Zimmermann-Laband-Syndrom
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Englisch: Zimmermann-Laband syndrome
Definition
Das Zimmermann-Laband-Syndrom (ZLS) ist eine sehr seltene angeborene, überwiegend autosomal-dominant vererbte Erkrankung aus dem Formenkreis der hereditären gingivalen Fibromatosen. Sie ist durch eine fortschreitende Gingivafibromatose, vergröberte Gesichtszüge sowie fehlende oder hypoplastische Nägel bzw. Endphalangen an Händen und Füßen gekennzeichnet.[1]
Epidemiologie
Ätiologie
Das Syndrom wird durch Mutationen in Genen verursacht, die für Kaliumkanäle oder Untereinheiten der vakuolären H+-ATPase kodieren. Zu den bekannten Genen gehören:
- KCNH1 (Chromosom 1q32.2), das für einen spannungsabhängigen Kaliumkanal kodiert
- KCNN3 (Chromosom 1q21.3), das für einen kalziumaktivierten Kaliumkanal kodiert
- ATP6V1B2 (Chromosom 8p21.3), das für eine Untereinheit der vakuolären H+-ATPase kodiert
Die meisten Fälle folgen einem autosomal-dominanten Erbgang. Auch De-novo-Mutationen sind beschrieben.[1]
Klinik
Die klinische Trias umfasst Gingivafibromatose, Nagel- und Endphalangenanomalien sowie faziale Dysmorphien.[2]
Gingivafibromatose
Die Gingivafibromatose beginnt meist im Kleinkindalter und kann folgende Folgen haben:
- progressive Vergrößerung der Gingiva
- verzögerter Zahndurchbruch und Malokklusion
- Bedeckung der Zahnkronen durch fibromatöses Gewebe
Nagel- und Endphalangenanomalien
An Händen und Füßen können folgende Veränderungen auftreten:
- Aplasie oder Hypoplasie der Nägel an Fingern und Zehen
- Hypoplasie oder Aplasie der distalen Phalangen
- verbreiterte Daumen und Großzehen
Faziale Dysmorphien
Typische faziale Merkmale sind:
- vergröberte Gesichtszüge
- breite Nase mit verdickten Nasenflügeln
- dicke Lippen
- Hypertelorismus
- buschige Augenbrauen
Zusätzlich können weitere Manifestationen auftreten:
- intellektuelle Beeinträchtigung unterschiedlichen Ausmaßes
- Hypertrichose
- Hepatosplenomegalie
- Gelenkhypermobilität
- epileptische Anfälle
Diagnostik
Die Diagnose stützt sich auf die charakteristischen klinischen Befunde und wird molekulargenetisch gesichert. Zur weiteren Beurteilung können folgende Untersuchungen durchgeführt werden:
- molekulargenetische Untersuchung von KCNH1, KCNN3 und ATP6V1B2
- Röntgenuntersuchung der Hände und Füße zur Beurteilung der Phalangen
- zahnärztliche und kieferorthopädische Untersuchung
- histologische Untersuchung des Gingivagewebes bei unklarer Diagnose
Therapie
Die Behandlung ist symptomatisch und erfordert eine interdisziplinäre Betreuung mit zahnmedizinischer, kieferorthopädischer, pädiatrischer und humangenetischer Beteiligung.[3]
Zahnmedizinische Behandlung
Die zahnmedizinische Behandlung zielt auf den Erhalt der Mundfunktion und die Vermeidung von Komplikationen ab:
- Gingivektomie bei ausgeprägter Gingivafibromatose
- kieferorthopädische Behandlung bei Malokklusion
- intensive Mundhygiene und professionelle Zahnreinigung
Weitere Maßnahmen
Weitere Maßnahmen richten sich nach den individuellen Manifestationen:
- Physiotherapie bei Gelenkhypermobilität
- antikonvulsive Therapie bei Epilepsie
- Frühförderung und Ergotherapie bei Entwicklungsverzögerung
- psychosoziale Unterstützung für Betroffene und Familien
Prognose
Die Prognose hängt vor allem vom Ausmaß einer möglichen intellektuellen Beeinträchtigung und weiterer neurologischer Manifestationen ab. Daten zur Lebenserwartung sind begrenzt; sie scheint bei vielen Betroffenen nicht wesentlich eingeschränkt zu sein. Die Gingivafibromatose kann nach chirurgischer Behandlung rezidivieren und erfordert eine langfristige zahnmedizinische Betreuung.[3]
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Orphanet: Zimmermann-Laband syndrome (ORPHA:3473). Abgerufen am 06.08.2026.
- ↑ Shirian S, et al. Zimmermann-Laband syndrome: Clinical and cytogenetic study in two related patients. J Clin Exp Dent. 2019;11(5):e452–e456.
- ↑ 3,0 3,1 National Organization for Rare Disorders. Zimmermann-Laband syndrome.