COPD
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Synonyme: chronisch obstruktive Lungenerkrankung, COLD (Chronic Obstructive Lung Disease), CORD (Chronic Obstructive Respiratory Disease), COAD (Chronic Obstructive Airways Disease)
Englisch: COPD
Definition
COPD ist eine Abkürzung für "Chronic Obstructive Pulmonary Disease", auf Deutsch: „chronisch obstruktive Lungenerkrankung“. COPD ist eine Sammelbezeichnung für chronische Erkrankungen der Atemwege, die mit einer zunehmenden Einschränkung der Lungenventilation (Airflow) einhergehen. Sie gehört zur Gruppe der obstruktiven Ventilationsstörungen. Zugrunde liegen Veränderungen der Atemwege und/oder Alveolen; eine Kombination aus chronischer Bronchitis und Lungenemphysem ist nicht obligat.[1]
WHO-Definition
Nach Definition der World Health Organization (WHO) ist die COPD eine Lungenerkrankung, die durch eine chronische Atemwegsobstruktion mit eingeschränktem Airflow gekennzeichnet ist, welche die normale Atmung beeinträchtigt und nicht völlig reversibel ist. Die Diagnose erfolgt durch Spirometrie.
Nach einer älteren Definition der WHO wurde der Begriff COPD an das Vorliegen eines schleimig-eitrigen, produktiven Hustens gekoppelt, der in zwei aufeinander folgenden Jahren über eine Zeitperiode von mindestens drei Monaten an den meisten Tagen auftritt.
GOLD-Definition
Nach der Definition der GOLD ist COPD eine heterogene Lungenerkrankung mit chronischen respiratorischen Symptomen wie Dyspnoe, Husten, Auswurf und/oder Exazerbationen. Veränderungen der Atemwege und/oder Alveolen verursachen eine persistierende, häufig fortschreitende Atemwegsobstruktion.[1]
Nach Ansicht der GOLD muss bei jedem Patienten an eine COPD gedacht werden, der Symptome wie Husten, Auswurf und Dyspnoe aufweist oder Risikofaktoren (z.B. Rauchen) ausgesetzt ist. Die Diagnose wird durch Spirometrie gesichert.
ICD-10-Codes
Die ICD-10-Codes umfassen:
- J44.0: Chronische obstruktive Lungenkrankheit mit akuter Infektion der unteren Atemwege
- J44.1: Chronische obstruktive Lungenkrankheit mit akuter Exazerbation, nicht näher bezeichnet
- J44.8: Sonstige näher bezeichnete chronische obstruktive Lungenkrankheit
- J44.9: Chronische obstruktive Lungenkrankheit, nicht näher bezeichnet
Epidemiologie
In Deutschland wurden im Jahr 2015 insgesamt 241.742 Patienten mit COPD vollstationär im Krankenhaus behandelt. Das Durchschnittsalter lag bei 70,5 Jahren. Mit 31.073 Sterbefällen belegten die COPDs zudem Rang 6 der häufigsten Todesursachen in diesem Jahr.[2]
Nach der RKI-Gesundheitsberichterstattung betrug die 12-Monats-Prävalenz des Befragungsindikators COPD in Deutschland für 2019 bei Personen ab 45 Jahren 8,5 %. Grundlage waren Selbstangaben zu chronischer Bronchitis, COPD oder Lungenemphysem in GEDA 2019/2020-EHIS, nicht eine spirometrische Diagnosesicherung.[3]
Ätiologie
Die mit Abstand häufigste Ursache von chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen ist das Zigarettenrauchen. Hier wird durch eingeatmete Partikel des Zigarettenrauchs eine Entzündungsreaktion in den Atemwegen ausgelöst. Weitere mögliche Ursachen sind:
- Luftverschmutzung: In Entwicklungs- und Industrieländern ohne strenge Umweltgesetze ist sie als Ursache ebenso bedeutend wie das Zigarettenrauchen. Auslöser sind u.a. Feinstaub, Schwefeldioxid und Stickoxide.
- Berufliche Exposition: Personen, die im Rahmen ihrer Beschäftigung organischen oder anorganischen Stäuben, toxischen Gasen oder Lösungsmitteldämpfen ausgesetzt sind, haben ein erhöhtes COPD-Risiko
- Chronisch rezidivierende Atemwegsinfekte: Epidemiologische Studien weisen auf einen Zusammenhang zwischen der Häufigkeit akuter Atemwegsinfekte im Kindesalter und der Entstehung einer COPD hin.
Neben diesen exogenen Faktoren spielt auch die genetische Disposition eine Rolle. Die COPD tritt familiär gehäuft auf, wobei wahrscheinlich viele verschiedene Gene als Auslöser wirken. Ein klarer monogenetischer Zusammenhang besteht bei einem Alpha-1-Antitrypsin-Mangel.
