabbau führen und falsch negative Testergebnisse verursachen.
Die Kultivierung des Erregers ist aufwändig, aber nicht sinnvoll, da der Erreger auch bei Gesunden vorkommt.
Die pseudomembranöse Colitis kann endoskopisch durch eine Koloskopie diagnostiziert werden.
Therapie
Die antibiotische Therapie von Clostridioides-difficile-Infektionen ist anspruchsvoll, da der Erreger Resistenzen entwickelt und sich der Therapie durch Sporenbildung und den schützenden Effekt der Pseudomembranen entzieht. Die hier gemachten Angaben sollten daher mit den aktuellen Empfehlungen abgeglichen werden, da sich die Resistenzsituation dynamisch weiterentwickelt.
Die Behandlung wird mit Metronidazol (4 x 250 mg oder 3 x 500 mg oral/i.v.) oder Vancomycin (4 x 125 mg oral) durchgeführt. Die Therapiedauer sollte ca. 10 Tage betragen.[2]
Metronidazol wird vorzugsweise bei Patienten mit einem nichtschweren Verlauf eingesetzt, da Metronidazol hier eine vergleichbar gute Wirksamkeit wie Vancomycin hat. Vancomycin ist die Therapie der Wahl bei Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf sowie bei Schwangerschaft und Kindern unter 10 Jahren.
Bei rezidivierenden Verläufen kann anstelle von Vancomycin das orale Schmalspektrumantibiotikum Fidaxomicin (200 mg Tabletten) über 10 Tage gegeben werden (1 - 0 - 1). Nachteil sind die mit rund 2.100 Euro relativ hohen Kosten der Behandlung.[3]
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Bei Patienten mit lebensbedrohlichen Krankheitsbildern (z.B. toxisches Megakolon) wird eine Kombinationstherapie mit Vancomycin und Metronidazol empfohlen. Im Falle einer Sepsis kann Metronidazol kann auch intravenös gegeben werden.
Quellen
- ↑ Lawson PA et al: Reclassification of Clostridium difficile as Clostridioides difficile (Hall and O'Toole 1935) Prévot 1938. Anaerobe 2016; 40: 95-99
- ↑ "RKI-Ratgeber Clostridioides difficile", Robert Koch-Institut, Abteilung für Infektionsepidemiologie, Stand: 19.05.2016
- ↑ Fidaxomicin (Dificlir) Bbei Clostridien-assoziierter Diarrhö Arzneitelegramm 2013; 44: 27-8
Literatur
- Laborlexikon.de; abgerufen am 25.02.2021