Proximale Humerusfraktur
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Synonyme: Humeruskopffraktur, Oberarmkopffraktur, subkapitale Humerusfraktur
Englisch: proximal humerus fracture, humeral head fracture, humeral neck fracture, surgical neck fracture
Definition
Bei der proximale Humerusfraktur handelt es sich um einen Knochenbruch (Fraktur) des proximalen Humerus im Bereich des Caput oder Collum humeri. Häufig liegt eine so genannte subkapitale Humerusfraktur in Höhe des Collum chirurgicum vor.
Epidemiologie
Proximale Humerusfrakturen sind häufige Frakturen. Sie machen etwa 5% aller Frakturen aus. Ihre Inzidenz beträgt ca. 70/100.000/Jahr, mit dem Alter deutlich ansteigend (z.B. Frauen über 70 Jahre: 400/100.000/Jahr). Diese Fraktur ist typisch bei alten Menschen, sie ist bei Frauen häufiger als bei Männern (ca. 3:1).
Ätiologie
Die proximale Humerusfraktur wird meist durch ein indirektes Trauma verursacht (z.B. Sturz mit ausgestreckter Hand oder auf den Ellenbogen), jedoch sind auch direkte Traumen nicht unüblich. Seltenere Ursachen stellen Knochenmetastasen, primäre Knochentumoren oder maligne Lymphome dar.
Symptomatik
Zum klinischen Befund zählen u.a. eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung, Druckschmerz am Humeruskopf, evtl. Bluterguss (in der Achselhöhle, seitlich an der Thoraxwand oder auf der medialen Seite des Oberarms).
Diagnostik
Hierzu gehören neben Anamnese und klinischem Befund:
- Röntgen in 2 Ebenen (a.p. und transskapulär)
- bei Verdacht auf Tumor auch eine MRT-Aufnahme
Bei einer Fraktur sind stets Durchblutung, Motorik und Sensibilität zu prüfen. Bei pathologischen Befunden sind weitere diagnostische Schritte einzuleiten.
Klassifikation
- Typ A: extraartikuläre, unifokale Fraktur mit geringem Risiko für Humeruskopfnekrose
- Typ B: extraartikuläre, bifokale Fraktur (häufig Collum chirurgicum)
- Typ C: intraartikuläre Fraktur, meist mit Beteiligung des Collum anatomicum
Komplikationen
Bei einer dislozierten Humeruskopfraktur kommt es in etwa 80 % der Fälle zu einer Ruptur der Arteria circumflexa humeri anterior.[1]
Therapie
Die Fraktur lässt sich in 80 % der Fälle konservativ behandeln. Die konservative Therapie erfolgt durch Anlage eines Gilchrist-Verbandes oder Desault-Verbandes für ca. 1 Woche, Röntgenkontrolle und zunehmende Bewegungsübungen (Pendeln). Wichtig sind regelmäßige Kontrollen des Röntgenbefundes und eine effektive Frühmobilisation um eine Versteifungstendenz der Schulter zu vermeiden.
In 20 % der Fälle ist eine Operation indiziert. Gängige Indikationen sind:
- Nicht reponierbare Frakturen mit Beteiligung der Gelenkfläche
- Impingement durch Frakturfragmente
- Dislozierte mehrfragmentäre Frakturen
- Offene Frakturen
- Abrisse von Tuberculum minus bzw. Tuberculum majus mit vollständiger Dislokation
Zur operativen Versorgung stehen je nach Frakturbefund verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Dies sind unter anderem:
- Spickdrahtosteosynthese (z.B. bei subkapitaler Fraktur)
- Schraubenosteosynthese und Zuggurtungsosteosynthese (z.B. bei Tuberculum-Abrissen)
- Plattenosteosynthese
- Prothethischer Gelenkersatz
Prognose
Bei eingestauchten Frakturen besteht unter konservativer Therapie eine gute Prognose. Mehrsegmentfrakturen, Trümmerbrüche und Luxationsfrakturen sind weniger günstig, je mehr Segmente desto fraglicher die Prognose.
Quellen
- ↑ Meßmer et al.: Was gibt es Neues in der Chirurgie? Jahresband 2012, S. 295