Tendinosis calcarea
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LoslegenSynonyme: Tendinopathia calcarea, kalzifizierende Tendinopathie, Tendinitis calcarea, Peritendinitis calcarea, Periarthropathia calcificans, "Sehnenverkalkung"
Englisch: calcific tendinopathy, calcific tendinitis, calcific tendonitis
Definition
Unter einer Tendinosis calcarea versteht man die Einlagerung von Kalkherden in eine Sehne, die zu Schmerzen führt. Sie ist eine degenerative Veränderung des fibroossären Übergangs und eine Manifestation der Hydroxylapatit-Ablagerungskrankheit (HADD).
Hintergrund
In der klinischen Literatur wird der Begriff häufig nur im Zusammenhang mit Verkalkungen der Rotatorenmanschette benutzt (Kalkschulter). Die Definition bezieht sich aber ganz allgemein auf die Verkalkung einer Sehne, und kommt u.a. auch am Trochanter major des Oberschenkelknochens, am Achillessehnenansatz, am Ellenbogen und an anderen Orten mit gleicher Krankheitsentstehung vor.
Epidemiologie
Eine Tendinosis calcarea tritt vor allem zwischen dem dreißigsten und dem fünfzigsten Lebensjahr auf, wobei davon ausgegangen wird, dass zwei bis drei von hundert Menschen von dieser Erkrankung betroffen sind.
Ätiopathogenese
Die Tendinosis calcarea beruht auf degenerativen Veränderungen im Bereich der Sehnen, welche zu einer Einlagerung von Hydroxylapatit-Kristallen in das Sehnengewebe führen.
Tendinosis calcarea des Schultergelenks
ICD10-Code: M75.3
Bei der "Kalkschulter" weisen die Calciumkristalle eine unterschiedliche Größe auf und sind am häufigsten in der Sehne des Musculus supraspinatus und des Musculus infraspinatus, seltener in den Sehnen des Musculus subscapularis und des Musculus teres minor zu finden.
Im Verlaufe der Erkrankung kommt es zur Einwanderung von Phagozyten in die betroffenen Areale, wobei die Phagozyten die Kristalle fast vollständig abbauen, so dass nur eine bindegewebige Narbe zurückbleibt.
Klinik
Die betroffenen Patienten klagen über progrediente Schmerzen, die vor allem bei Elevation des Armes auftreten. Eine akut eintretende Verschlechterung der Beschwerden tritt beim Einbruch der Kalkherde in das Schultergelenk oder in die Bursa subacromialis auf.
Diagnostik
Klinische Untersuchung
Im Rahmen der Palpation werden Schmerzen über den betroffenen Sehnen angegeben. Bei der Funktionsüberprüfung führt die Elevation des Armes ebenfalls zu Schmerzen. Häufig können die Patienten den Arm nur in Außenrotation oder in Innenrotation abduzieren, da durch die Rotationsbewegung die Kalkherde nicht an das Akromion stoßen.
Bildgebung
Es werden Röntgenbilder in zwei Ebenen angefertigt, wobei diese bei der Stellung der Diagnose nicht älter als zwei bis drei Wochen sein sollten, da die Kalkherde ihre Erscheinung schnell verändern können. Zusätzlich kann ein CT gemacht werden, es gehört jedoch nicht zur Standarddiagnostik. Ein MRT kann für den Ausschluss weiteter Pathologien notwendig sein.
Differenzialdiagnose
Differenzialdiagnostisch sollte an eine Omarthrose sowie an ein subakromiales Impingement gedacht werden.
Therapie
Konservativ
Die Erkrankung wird konservativ durch die lokale Applikation von NSAR behandelt, wobei diese auch oral eingenommen werden können. Krankengymnastische Übungen können die Beschwerden ebenfalls mildern.
Operative Therapie
Wenn die konservativen Maßnahmen nach sechs Monaten nicht zum Erfolg geführt haben, können verschiedene operative Maßnahmen ergriffen werden.
Es besteht z.B. die Möglichkeit der fokussierten orthopädischen Stoßwellentherapie (fESWT), die mit hochenergetischen und niedrigenergetischen Wellen durchgeführt werden kann. Bei einer Behandlung mit niedrigenergetischen Wellen treten weniger Schmerzen auf und es wird davon ausgegangen, dass diese Wellen genauso gut helfen wie hochenergetische Wellen. Die ESWT ist sehr teuer und wird nicht von allen Krankenkassen übernommen.
Weiterhin besteht die Möglichkeit, das Kalkdepot unter örtlicher oder allgemeiner Betäubung zu aspirieren. Ungefähr 13 % der Patienten entwickeln jedoch innerhalb von 3 Monaten nach Needling und Aspiration eine schmerzhafte Bursitis.
Die operative arthroskopische Entfernung der Kalkherde führt ebenfalls zu einem Abklingen der Beschwerden.