Zentraler Venenkatheter
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Synonyme: zentralvenöser Katheter, zentralvenöser Zugang, Zentralvenenkatheter, ZVK
Englisch: central venous catheter (CVC)
Definition
Unter einem zentralen Venenkatheter, kurz ZVK, versteht man einen Katheter, der in eine größere Körpervene eingeführt wird. Über den ZVK kann man intravenös Medikamente und Infusionen zuführen oder den zentralen Venendruck messen.
Indikation
Bei erwachsenen Schockraumpatienten ist ein ZVK insbesondere dann angezeigt, wenn periphervenöse Zugänge für eine unmittelbar erforderliche medikamentöse Kreislaufstabilisierung und Volumentherapie nicht ausreichen; bei kompensiertem Kreislauf soll seine Anlage die initiale Diagnostik nicht verzögern.[1]
Zugangswege
Zentrale Venenkatheter können in verschiedene Körpervenen eingebracht werden, wobei jeder Zugangsweg spezifische Vor- und Nachteile hat. Zu den am häufigsten verwendeten Punktionsorten bzw. Zugängen zählen:
- Vena jugularis interna: Jugularis-Katheter (iCath)
- Vena subclavia: Subclavia-Katheter (sCath)
Weitere mögliche Zugangswege sind:
- Vena basilica
- Vena jugularis externa (eCath)
- Vena brachiocephalica (Vena anonyma)
- Vena femoralis (fCath)
Nur selten benutzt werden:
Aufbau und Varianten
Zentrale Venenkatheter bestehen meist aus Polyurethan oder Silikon; für kurz- bis mittelfristige Liegedauer werden bevorzugt dünnwandige, druckstabile Kunststoffkatheter verwendet.[2][3]
Der Katheter besitzt je nach Modell ein bis mehrere Lumina, eine Katheterspitze mit mehreren Austrittsöffnungen sowie einen Anschlusskörper mit Konnektionsansätzen, Klemmen oder Ventilen.[4][2]
Nach der Lumenzahl werden Einkanal-, Mehrlumen- und Spezialkatheter unterschieden; Mehrlumenkatheter werden vor allem eingesetzt, wenn mehrere Medikamente gleichzeitig gegeben oder Infusionen getrennt geführt werden müssen.[4]
Nach der vorgesehenen Liegedauer unterscheidet man kurzzeitig verwendete nicht getunnelte ZVK, getunnelte Katheter für längere Liegedauer sowie implantierbare Systeme wie Portkatheter.[3][2]
Peripher eingeführte zentrale Katheter (PICC) bilden eine Sonderform, da sie über periphere Armvenen eingelegt und zentral positioniert werden.[3]
Wahl der Punktionsstellen
Die Auswahl des Punktionsortes ist von verschiedenen Faktoren abhängig, unter anderem:
- Späterer Nutzungszweck (z.B. Volumenersatz, Chemotherapie, parenterale Ernährung)
- Zustand des Patienten (z.B. Alter, Allgemeinzustand, Verletzungen)
- Bedingungen beim Legen des Katheters (z.B. Klinik - Notfall, steril - unsteril usw.)
- Erfahrung des behandelnden Arztes
- Druckverhältnisse im venösen System
Kontraindikationen
Allgemeine Gegenanzeigen sind eine fehlende Einwilligung, eine lokale Infektion oder Entzündung im Punktionsgebiet, eine Thrombose oder ein Verschluss der vorgesehenen Vene, relevante anatomische Veränderungen sowie eine nicht korrigierbare Gerinnungsstörung.[4][5]
Bei elektiven Eingriffen sollten ausgeprägte Koagulopathien und ausgeprägte Thrombozytopenien vor der Anlage nach Möglichkeit korrigiert werden.[5]
Zugangswegspezifisch ist der subklaviale Zugang bei schwerer oder unkorrigierter Koagulopathie ungünstig, da die Punktionsstelle nach der Anlage nur eingeschränkt komprimierbar ist.[6]
Bei deformierten, bestrahlten, operierten oder tumorinfiltrierten Hals- und Thoraxregionen sowie bei ausgedehntem subkutanem Emphysem kann die Anlage erschwert oder ungeeignet sein.[4]
Lagekontrolle
Bei zentralen Venenkathetern kann es zu einer falschen Lage oder zu einem intravasalen Umschlagen des Katheters kommen. Bei Zugängen der oberen Körperhälfte liegt die Katheterspitze vorzugsweise im unteren Drittel der Vena cava superior, am kavoatrialen Übergang oder im oberen rechten Vorhof. Eine Lage im oberen rechten Vorhof ist daher nicht grundsätzlich eine Fehllage. Davon abzugrenzen sind eine zu tiefe intrakardiale Lage und eine Fehlposition in einem anderen Gefäß.[7] Bei einem Subclavia-Katheter besteht z.B. die Möglichkeit, dass der Katheter fälschlicherweise in die Vena jugularis vorgeschoben wird.
