Clindamycin
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Definition
Clindamycin ist ein Antibiotikum aus der Gruppe der Lincosamide. Es ist das halbsynthetische Derivat des Lincomycins.
Wirkungsmechanismus
Clindamycin blockiert die Proteinbiosynthese von Bakterien durch Bindung an die 50S-Untereinheit der Ribosomen. Dadurch wird das Enzym Peptidyltransferase blockiert. Clindamycin hat einen bakteriostatischen Wirkungsmechanismus.
Wirkungsspektrum
Clindamycin ist gut wirksam gegen
- Grampositive Kokken: Clindamycin wirkt gegen Staphylokokken, jedoch auch gegen Streptokokken wie beispielsweise Streptococcus pyogenes und Streptococcus pneumoniae.
- Anaerobier: Die Wirksamkeit gegen Anaerobier erfasst Arten von Fusobacterium, Actinomyces, Bacteroides, Peptostreptococcus und Peptococcus. Gegen Propionibakterien ist Clindamycin ebenfalls wirksam.
- Corynebacterium diphteriae
- bestimmte Parasiten (z.B. Plasmodien, Toxoplasmen, Babesien)
Clindamycin ist nicht oder wenig wirksam gegen
- aerobe gramnegative Stäbchen
- Haemophilus-Arten
- Enterokokken
- Neisserien
- Mykoplasmen
- Clostridioides difficile und Clostridium-Arten
Die Bildung sekundärer Antibiotikaresistenzen gegenüber Clindamycin durch Veränderung der Zielstrukturen am Ribosom und/oder enzymatische Inaktivierung ist möglich.
Pharmakokinetik
Die Plasmahalbwertszeit beträgt ca. 3 Stunden. Nach oraler Gabe wird Clindamycin fast vollständig resorbiert. Nahrungsaufnahme beeinflusst die Resorption nicht wesentlich. Clindamycin zeichnet sich durch gute Gewebegängigkeit und Anreicherung im Knochen aus. In der Leber wird Clindamycin intensiv metabolisiert. Lediglich ein Drittel der Dosis wird in unveränderter Form renal ausgeschieden.
Nebenwirkungen
Die häufigsten Nebenwirkungen sind Übelkeit, Diarrhö und Erbrechen.
Eine seltene jedoch gefürchtete Nebenwirkung der Lincosamid-Antibiotika ist die pseudomembranöse Enterokolitis. Sie ist Anlass zum sofortigen Abbruch der Therapie mit Clindamycin.
Selten sind Leberschäden mit Anstieg der Transaminasen, Allergien und Leukozytopenie zu befürchten.
Anwendungsformen
Clindamycin kann je nach Indikation per os als Kapsel oder Tablette, parenteral als Infusionslösung oder lokal als Salbe oder Gel angewendet werden.
Indikationen
Indiziert ist Clindamycin bei durch empfindliche Erreger hervorgerufenen
- Infektionen von Knochen und Gelenken
- Infektionen des Zahn- und Kieferbereichs
- Infektionen des HNO-Bereichs
- Infektionen der weiblichen Geschlechtsorgane
- Infektionen des Becken- und Bauchraumes
- Haut- und Weichteilinfektionen
Clindamycin ist aufgrund der Möglichkeit schwerer Nebenwirkungen als Reserveantibiotikum einzustufen. Es ist bei den oben aufgeführten Indikationen nicht immer Mittel der ersten Wahl.
Clindamycin wird zur Behandlung von schweren Infektionen mit Staphylokokken bei vorliegender Penicillinallergie des Patienten oder bei Resistenz des Erregers gegen Dicloxacillin verwendet.
Eine weitere Indikation stellen Infektionen mit Anaerobiern dar. Auch zur Behandlung der Akne vulgaris ist Clindamycin geeignet. Ebenso kann Clindamycin zur Behandlung einer Babesiose eingesetzt werden.
Kontraindikationen
Eine absolute Kontraindikation besteht bei Überempfindlichkeit gegen Lincosamid-Antibiotika. Relative Kontraindikationen sind das Vorliegen einer
- eingeschränkten Leberfunktion
- Störung der neuromuskulären Übertragung (z.B. Myasthenia gravis)
- Magen-Darm-Erkrankung in der Anamnese des Patienten