Transiente globale Amnesie
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LoslegenSynonym: transitorische globale Amnesie
Englisch: transient global amnesia
Definition
Die transiente globale Amnesie, kurz TGA, ist eine vorübergehende Störung der Gedächtnisfunktionen, die sich innerhalb von maximal 24 Stunden wieder zurückbildet.
- ICD10-Code: G45.4
Epidemiologie
Die Inzidenz der transienten globalen Amnesie liegt bei etwa 3 bis 8 Fällen pro 100.000 Personen/Jahr. Männer und Frauen sind etwa gleich häufig betroffen. Der Erkrankungsgipfel liegt zwischen 50 und 70 Jahren.
Ätiologie
Angenommen wird eine multifaktorielle Funktionsstörung des hippocampalen Systems mit verschiedenen Hypothesen wie venöser Stauung, Insuffizienz der Venenklappen der Vena jugularis oder paradoxen Embolien durch ein persistierendes Foramen ovale (PFO).
Assoziierte Erkrankungen sind Migräne, Spannungskopfschmerzen und psychiatrische Erkrankungen. Es gibt keine klare Korrelation mit einem erhöhten zerebrovaskulären Risikoprofil.
Diagnosekriterien
Es handelt sich um eine akut aufgetretene, ausgeprägte Gedächtnisstörung mit retrograder und anterograder Amnesie, die mindestens eine Stunde andauert und sich in der Regel binnen 24 Stunden zurückbildet. Dabei fehlen Fokalzeichen, die z.B. auf einen Schlaganfall deuten würden sowie zusätzliche kognitive Defizite. Das Bewusstsein wie auch die Orientierung zur eigenen Person sind stets erhalten. Ein vorangegangenes Trauma oder ein epileptischer Anfall als Ursache der Symptome müssen ausgeschlossen werden.
Auslöser
Als Auslöser kommen physischer oder emotionaler Stress, Kälte, Geschlechtsverkehr und starke sportliche Belastung in Frage. Selten tritt die transiente globale Amnesie auch spontan ohne äußeren Anlass auf.
Symptome
Symptome einer TGA sind:
- anterograde Amnesie mit verkürzter Merkspanne von 30-180 Sekunden, daher klassisches repetitives Fragen
- retrograde Amnesie in variabler Ausprägung
- normale Kognition, oft Unruhe und Angst
Mögliche Begleitsymptome sind Kopfschmerzen, Schwindel, Schwitzen und Tachykardie. Die Dauer der Symptome beträgt im Schnitt 6-8 Stunden, die Amnesie für die Symptomdauer bleibt teilweise bestehen.
Diagnostik
Diagnostisch müssen vor allem atypische Symptome wie z.B. Vigilanzstörungen oder fokal-neurologische Symptome wie eine Aphasie ausgeschlossen bzw. bei Verdacht auf einen Schlaganfall weiter abgeklärt werden.
Das Ausmaß der Amnesie kann durch einfache klinische Untersuchungen, z.B. das Erinnern von 3 Begriffen oder das Wiederfinden von Objekten, die vorher im Raum versteckt wurden, beurteilt werden. Zusätzlich führt man formale neuropsychologische Tests durch. Ein Beispiel ist der Verbal Selektive Reminding Test (VSRT).
In der Zusatzdiagnostik sollten laborchemisch v.a. Glukose- und Elektrolytentgleisungen ausgeschlossen werden. Eine Bildgebung mittels CT wird oft zum Ausschluss zerebraler Durchblutungsstörungen durchgeführt. Ein MRT ist bei typischer Klinik nicht obligat.
Differentialdiagnosen
- Transiente epileptische Amnesie im Rahmen von dyskognitiven Anfällen, wobei die Attacken meist weniger als eine Stunde dauern, häufiger auftreten und nicht durch ständig wiederholte Fragen gekennzeichnet sind. Zur Abgrenzung hilft ein EEG.
- Thromboembolische transiente Amnesie im Rahmen einer TIA im vertebrobasilären Stromgebiet. Dabei treten in der Regel weitere Symptome auf wie Vigilanzstörung, Ataxie, Halbseitenzeichen, Hemianopsie, Nystagmus oder Dysarthrie. In diesem Fall muss eine erweiterte Schlaganfall-Diagnostik eingeleitet werden.
- Transiente Amnesie bei Commotio cerebri, Intoxikationen, Hypoglykämie, zerebraler Angiografie, Initialstadium einer Herpes-Enzephalitis
Therapie
Eine kausale Therapie ist bisher (2021) nicht bekannt. Im Vordergrund steht die Beruhigung des Patienten und der Angehörigen. Es sollte eine stationäre Überwachung bis zum Abklingen der Symptome erfolgen.
Prognose
Eine zweite Episode tritt in 10-18% auf. Leichte kognitive Störungen können, vor allem bei wiederholter TGA, noch einige Wochen nach dem Ereignis bestehen. Langzeitschäden sind nicht bekannt.
Quellen
- Sander D. et al.: [www.dgn.org/leitlinien S1-Leitlinie Transiente globale Amnesie (2017)]; in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie, Hrsg. Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: , abgerufen am 25.05.2021)
- Hufschmidt, Andreas; Lücking, Carl Hermann; Rauer, Sebastian; et al. (2017): Neurologie compact - Für Klinik und Praxis. Thieme. 697-698.