Krebs (Onkologie)
Trainier deine Lernmuskeln!
Mit Flash Cards, Quiz und mehr
LoslegenEnglisch: cancer
Synonyme: Karzinom, Malignom, bösartiger Tumor, Krebserkrankung
Definition
Die Bezeichnung Krebs ist ein Sammelbegriff für die Gruppe der malignen (bösartigen) Tumorerkrankungen. Ihr gemeinsames Merkmal ist das unkontrollierte Wachstum von Tumorzellen, die invasiv gesundes Gewebe verdrängen und zerstören können.
Medizingeschichte
In der älteren Literatur, zum Beispiel bei Paracelsus, wurde der Begriff Krebs für Ulcera verwendet.
Der Begriff „Krebs“ lässt sich auf den griechischen Arzt Hippokrates zurückführen. Er betrachtete bestimmte Wucherungen von Körperstrukturen und benannte diese nach den phänotypisch ähnlichen Tieren Karkinos.
Ursachen
Die Ätiologie und pathogenetischen Mechanismen verschiedener Krebserkrankungen sind Gegenstand intensiver Grundlagenforschung. Alle Mechanismen führen letztlich zu einer Störung des genetisch geregelten Gleichgewichts zwischen Zellzyklus (Wachstum und Teilung) und Zelltod (Apoptose).
Vorkommen
Prinzipiell können alle Gewebe und Organe des menschlichen Körpers von Krebs betroffen sein.
Epidemiologie
Krebs ist nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Pro Jahr werden rund 520.000 Krebserkrankungen erstmalig diagnostiziert. Für 2023 wurden etwa 241.000 Neuerkrankungen bei Frauen und 276.000 bei Männern geschätzt. Brustkrebs ist weiterhin die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Für 2023 wurden in Deutschland rund 77.000 Neuerkrankungen der Brustdrüse bei Frauen geschätzt. Frauen überschätzen die Häufigkeit von Brustkrebs stark und setzen sie häufig fälschlicherweise mit der Brustkrebssterblichkeit gleich. Die häufigste Krebserkrankung bei Männern ist das Prostatakarzinom.
Statistisch betrachtet ist Krebs überwiegend eine Erkrankung älterer Menschen. Die meisten Fälle treten im Alter von über 60 Jahren auf. Krebserkrankungen bei jüngeren Menschen sind vergleichsweise selten.
In Deutschland erkranken jährlich rund 2.250 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren neu an Krebs. Am häufigsten treten in dieser Altersgruppe Leukämien, Tumoren des Gehirns und des Rückenmarks sowie Lymphome auf.
Durch Fortschritte in Diagnostik und Therapie haben sich die Überlebenschancen bei Krebs deutlich verbessert. Über alle Tumorarten hinweg liegen die relativen 5-Jahres-Überlebensraten in Deutschland bei etwa 65 % für Frauen und 61 % für Männer. Die Prognose hängt jedoch stark von Tumorart, Stadium und individuellen Faktoren ab.
