Spondylodiszitis
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LoslegenEnglisch: discitis
Definition
Die Spondylodiszitis ist eine von der Bandscheibe ausgehende Entzündung, die sekundär auf die angrenzenden Wirbelkörper übergreift. Ist nur die Bandscheibe betroffen, spricht man von einer Diszitis.
- ICD10-Code: M46.49
Epidemiologie
Die Inzidenz beträgt ca. 5 - 6 pro 100.000 Patientenjahre. Operative Eingriffe und höheres Lebensalter erhöhten das Risiko um das 3,5fache.
Ätiologie
Eine Spondylodiszitis ist meist bakteriell bedingt. Der häufigste Errger ist Staphylococcus aureus.[1]
Eine Infektion der Wirbelsäule durch Mycobacterium tuberculosis wird als spezifische Spondylodiszitis bezeichnet.
Symptome
Die typischen Symptome der Spondylodiszitis sind:
- Druck-, Klopf- und/oder Belastungsschmerz über dem betroffenen Segment
- Rückenschmerzen
- B-Symptome: Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsabnahme
Diagnostik
Labor
- Entzündungsparameter: starke Erhöhung von CRP, ggf. Leukozytose
- Blutkultur
Bildgebung
- Röntgen: Erstdiagnostik bei unklaren Wirbelsäulenschmerzen. Die Untersuchung ist in der Frühphase einer Spondylodiszitis allerdings wenig aussagekräftig. Zunächst sieht man eine Verschmälerung des Zwischenwirbelraums und eine Sklerose der Deck- und Grundplatte. Im weiteren Verlauf kommt es zu einer Kyphosierung und Blockwirbelbildung
- MRT mit Kontrastmittel: Methode der Wahl. Man sieht eine Verschmelzung der Wirbelkörpergrenzen, es kommt zu einem Kontrastmittel-Enhancement.
- Skelettszintigraphie oder FDG-PET-CT
Punktion
Ggf. kommt eine CT-gesteuerte Punktion des Befundes mit Materialgewinnung für den Erregernachweis in Frage.
Komplikationen
- Wirbelsäulendeformitäten
- neurologische Ausfälle
- Abszessbildung im umliegenden Gewebe z.B. in den Muskeln
- Pott'sche Trias (bei Tuberkulose): Buckel, paravertebraler Senkungsabszess, Querschnittslähmung
Differentialdiagnosen
Als Differentialdiagnosen einer Spondylodiszitis kommen in Frage:
- Erosive Osteochondrose
- Osteoporotische bzw. pathologische Frakturen
- Primäre spinale Neoplasmen
- Wirbelmetastasen
- Spondylitis ankylosans
- Morbus Scheuermann
- Hämodialyse-assoziierte Spondylarthropathie
- Rheumatoide Arthritis (RA)
- SAPHO-Syndrom
Therapie
- Ruhigstellung des betroffenen Wirbelsäulenabschnitts z.B. mittels Orthese oder Bettruhe
- Analgesie: z.B. Paracetamol, Ibuprofen
- Antibiotikatherapie über Wochen bis Monate:
- Beginn mit kalkulierter intravenöser Gabe von Breitspektrum-Betalaktamantibiotika (z.B. Ampicillin-Sulbactam), alternativ Clindamycin oder Fluorchinolone (z.B. Levofloxacin)
- im Verlauf Umstellung nach Antibiogramm
- Operation: Débridement und Spondylodese (z.B. mittels Fixateur interne)
- indiziert bei Sepsis, neurologischen Auffälligkeiten, Instabilität oder Nichtansprechen auf konservative Therapie
Quellen
- ↑ Herren C et al. Spondylodiszitis: Diagnostik und Therapieoptionen, Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 875-82,abgerufen am 28.10.2019