Pathophysiologie
Die COPD beruht auf einer chronischen Entzündungsreaktion der Atemwege und des Lungenparenchyms, die zu Schleimhypersekretion, Wandverdickung, Fibrose der kleinen Atemwege und parenchymaler Destruktion führt.[4] Der Verlust alveolärer Anheftungen und der elastischen Retraktionskräfte begünstigt den Kollaps der kleinen Atemwege in der Exspiration und verstärkt die Atemwegsobstruktion.[4] Dadurch kommt es zu einer gas trapping bedingten Überblähung mit statischer und dynamischer Hyperinflation, die die inspiratorische Kapazität vermindert und die Belastungsdyspnoe verstärkt.[4] Mit der Progression der Erkrankung nehmen Störungen des Gasaustauschs zu; es entwickeln sich Hypoxämie und Hyperkapnie, außerdem können pulmonale Gefäßveränderungen zur pulmonalen Hypertonie und Cor pulmonale beitragen.[4]
Symptome
Hauptsymptome einer COPD sind:
- Chronischer Husten
- Auswurf
- Dyspnoe, vor allem bei Belastung
- Engegefühl in der Brust
Die Schwere der Symptomatik kann mit strukturierten Assessments erhoben werden. Dazu zählen der Chronic Airways Assessment Test (CAAT, früher COPD Assessment Test bzw. CAT)[5] und der Modified Medical Research Council (mMRC).
Diagnose
Die Diagnostik der COPD umfasst verschiedene Verfahren:
- Klinischer Verdacht anhand von Symptomen und Expositionsanamnese; zur Diagnosesicherung ist der lungenfunktionelle Nachweis einer persistierenden Atemwegsobstruktion erforderlich. Das klinische Bild allein, etwa „Raucherhusten“, reicht nicht aus.[6]
- Bakteriologische Untersuchung des Sputums
- Lungenfunktionstest
- Blutbild:
- erhöhte Leukozyten
- Polyglobulie
- Röntgenthorax:
- sichtbares Emphysem
- sichtbare Ödeme
- Blutgasanalyse (BGA)
Klassifikation
Klassifikation der Atemwegsobstruktion bei Patienten mit COPD, basierend auf dem forcierten exspiratorischen Volumen in einer Sekunde (FEV1) nach Bronchodilatation:[7]
| Für Patienten mit einem FEV1-FVC-Verhältnis < 0,70: | ||
| GOLD 1 | mild | FEV1 ≥ 80 % vorhergesagt |
| GOLD 2 | moderat | 50 % ≤ FEV1 < 80 % vorhergesagt |
| GOLD 3 | schwer | 30 % ≤ FEV1 < 50 % vorhergesagt |
| GOLD 4 | sehr schwer | FEV1 < 30 % vorhergesagt |
| FEV1 = Forced Expiratory Volume per Second, FVC = forcierte Vitalkapazität, GOLD = Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease | ||
Zusätzlich erfolgt die klinische Einteilung nach Symptombelastung und Exazerbationsanamnese in die GOLD-Gruppen A, B und E. Nach GOLD 2026 umfasst Gruppe E Patienten mit mindestens einer moderaten oder schweren Exazerbation in den vorausgegangenen 12 Monaten, unabhängig von der Symptombelastung. Ohne solche Exazerbationen erfolgt die Zuordnung zu A bei geringer beziehungsweise B bei höherer Symptombelastung. Diese Einteilung dient insbesondere der Auswahl der initialen medikamentösen Dauertherapie.[8]
Differentialdiagnosen
Als wichtige Differenzialdiagnosen für eine Atemwegsobstruktion müssen berücksichtigt werden:
Komplikationen
Die häufigste Komplikation der COPD ist die akute Exazerbation (AECOPD) im Rahmen von Atemwegsinfektionen.
Therapie
Die Therapie der COPD ist komplex. An vorderster Stelle stehen präventive Maßnahmen und die Ausschaltung von Risikofaktoren. Das weitere therapeutische Management unterteilt man in die Langzeitbehandlung und die Behandlung akuter Exazerbationen.
