Elektrokrampftherapie
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LoslegenSynonyme: Elektrokonvulsionstherapie, EKT, Elektroschocktherapie (obsolet)
Englisch: electroconvulsive therapy
Definition
Die Elektrokrampftherapie ist eine 1937 von den italienischen Ärzten Ugo Cerletti und Lucio Bini eingeführte Behandlungsmethode zur Behandlung psychischer Störungen.
Indikationen
In den 70er und 80er Jahren war die Elektrokrampftherapie fast vollständig aus der Psychiatrie verschwunden. Seit einigen Jahren wird sie jedoch wieder vermehrt angewendet.
Hauptindikationen sind:
- endogene wahnbildende Depressionen mit und ohne Suizidalität
- Katatonien (maligne Katatonie, katatoner Stupor)
- Ultima Ratio bei Versagen der Neuroleptikatherapie
Bei der lebensbedrohlichen perniziösen Katatonie ist die Elektrokrampftherapie die einzige bekannte lebensrettende Behandlungsmaßnahme.
Wirkmechanismus
Der Wirkmechanismus ist bis heute nicht geklärt. Eine Vermutung ist, dass durch die Auslösung des Krampfanfalls die Ausschüttung der Neurotransmitter und Hormone komplett aus dem Gleichgewicht gebracht wird und eine komplette Neuordnung nötig macht ("Reset"). Geklärt ist diese Theorie aber nicht.
Durchführung
Da die Wirkung meist nicht von Dauer ist, sind wiederholte Anwendungen nötig. In der Regel erfolgen die Applikationen dreimal wöchentlich mit einem Mindestabstand von 48 Stunden. Insgesamt werden sechs bis zwölf Anwendungen durchgeführt.
Der Patient bzw. die Angehörigen muss aufgeklärt werden und der Behandlung zustimmen.
Vor der Behandlung wird durch einen Anästhesisten eine Kurznarkose mit Muskelrelaxation und Sauerstoffgabe mittels Sauerstoffmaske eingeleitet. Die Möglichkeiten zur Intubation und Reanimation sollten für den Notfall bereit stehen. Eine prophylaktische Intubation erfolgt nicht. Die Rate der unter einer Elektrokrampftherapie erfolgten Intubationen ist sehr selten. Zum Schutz der Zähne und der Lippen wird ein Zahnschutz verwandt.
Anschließend fließt für drei bis fünf Sekunden 600 mA starker Strom und löst so einen Krampfanfall aus. Die Elektroden werden unilateral über der nicht dominanten Hemisphäre platziert. Hierbei treten nicht so viele Nebenwirkungen auf wie bei der früher üblichen bilateralen Ableitung.
Nebenwirkungen
Nach der Behandlung kann es auch zu Nebenwirkungen kommen. Im Vordergrund stehen akute, reversible Verwirrtheitszustände und leichte Gedächtnisstörungen. Diese bilden sich in der Regel nach wenigen Stunden bis Tagen zurück.
Seit die unilaterale Ableitung bevorzugt wird, haben die amnestischen Störungen stark abgenommen.
Kontraindikationen
Kontraindikationen der Elektrokrampftherapie sind:
- erhöhter Hirndruck
- Aneurysmen
- frischer Herzinfarkt
Vor der Behandlung sind deshalb entsprechende Untersuchungen notwendig.
Diskussion
Die Elektrokrampftherapie wird in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert.
Die ersten Versuche der beiden italienischen Ärzte erfolgten an einem von der Polizei zur Verfügung gestellten psychisch gesunden Menschen gegen seinen Willen. Außerdem wurde die Elektrokrampftherapie zum Beispiel als "Therapie" der Homosexualität eingesetzt.
Die Darstellung in dem Film "Einer flog über das Kuckucksnest" zeigt, dass die Elektrokrampftherapie auch ohne Indikation und als Bestrafung eingesetzt wurde. Hierdurch wird das Bild vermittelt, dass dies der übliche Einsatz der Therapie ist.
Unter Fachleuten gibt es allerdings einen relativ breiten Konsens. Ein Grund dafür ist die perniziöse Katatonie, die ohne Elektrokrampftherapie tödlich verläuft.