Borderline-Syndrom
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Loslegenvon englisch: borderline - Grenzlinie
Synonyme: Borderline-Persönlichkeitsstörung, Grenzpsychose, Emotional instabile Persönlichkeitsstörung
Englisch: borderline personality disorder
Definition
Epidemiologie
Die 12-Monatsprävalenz in Deutschland beträgt 0,34% (Frauen 0,45%, Männer 0,21%). Die Patienten erkranken im Durchschnitt mit 39 Jahren (SD 15 Jahre). Die 2-Jahres-Mortalität ist auf 2,30 (2,08 - 2,54; OR [KI]) erhöht. Die Lebenszeit ist altersabhängig um 6 - 8 Jahre verkürzt.[1]
Ätiologie
Die Ätiologie des Borderline-Syndroms ist nicht vollständig geklärt. Es existieren hiernach verschiedene Erklärungsmodelle. Eine der gängigen Theorien, das auf Kernberg zurückgehende "Modell der spezifischen Ich-Struktur", geht von einer gestörten psychischen Entwicklung des Kleinkindes aus, die durch eine radikale Zuordnung zu Gut und Böse sowie das Aufteten verschiedener Abwehrmechanismen gekennzeichnet ist.
Symptomatik
Betroffene leiden unter anderem an dem Gefühl der inneren Leere, Selbstverletzungs- und Suizidgedanken sowie parasuizidalem Verhalten. Die Patienten sind emotional instabil und neigen zu einer bedrohlichen Wahrnehmung von Gefühlen, impulsiven Reaktionen oder Fremd- und Autoaggression. Daneben treten vor allem Störungen des Sozialverhaltens und der zwischenmenschlichen Beziehungen auf. Fehlende Ziele im Leben sind eine weitere typische Ausprägung des Borderline-Syndroms.
Patienten mit einem Borderline-Syndrom können nur schwer mit Kritik umgehen und reagieren darauf meist äußerst gereizt. Sie tendieren dazu, nahestehende Menschen entweder als "gut" oder "böse" einzuordnen.
Gegenüber der Psychose ist das Borderline-Syndrom normalerweise durch eine kaum gestörte Realitätsprüfung gekennzeichnet.
Äußerst selten kann es im Rahmen einer psychotherapeutischen Therapie zu einer zeitlich eng begrenzten Übertragungspsychose (sog. Minipsychose) kommen, die mit typisch psychotischen Symptomen wie Wahn, Erregung und Trugwahrnehmung aufwartet. Die Reversibilität und die Fähigkeit des Patienten zur Distanzierung machen dieses Geschehen abgrenzbar zur reinen Psychose.
Therapie
Als Therapieform eignet sich die Dialektische Behaviorale Therapie (DBT) nach Marsha M. Linehan - eine Verhaltenstherapie in zweigeteilter Form in Gruppen- und Einzelsitzungen. Speziell für Jugendliche wurde dieses Konzept zur DBT-A (A: Adoleszent) moduliert. Auch die Psychoanalyse kann gute Erfolge erzielen, insbesondere bei Borderline-Störungen Jugendlicher.
Quellen
- ↑ Schneider F., Erhard, E., Hewer, W. et al.: Mortalität und somatische Komorbidität bei Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen. Dtsch. Ärztebl. 2019; 116(23-24): 405-411.