Ganser-Syndrom
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LoslegenSynonyme: Pseudodebilität, hysterischer Dämmerzustand, Scheinblödsinn, reaktiver Haftzustand
Englisch: Ganser syndrome, factitious disorder
Definition
Das Ganser-Syndrom bezeichnet ein seltenes psychiatrisches Störungsbild, das durch unstimmige und falsche Antworten auf einfache Fragen, oder falsche Handlungsabläufe gekennzeichnet ist. Es wurde erstmals im Jahr 1897 von dem deutschen Psychiater Sigbert Josef Maria Ganser beschrieben und später nach ihm benannt. Das Ganser-Syndrom wird nach ICD-10 den dissoziativen Störungen (Konversionsstörungen) zugeordnet.
Symptome und Diagnose
Beim Ganser-Syndrom besteht der Wunsch als geisteskrank oder unzurechnungsfähig betrachtet zu werden. Das Syndrom wurde erstmals bei Strafgefangenen unter psychischer Belastung beschrieben.
So geben die Patienten bei Tests meist Antworten, die nahe an der richtigen Antwort liegen. Dies wird als "Vorbeiantworten" bezeichnet (z.B. Welche Farbe hat die Sonne? A: grün, Wie viel macht 1+1? A:3, Welcher Tag ist heute? A: Sommer). Bei Aufforderung zu einer Handlung führt der Patient diese falsch aus (z.B. wird der Patient dazu aufgefordert die Türe abzuschließen, und versucht den Schlüssel verkehrt herum ins Schloss zu stecken). Neben diesem Symptomen finden sich jedoch keine weiteren kognitiven Einschränkungen oder Verhaltensauffälligkeiten. Nach Ganser sollten bei Diagnosestellung folgende Kriterien zutreffen:
- Vorbeiantworten
- fluktuierende Bewusstseinseintrübung
- pseudoneurologische Phänomene (Analgesien, Kribbelgefühle, Lähmungen)
- akustische oder visuelle Pseudohalluzinationen
Weiters können ein kindisch-läppischer Affekt, depressive Verstimmungen, Unruhe, Gedächtnislücken, dissoziative Fugue-Zustände, Sehfeldeinschränkungen, Echopraxien und pseudoepileptische Anfälle auftreten. Die Symptomatik tritt akut auf und hält meist nur kurz an. Sie kann nachher vom Patienten meist nicht mehr erinnert werden. Betroffen sind vor allem Männer jüngeren und mittleren Alters, das Syndrom wurde aber auch in Einzelfällen bei Kindern beschrieben.
Differentialdiagnose
Selbstverständlich muss vor Diagnose des Ganser-Syndroms eine genaue internistische, suchtmedizinische, neuroradiologische und neurologische Abklärung erfolgen. Eine wichtige differentialdiagnostische Säule ist auch die Fremdanamnese (Zeitpunkt des Auftretens, schwere psychische Belastung des Patienten, Bekanntsein von anderen dissoziativen Störungen). Differentialdiagnostisch kommen folgende Erkrankungen in Betracht:
- Schizophrenie (dementia praecox)
- Transiente globale Amnesie
- Schädel-Hirn-Trauma
- Hirntumore
- Blutungen
- Insult
- Neurologische Erkrankungen
- Drogenabusus
- Alkoholabusus
- Demenz
- depressive Pseudodemenz
- Delir
- genetische Erkrankungen mit Intelligenzminderung (Down-Syndrom)
Therapie
Die Therapie ist schwierig. Es gibt einzelne verhaltenstherapeutische Therapieversuche. Bei starker Unruhe kann zur Beruhigung kurzfristig Lorazepam verabreicht werden.