Um eine gute Katheterposition zu gewährleisten, wird während des Eingriffs eine fortlaufende Kontrolle durchgeführt. Dazu wird zwischen der Katheterspitze und einer Oberflächenelektrode ein Elektrokardiogramm (EKG) abgeleitet. Beim Vorschieben des ZVKs in Herznähe verändert sich das EKG in charakteristischer Weise: Liegt die Spitze des Drahtes zu nahe am oder sogar im rechten Vorhof, zeigt sich eine überhöhte, spitze P-Welle im EKG (ähnlich einem Spike bei einer Schrittmacherstimulation). Der Katheter wird dann zurückgezogen, bis sich die P-Welle normalisiert.
Im Anschluss wird in der Regel eine Röntgenkontrolle (Röntgen-Thorax) durchgeführt. Dadurch wird auch ein Pneumothorax ausgeschlossen.
Des Weiteren kann nach Anlage des ZVKs Blut aus einem der Schenkel entnommen und eine Blutgasanalyse angefertigt werden. Anhand des pO2 ist es möglich, zwischen arteriellem und venösem Blut zu differenzieren. Sollte der pO2 erhöht sein, ist von einer Fehllage in einem arteriellen Gefäß auszugehen.
Komplikationen
Bei der Anlage oder im weiteren Verlauf können folgende Komplikationen auftreten:
- Blutungen und Hämatome
- arterielle Fehlpunktion
- Infektion, insbesondere bei einer Lage in der Vena femoralis, z.B. durch Stuhlexposition bei Pflegebedürftigen mit Windel. Andere Zugangswege sind in diesem Fall vorzuziehen.
- Luftembolie
- Nervenverletzungen
- Pneumothorax, Hämatothorax, Infusionsthorax, Chylothorax
- Thrombose
- Herzrhythmusstörungen
Prävention
Zur Vermeidung ZVK-assoziierter Infektionen sollen Anlage und Versorgung nach standardisierten Maßnahmenbündeln erfolgen, die insbesondere konsequente Händehygiene, aseptisches Arbeiten und die Schulung des beteiligten Personals umfassen.[8]
Pflege und Hygiene
Die Pflege eines ZVK erfolgt unter konsequent aseptischen Bedingungen mit hygienischer Händedesinfektion vor und nach jedem Kontakt, steriler Technik beim Verbandswechsel und sorgfältiger Desinfektion von Katheterhubs und Konnektionsstellen vor jedem Zugriff.[9][10]
Der Verband der Einstichstelle soll regelmäßig kontrolliert und bei Verschmutzung, Durchnässung, Lockerung oder Infektionsverdacht gewechselt werden; transparente Verbände werden üblicherweise in längeren Intervallen, Gazeverbände in kürzeren Abständen gewechselt.[11][10]
Zur Infektionsprävention gehören außerdem eine regelmäßige Inspektion der Insertionsstelle, die Verwendung geeigneter Hautantiseptika und die Vermeidung unnötiger Manipulationen am System.[8][12]
Ein ZVK soll entfernt werden, sobald er klinisch nicht mehr benötigt wird oder wenn eine katheterassoziierte Infektion, eine nicht beherrschbare Funktionsstörung oder eine andere relevante Komplikation vorliegt.[9][8]
HowTo-Videos
ZVK-Anlage
Blutentnahme über einen einliegenden ZVK
siehe auch: zentrale Venenpunktion, periphere Venenpunktion, peripherer Venenkatheter
Quellen
- ↑ DGAI: S1-Leitlinie Gefäßzugänge bei der Erstversorgung von erwachsenen Notfallpatienten im Schockraum, AWMF-Registernummer 001-051, Version 1.0, Stand 11.03.2025, abgerufen am 19.10.2026
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Onkopedia: Zentrale Venenkatheter, abgerufen am 19.10.2026
- ↑ 3,0 3,1 3,2 BVMed: Venöse Zugänge, abgerufen am 19.10.2026
- ↑ 4,0 4,1 4,2 4,3 AMBOSS: Zentraler Venenkatheter - Klinische Anwendung, abgerufen am 19.10.2026
- ↑ 5,0 5,1 Thieme: Zentraler Venenkatheter, abgerufen am 19.10.2026
- ↑ MSD Manual: Gefäßzugänge, abgerufen am 19.10.2026
- ↑ Johnston et al., Association of Anaesthetists guidelines: safe vascular access 2025, Anaesthesia, 2025
- ↑ 8,0 8,1 8,2 WHO: Guidelines for the prevention of bloodstream infections and other infections associated with the use of intravascular catheters: part 2: central venous catheters, 2026, abgerufen am 19.10.2026
- ↑ 9,0 9,1 CDC: Summary of Recommendations, abgerufen am 19.10.2026
- ↑ 10,0 10,1 NHS: guidelines for the management of central venous catheters, abgerufen am 19.10.2026
- ↑ StatPearls: Care of a Central Line, abgerufen am 19.10.2026
- ↑ Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene Rostock: zentrale-venenkatheter-zvk, abgerufen am 19.10.2026