Reflexhammer
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Englisch: tendon hammer, reflex hammer
Definition
Ein Reflexhammer ist ein einfaches Untersuchungsinstrument zur Testung der Muskel- bzw. Sehnenreflexe und der Hautreflexe. In den Hammerstiel oder Hammerkopf können Zusatzinstrumente wie Pinsel oder Nadeln integriert sein. Neben der Reflexprüfung kann mit ihnen auch eine Sensibilitätsprüfung durchgeführt werden.
Funktionsprinzip
Bei der Prüfung von Muskeleigenreflexen löst der Reflexhammer durch einen kurzen Schlag auf eine Sehne eine ruckartige Dehnung des zugehörigen Muskels aus. Diese Dehnung aktiviert die Muskelspindeln als Dehnungsrezeptoren. Sie senden über afferente Nervenfasern Impulse an das Rückenmark. Dort erfolgt eine direkte synaptische Verschaltung auf die Motoneurone. Die efferente Antwort führt zur reflektorischen Kontraktion des gedehnten Muskels. Stärke und Geschwindigkeit der Reflexantwort geben Aufschluss über die Integrität des Reflexbogens und können auf neurologische Störungen hinweisen.
Einteilung
Reflexhämmer sind in zahlreichen Formen, Größen, Farben und Materialien erhältlich. Neben klassischen Edelstahlmodellen gibt es Reflexhämmer aus Kunststoffen, Kohlefaser oder Titan. In der Kinderheilkunde werden häufig Modelle verwendet, die Spielzeug ähneln und dadurch weniger bedrohlich wirken. Nach ihrer typischen Form lassen sich unter anderem folgende Modelle unterscheiden:
- Reflexhammer nach Buck: Kleiner, etwa 18 cm langer und leichter Reflexhammer mit zwei unterschiedlich großen Gummieinsätzen an beiden Enden des Hammerkopfs. Enthält zusätzlich meist Pinsel und Nadel.
- Reflexhammer nach Trömner: Relativ großer, etwa 24 cm langer und schwerer Hammer mit zwei unterschiedlich großen Gummieinsätzen an beiden Enden des Hammerkopfs. Er hat durch seinen Hohlgriff eine hohe Kopflastigkeit.
- Reflexhammer nach Berliner: Tomahawk-ähnlicher Reflexhammer mit einem sichelförmigen, einseitigen Gummieinsatz.
- Reflexhammer nach Babinski: Reflexhammer mit elegantem Griff und tellerförmigem Metallkopf, der zirkulär von einem Gummiring umgeben ist. Der Metallkopf kann mit seiner Mitte direkt am Stielende aufsetzen oder über ein Winkelstück angesetzt sein.
- Reflexhammer nach Dejerine: Einfacher Reflexhammer mit zwei wuchtigen, gleich großen Gummieinsätzen am Hammerkopf.
- Reflexhammer nach Taylor: Kleiner, leichter Reflexhammer mit durchgehendem, von einem Metallring gefassten Gummikeil als Hammerkopf. Er kann einen soliden oder schlaufenförmigen Handgriff haben.
- Reflexhammer nach Martin: Ähnlich wie der Buck-Hammer, jedoch mit einem zusätzlichen Gewicht oberhalb des Hammergriffs.
Reflexhammer nach Buck
Anwendung
Die meisten Reflexhämmer verfügen am Kopf über zwei unterschiedlich große Gummieinsätze. Mit dem dickeren Gummipol werden die Reflexe an den großen Sehnen der Streckmuskulatur ausgelöst (Patellarsehnenreflex, Achillessehnenreflex und Trizepssehnenreflex). Darüber hinaus eignet er sich für die Ableitung von Reflexen, bei denen punktueller Druck schmerzhaft wäre, zum Beispiel beim Radiusperiostreflex. Den kleineren Gummipol verwendet man für die Sehnen der Beugemuskulatur, zum Beispiel beim Bizepssehnenreflex. Mit dem spitzen Metalldorn am Hammergriff werden Hautreflexe ausgelöst.
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Rechtliche Rahmenbedingungen
Reflexhämmer mit medizinischer Zweckbestimmung sind Medizinprodukte. Für ihr Inverkehrbringen in der Europäischen Union gelten die Anforderungen der Medizinprodukteverordnung einschließlich der CE-Kennzeichnung. Die konkrete Klassifizierung richtet sich nach der jeweiligen Zweckbestimmung und Ausführung des Produkts.
Weblinks
Weiterführende Informationen:
Quellen
Folgende Fachliteratur bietet weiterführende Informationen:
- Bähr M, Frotscher M: Neurologisch-topische Diagnostik. 10. Auflage. Thieme, Stuttgart 2018
- Masuhr KF, Masuhr F, Neumann M: Neurologie. 7. Auflage. Thieme, Stuttgart 2013
- Mumenthaler M, Mattle H: Neurologie. 13. Auflage. Thieme, Stuttgart 2012