Lungenödem
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LoslegenEnglisch: pulmonary edema
Definition
Das Lungenödem ist eine Flüssigkeitsansammlung (Ödem) in der Lunge.
Einteilung
...nach Lokalisation
Ein Lungenödem kann im bindegewebigen Stützgerüst der Lunge bzw. in den Zellzwischenräumen (Interstitium) oder in den Lungenbläschen (Alveolen) lokalisiert sein. Man unterscheidet daher:
- interstitielles Lungenödem
- intraalveoläres Lungenödem (alveoläres Lungenödem)
Da das Lungengewebe aufgrund seiner geringen Zelldichte nur eine geringe Kapazität zur Aufnahme von Flüssigkeit hat, geht das interstitielle Lungenödem in der Regel schnell in ein intraalveoläres Ödem über.
...nach Ursache
Lungenödeme kann man grob in kardiogene Ödeme und nicht-kardiogene Ödeme einteilen, um die Beteiligung des Herzens als Ursache der Erkrankung zu bezeichnen.
Kardiogen
- hämodynamisches Lungenödem (akute Stauungslunge)
Ursache des hämodynamischen Lungenödems ist ein Pumpversagen des linken Herzens. Während das rechte Herz weiter pumpt, ist das linke Herz nicht in der Lage, das ankommende Blut weiterzubefördern (Rückwärtsversagen). Dadurch staut sich das Blut vor dem linken Herzen in den Lungenvenen (Venae pulmonales). Durch den erhöhten Druck in den Gefäßen, wird Flüssigkeit ins Interstitium und - bei fortbestehender Insuffizienz - in die Alveolen abgepresst.
Nicht-kardiogen
- permeabilitätsbedingtes Lungenödem
- toxisch bedingt (z.B. Rauchgas, Chlorgas, Sauerstofftoxikose)
- medikamentös bedingt (z.B. Azathioprin, Bleomycin)
- infektiös (Mykoplasmen, Viren)
- allergisch bedingt (Anaphylaxie)
- durch Aspiration (z.B. Süßwasser, Salzwasser, Magensaft)
- onkotisch bedingtes Lungenödem (Proteinmangel)
- hypoxisch bedingtes Lungenödem
- Höhenlungenödem (HAPE)
Ein Lungenödem durch Aspiration von Magensaft bezeichnet man auch als Mendelson-Syndrom.
Pathophysiologie
In der Lunge behindern Diffusionswiderstände durch Flüssigkeitsansammlung im Interstitium oder in den Alveolen massgeblich den Gasaustausch. Die Aufrechterhaltung der Flüssigkeitsbalance ist daher in der Lunge von besonderer Bedeutung. Die grundlegenden Mechanismen der Regulation der Flüssigkeitsbilanz in der Lunge sind noch nicht vollständig geklärt.
Im Gegensatz zur terminalen Strombahn des Körperkreislaufs gibt es in der Lungenstrombahn normalerweise keine druckgetriebene Auswärtsfiltration aufgrund des hohen osmotischen Druckes im Vergleich zum geringen hydrostatischen Druck in der Kapillare.
Eine Erhöhung des pulmonalen Kapillardrucks führt daher schnell zu einem verstärkten Flüssigkeitsausstrom. Eine Flüssigkeitsansammlung in Interstitium oder Alveolen wird aber normalerweise durch verschiedene Mechanismen verhindert:
- Abnahme des interstitiellen kolloidosmotischen Druckes durch Verdünnung und damit Abnahme des Netto-Flüssigkeitsstroms nach der Starling-Gleichung
- Steigerung des Flüssigkeitsabstroms durch das Lymphsystem
- Rücktransport von Flüssigkeit aus den Alveolen in das Interstitium
Bei starker Erhöhung des pulmonalen Kapillardrucks kann es trotz dieser Mechanismen rasch zu einem Lungenödem kommen.
Durch die pulmonale Flüssigkeitsansammlung kommt es zu einer Abnahme der Lungencompliance und Vitalkapazität sowie zu einer Erhöhung des Atemwegswiderstandes. Zudem verlängert sich die Diffusionsstrecke für den Gasaustausch. Die Folge ist eine respiratorische Insuffizienz.
Symptome
Die Symptome des Lungenödems sind abhängig vom Grad der Ausprägung. Zu den typischen Symptomen des interstitiellen Lungenödems zählen:
- Dyspnoe, Tachypnoe, Orthopnoe
- verschärftes Atemgeräusch, ggf. Giemen
- Husten (Asthma cardiale)
Bei einem alveolären Lungenödem treten folgende Beschwerden auf:
- schaumiges, teils hämorrhagisches Sputum ("fleischwasserfarbener Schaum")
- Tachykardie
- Zyanose, Blässe
- Unruhe bis hin zur "Todesangst durch Ersticken"
In schweren Fällen kommt es zur Asphyxie.
Diagnostik
Klinische Untersuchung
Bei der Auskultation der Lunge fallen feuchte, grobblasige Rasselgeräusche auf, die in schweren Fällen schon ohne Stethoskop hörbar sind ("Brodeln" der Lunge). Das Atemgeräusch ist abgeschwächt, der Klopfschall normal bis gedämpft. Bei einem interstitiellem Lungenödem ist der Auskultationsbefund in der Regel unauffällig.
Röntgen-Thorax
Röntgenlogische Zeichen eines Lungenödems sind:
- basoapikale Umverteilung (Kranialisation)
- verdickte Interlobulärsepten (u.a. Kerley-B-Linien)
- unscharfe Begrenzung von Lungengefäßen, Herzschatten und Zwerchfellkuppeln
- Parahiläre schmetterlingsförmige Verschattungen
- Milchglastrübung
Als indirekte Zeichen gelten:
Interstitielles und alveoläres Lungenödem. Kardiomegalie. Aortensklerose. Stauungspneumonie rechts basal. Pleuraerguss beidseits. Z.n. Sternotomie nach Bypass-Operation.
Chronische Lungenstauung mit Kerley-B-Linien. Kardiomegalie. Lungenemphysem. Aortensklerose. Rechtskonvexe Skoliose und Hyperkyphose der BWS.
Verstärkte Lungengefäßzeichnung mit Kranialisation. Kardiomegalie. Kleiner Pleuraerguss rechts.
Therapie
Zur symptomatischen Therapie wird eine Reihe von Sofortmaßnahmen eingeleitet. Eine sitzende Lagerung bessert oft bereits die Luftnotsymptomatik, da so der hydrostatische Druck in den Lungengefäßen gesenkt wird. Die langsame intravenöse Gabe von 5 mg Morphin verringert die Angstsymtomatik und die damit verbundene Atemarbeit. Bei bestehender Atemdepression oder Hypotonie ist sie allerdings kontraindiziert. In der Akutsituation erfolgt zudem die Applikation von Sauerstoff über eine Nasensonde. Gegebenenfalls kann eine Atemunterstützung mittels CPAP notwendig sein. In schweren Fällen ist eine Intubation und maschinelle Beatmung erforderlich.
Die Akuttherapie des Lungenödems richtet sich außerdem nach der Ursache: Bei einem kardialen Lungenödem empfiehlt sich eine Vorlastsenkung mittels Nitroglycerin und einem Schleifendiuretikum (20 bis 40 mg Furosemid i.v.). Ein toxisches oder allergisches Lungenödem wird mit inhalativen Glukokortikoiden behandelt.
Die Kausaltherapie besteht in der Behandlung der zugrundeliegende Erkrankung (z.B. Linksherzinsuffizienz).
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.