Ganz selten treten Spontanremissionen auf: „Als Spontanremission bezeichnet man ein komplettes oder teilweises Verschwinden eines bösartigen Tumors in Abwesenheit aller Behandlungen oder mit Behandlungen, für die bisher kein Wirksamkeitsnachweis geführt werden konnte.“
Krebsauslöser
Zu den möglichen Auslösern und Risikofaktoren für Krebs zählen:
- bestimmte Strahlung, darunter radioaktive Strahlung, ultraviolettes Licht und Röntgenstrahlen
- mutagene Chemikalien, unter anderem 3,4 Benzpyren, Aflatoxine und freie Radikale
- Viren wie HIV, HPV, EBV sowie Hepatitis-B- und Hepatitis-C-Viren
- bestimmte Ernährungsgewohnheiten, die mit einem erhöhten Risiko für einzelne Krebserkrankungen assoziiert sein können
- psychische Faktoren, deren Rolle bei der Krebsentstehung wissenschaftlich umstritten und nicht eindeutig belegt ist
Neben identifizierten Risikofaktoren beeinflussen auch zufällige Veränderungen des Erbguts die Krebsentstehung. Bei jeder Zellteilung können Replikationsfehler beim Kopieren der Desoxyribonukleinsäure (DNA) auftreten. Studien zeigten eine starke Korrelation zwischen der Anzahl der Zellteilungen einer normalen Stammzelle und dem Krebsrisiko. Demnach könnten Replikationsfehler während der Zellteilung für bis zu zwei Drittel aller kanzerogenen Mutationen verantwortlich sein.[1]
Krebshäufungen bei bestimmten Berufen
| Jahr der Beschreibung | Krebsart | Beruf |
|---|---|---|
| 1775 | Hodenkrebs | Schornsteinfeger mit Kontakt zu Ruß |
| 1820 | Hautkrebs | Braunkohlearbeiter |
| 1879 | Lungenkrebs | Bergleute |
| 1894 | Hautkrebs | Seeleute |
| 1895 | Blasenkrebs | Arbeiter mit Kontakt zu Fuchsin |
| 1902 | Hautkrebs | Röntgen-Personal |
| 1912 | Lungenkrebs | Berufe mit Chromat-Kontakt |
| 1922 | Skrotal- und Hautkrebs | Berufe mit Kontakt zu Schieferölen |
| 1928 | Leukämie | Berufe mit Kontakt zu Benzen |
| 1933 | Nasen- und Lungenkrebs | Berufe mit Kontakt zu Nickel |
| 1933 | Lungenkrebs | Berufe mit Kontakt zu Asbest |
| 1938 | Pleuramesotheliom | Berufe mit Kontakt zu Asbest |
| 1954 | Peritonealmesotheliom | Berufe mit Kontakt zu Asbest |
| 1972 | Lungenkrebs | Berufe mit Kontakt zu Haloether |
| 1974 | Leberangiosarkom | Berufe mit Kontakt zu Vinylchlorid |
Krebsentstehung
Der menschliche Körper besteht aus Milliarden lebender Zellen, deren Wachstum, Differenzierung und Reparatur koordiniert werden müssen. Bei der Wundheilung wird das Zellwachstum beispielsweise beschleunigt, um einen Defekt zu schließen. Nach Abschluss der Reparatur wird die Zellvermehrung wieder gehemmt.
Bei Krebszellen ist diese Regulation gestört. Sie teilen sich trotz fehlenden Bedarfs weiter, da wachstumshemmende Signale nicht ausreichend erkannt oder umgesetzt werden. Ursache sind genetische und epigenetische Veränderungen, die unter anderem Signalwege des Zellwachstums, der Zellteilung und des programmierten Zelltods betreffen.
Auch das Immunsystem erkennt und attackiert entartete Zellen. Die Reaktion des Immunsystems auf Tumorzellen ist komplex – ein Vorgang, der als Immunoediting bezeichnet wird. Da Tumorzellen normalen Körperzellen in vieler Hinsicht ähneln, kann die Immunabwehr jedoch unzureichend sein.
Ein zunächst örtlich begrenzter Tumor kann Gewebegrenzen durchdringen, in benachbarte Organe einwachsen und die Bildung neuer Blutgefäße fördern. Kleine Zellverbände des Ausgangsherdes können über Blut- oder Lymphwege in entfernte Organe gelangen. Dort bilden sie Tumorabsiedlungen (Metastasen).
Die Entstehung von Krebs ist häufig ein Mehrstufenprozess, der sich durch evolutionäre Mechanismen und zunehmende genetische Veränderungen beschleunigt.
Malignitätskriterien
Die folgenden Kriterien werden herangezogen, um einen Tumor als bösartig, das heißt als Krebs, zu bezeichnen:
- Einbrechen in und Zerstörung des umgebenden Gewebes mit oder ohne Gefäßinvasion; entscheidend ist die Durchbrechung der Basalmembran
- Anaplasie des Tumorgewebes mit deutlicher Abweichung vom Normalgewebe
- Anaplasie der Tumorzellen und Zellkerne sowie vermehrte Zellteilungen
- Metastasierung in andere Organe
Quellen
- ↑ Cristian Tomasetti, Lu Li, Bert Vogelstein: Stem cell divisions, somatic mutations, cancer etiology, and cancer prevention. Science. 2017;355(6331):1330–1334. DOI: 10.1126/science.aaf9011