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Synonyme: Stuhlinkontinenz, Enkopresis, Einkacken
Englisch: fecal incontinence, encopresis
Definition
Die Enkopresis bezeichnet das wiederholte willkürliche oder unwillkürliche Absetzen von Stuhl an inadäquaten Orten bei Kindern ab einem Entwicklungsalter von 4 Jahren ohne organische Ursache. Es handelt sich um eine Ausscheidungsstörung (ICD-10: F98.1), die primär ohne zuvor erreichte Kontinenz oder sekundär nach erlernter Kontinenz auftreten kann. Beim Erwachsenen wird für den unwillkürlichen Stuhlabgang der Begriff Stuhlinkontinenz verwendet.
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Ursachen
Bei Kindern ist die Enkopresis meist mit einer funktionellen Obstipation verbunden. Stuhlverhalten und Stuhlretention können zu einer Überlaufinkontinenz führen. Psychosoziale Belastungen, Entwicklungsstörungen und familiäre Konflikte können die Symptomatik begünstigen oder aufrechterhalten.
Organische, neurologische oder anatomische Ursachen müssen bei entsprechenden Warnzeichen differenzialdiagnostisch ausgeschlossen werden. Bei Erwachsenen beruht die Stuhlinkontinenz häufig auf Sphinkterschäden, neurogenen Störungen, entzündlichen Darmerkrankungen oder einer Beckenbodenschwäche. Bei älteren Patienten können zudem Demenz, Immobilität und Medikamentennebenwirkungen zur Stuhlinkontinenz beitragen.
Diagnostik
Die Diagnose einer Enkopresis wird primär klinisch gestellt. Die Anamnese erfasst unter anderem Stuhlfrequenz, Stuhlkonsistenz, Einkotepisoden, Stuhlverhalten, psychosoziale Belastungsfaktoren und bisherige Kontinenzentwicklung. Die körperliche Untersuchung umfasst die Inspektion der Analregion sowie bei entsprechender Indikation eine digital-rektale Untersuchung.
Eine Bildgebung ist bei Kindern nicht routinemäßig erforderlich. Sie kann bei unklarer Diagnose, fehlendem Therapieansprechen oder Hinweisen auf eine organische Ursache indiziert sein. Bei Erwachsenen mit Stuhlinkontinenz können zur Abklärung struktureller oder funktioneller Ursachen eine Endosonographie, eine anorektale Manometrie, eine Defäkographie oder eine Magnetresonanztomographie des Beckens durchgeführt werden.
Therapie
Bei Kindern mit Enkopresis steht die Behandlung einer begleitenden Obstipation im Vordergrund. Sie umfasst gegebenenfalls die Desimpaktion sowie eine anschließende Stuhlregulation mit Laxantien. Ein strukturiertes Toilettentraining mit regelmäßigen Toilettengängen nach den Mahlzeiten und positiver Verstärkung unterstützt die Behandlung. Verhaltenstherapeutische Maßnahmen können sinnvoll sein. Eine Psychotherapie ist bei relevanten psychischen Begleiterkrankungen oder psychosozialen Belastungen indiziert.
Bei Erwachsenen richtet sich die Behandlung der Stuhlinkontinenz nach der Ursache. Konservative Maßnahmen umfassen Beckenbodentraining, Biofeedback, Stuhlregulation und gegebenenfalls die Anwendung von Analtampons. Loperamid kann die Stuhlkonsistenz verbessern und die Stuhlfrequenz senken. Bei geeigneten Patienten kann eine Sakralnervstimulation erwogen werden. Strukturelle Defekte können eine chirurgische Sphinkterrekonstruktion erfordern; bei schwerer therapierefraktärer Stuhlinkontinenz kann eine Kolostomie notwendig sein.