Pinealiszyste
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LoslegenSynonym: Zirbeldrüsenzyste
Englisch: pineal cyst
Definition
Pinealiszysten sind relativ häufige, meist asymptomatische Zysten der Glandula pinealis (Zirbeldrüse bzw. Epiphyse).
Epidemiologie
Pinealiszysten werden in MRT-Untersuchungen bei ca. 5 % und in Autopsieserien bei 20-40 % der Patienten festgestellt. Sie treten typischerweise im Alter von 20 bis 30 Jahren auf. Frauen sind dreimal häufiger betroffen, vermutlich aufgrund von hormonellen Faktoren. Bei Frauen werden die Zysten häufig im Laufe des Lebens zunächst größer, bevor sie wieder schrumpfen. Bei Männern bleiben die Zysten i.d.R. konstant.
Klinik
Pinealiszysten sind meist < 1 cm groß und verursachen keine Symptome. Ab einer gewissen Größe kann es zu einer Kompression der Colliculi superiores und zu einem Parinaud-Syndrom kommen. Bei Kompression des Aquaeductus mesencephali kann ein Hydrocephalus occlusus entstehen. Selten führt eine Blutung in die Epiphyse zu einem Pinealapoplex.
Pathologie
Pinealiszysten bestehen aus drei konzentrischen Schichten:
- innere Schicht: feinfibrilläres gliales Gewebe, oft mit Hämosiderinablagerungen
- mittlere Schicht: Zirbeldrüsenparenchym, z.T. mit Verkalkungen
- äußere Schicht: dünnes fibröses Bindegewebe
Die Zysten enthalten meist eine proteinreiche, z.T. hämorrhagische Flüssigkeit. Wie die restliche Zirbeldrüse weist sie keine gut ausgebildete Blut-Hirn-Schranke auf.
Radiologie
- CT: gut umschriebene, flüssigkeitsdichte Läsion. In 25 % d.F. Verkalkungen. Peripher zeigt sich häufig ein dünnes, glattes Kontrastmittel-Enhancement.
- MRT:
- T1w: meist homogen iso- bis hypointens im Vergleich zum Hirnparenchym. In 55-60 % leicht hyperintens im Vergleich zu Liquor.
- T2w: hohes Signal. Meist leicht hypointens im Vergleich zu Liquor. Dünne Septen und kleinere innere Zysten können vorhanden sein.
- FLAIR: hohes Signal wird oft nicht vollständig unterdrückt
- DWI/ADC: keine Diffusionsrestriktion
- T1w-KM: Enhancement in 60 % d.F., meist < 2 mm, glatt und nur randständig. 60 bis 90 Minuten nach Kontrastmitelgabe diffundiert Kontrastmitel in die Zystenflüssigkeit, sodass die Masse solide erscheinen kann. In atypischen Fällen noduläres Enhancement oder posthämorrhagische Veränderungen.
In typischen Fällen sind keine radiologischen Kontrolluntersuchungen notwendig. Bei Zysten mit einem Durchmesser über 1 cm kann eine Nachsorge erwogen werden, um ein Größenwachstum bzw. Differenzialdiagnosen auszuschließen.
Differenzialdiagnosen
- Keimzelltumore: Germinom, embryonales Karzinom, Chorionkarzinom, Teratom
- Pineale Parenchymtumore: Pineozytom, Pinealparenchymtumor mit intermediärer Differenzierung, papillärer Tumor der Pinealregion, Pineoblastom
- Gliome
- Pineale Metastase
- Epidermoidzyste
- Arachnoidalzyste: meist hinter der Zirbeldrüse
siehe Hauptartikel: Pinealistumor
Therapie
In den meisten Fällen ist keine Behandlung notwendig.