Therapieziele
Als therapeutische Ziele der COPD-Behandlung stehen im Vordergrund:
- Linderung der Symptome
- Verminderung der Krankheitsprogression
- Steigerung der körperlichen Belastbarkeit
- Verbesserung der Lebensqualität (QoL)
- Prophylaxe und Therapie von Exazerbationen
- Prophylaxe und Therapie von Komplikationen
- Reduktion der Mortalität
Langzeitbehandlung
Impfungen
Der Impfstatus von COPD-Patienten sollte gemäß den aktuellen STIKO-Empfehlungen überprüft werden. Neben Influenza und Pneumokokken sind Impfungen gegen COVID-19 sowie abhängig von Alter, Erkrankungsschwere und individuellen Risikofaktoren gegen RSV und Herpes zoster zu berücksichtigen.[9]
Medikamentöse Therapie
Grundlage der medikamentösen Dauertherapie sind langwirksame Bronchodilatatoren. Bei stärkerer Symptombelastung wird eine Kombination aus langwirksamem Anticholinergikum und langwirksamem Beta-2-Sympathomimetikum eingesetzt.[10] Inhalative Glukokortikoide sind keine allgemeine Basistherapie, sondern werden bei entsprechender Indikation zusätzlich eingesetzt; dabei sind insbesondere Exazerbationsanamnese, Bluteosinophile und eine begleitende Asthmakomponente zu berücksichtigen.[6]
Bei ausgewählten Patienten mit eosinophiler COPD und wiederholten Exazerbationen trotz optimierter inhalativer Triple-Therapie kommt nach fachärztlicher Prüfung eine zusätzliche Behandlung mit gegen die Typ-2-Inflammation gerichteten Biologika infrage.[11]
Zur medikamentösen Therapie stehen folgende Arzneimittelgruppen zur Verfügung:
- Inhalative Glukokortikoide
- Bronchodilatatoren zur Reduktion des Atemwegswiderstands
- Anticholinergika (z.B. Ipratropiumbromid, Tiotropiumbromid)
- Beta-2-Sympathomimetika
- Theophyllin (Cave:' geringe therapeutische Breite, 3. Wahl)
- Mukopharmaka (z.B. Acetylcystein, Ambroxol)
- PDE-4-Hemmer (z.B. Roflumilast)
Operative Therapie
Folgende operative Verfahren kommen infrage:
Ergänzende Maßnahmen
Ergänzende Maßnahmen sind:
- Körperliches Training: verbessert die Belastbarkeit des Patienten und reduziert Dyspnoe und Ermüdbarkeit
- Physiotherapie bzw. Atemphysiotherapie
- Langzeitsauerstofftherapie (LOT), z.B. mit mobilem Sauerstoffgerät
- Heimbeatmung
- Rauchverbot
Behandlung akuter Exazerbationen
Zur Behandlung akuter Exazerbationen kommen folgende Maßnahmen infrage:
- Bronchodilatatoren
- Systemische Glukokortikoidtherapie
- Antibiotika
- Sauerstoffgabe
- Beatmung
Bei jeder Form der Beatmung von COPD-Patienten muss berücksichtigt werden, dass die Adaptation an die chronische Hyperkapnie den CO2-Partialdruck als primären Atemantrieb supprimiert. Der O2-Partialdruck, der beim Gesunden den sekundären Atemantrieb darstellt, ist dann der entscheidende Faktor. Durch eine Erhöhung des O2-Partialdrucks kann im schlimmsten Fall ein Atemstillstand provoziert werden.
Prognose
Die Prognose einer COPD ist von vielen individuellen Faktoren abhängig. Der BODE-Index ermöglicht eine multidimensionale Einschätzung des Sterberisikos bei COPD.
Weblinks
Die fachärztliche Diagnostik und Therapie orientiert sich an der S2k-Leitlinie „Fachärztliche Diagnostik und Therapie der COPD“, Version 5.2, Stand 09.02.2026, gültig bis 08.02.2029.[12]
Literatur
- Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease: Global strategy for the diagnosis, management, and prevention of chronic obstructive pulmonary disease (PDF)
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Global Initiative for Asthma: Global Strategy for Asthma Management and Prevention, 2026, abgerufen am 19.10.2026
- ↑ Pressemitteilung Statistisches Bundesamt, Mai 2017
- ↑ Robert Koch-Institut: COPD – Prävalenz ab 45 Jahren, Stand 20.11.2024, abgerufen am 19.10.2026
- ↑ 4,0 4,1 4,2 4,3 Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease, CHAPTER 1: DEFINITION AND OVERVIEW, 2021
- ↑ Tal-Singer et al., The Chronic Airways Assessment Test (CAAT™): Evolution From the COPD Assessment Test (CAT™), Chronic Obstructive Pulmonary Diseases: Journal of the COPD Foundation, 2025
- ↑ 6,0 6,1 Nationale VersorgungsLeitlinie COPD, 2. Auflage, Version 1, 2021, abgerufen am 19.10.2026
- ↑ Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease: GOLD Pocket Guide 2026, italienische Ausgabe, abgerufen am 19.10.2026
- ↑ Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease: Global Strategy for Prevention, Diagnosis and Management of COPD, 2026 Report, Version 1.3, abgerufen am 19.10.2026
- ↑ Robert Koch-Institut: Empfehlungen der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut 2026, Epidemiologisches Bulletin 4/2026, aktualisierte Fassung, abgerufen am 19.10.2026
- ↑ Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin: Leitlinien unter Federführung der DGP, abgerufen am 19.10.2026
- ↑ S2k-Leitlinie Fachärztliche Diagnostik und Therapie der COPD, AWMF-Registernummer 020-006, 2026, abgerufen am 19.10.2026
- ↑ AWMF: Fachärztliche Diagnostik und Therapie der COPD, S2k-Leitlinie, Registernummer 020-006, Version 5.2, Stand 09.02.2026, abgerufen am 19.10.2026