Hypersexualität
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LoslegenSynonym: Sexsucht
Definition
Der Begriff Hypersexualität beschreibt ein über die Norm hinausgehendes sexuelles Verlangen bzw. eine deutlich übersteigerte sexuelle Appetenz. Es ist ein Begriff aus Medizin, Sexualwissenschaft, Psychotherapie und klinischer Psychologie.
Formen
Die Hypersexualität, auch Sexsucht genannt, lässt sich kaum als ein komplexes Störungsbild darstellen, da sie völlig verschiedene Ausprägungen und ebenso viele unterschiedliche Ursachen haben kann.
- gesteigertes sexuelles Verlangen; Satyriasis beim Mann/Nymphomanie bei der Frau
- gesteigertes sexuelles Verlangen durch die Einnahme bestimmter Medikamente
- gesteigertes sexuelles Verlangen aufgrund von psychiatrischen Erkrankungen
- sexuelle Funktionsstörung ohne organische Ursache
- Störung der Impulskontrolle
Eine wichtige Ursache für die Ausbildung einer Sexsucht kann der Missbrauch von Drogen (besonders Kokain) sein!
Geschichte
Eine unnatürliche Appetenz in Sachen Sexualität ist schon sehr lange bekannt und wird schon seit vielen Jahrhunderten beschrieben. Im Jahre 1830 definierten die beiden französischen Psychiater Esquirol und Pinel das unnatürliche Verlangen nach Sex als Störungsbild und gaben ihm den Namen "Erotomanie". Der Wissenschaftler Krafft-Ebing nannte es 1886 "sexuelle Hyperästhesie". Weitere seit dem gängige Begriffe für das Phänomen sind:
- Sexsucht
- Sexualsucht
- Hypererotizismus
- Hyperlibido
- Sexualabhängigkeit
- Sexualzwang
- Männer mit übersteigertem Sexualtrieb werden bis heute häufig als Don Juan oder Casanova bezeichnet
Differenzierung
Die Grenze zwischen normalem und unnormalem sexuellen Verhalten zu ziehen, fällt in den meisten Fällen zunächst einmal sehr schwer. Jeder Mensch besitzt eine unterschiedlich hohe sexuelle Appetenz. Während Sex für die eine Person eine geringere Rolle spielt, stellt eine andere Person den Geschlechtsverkehr in den Mittelpunkt ihres Lebens. Beides gehört aber zur ganz normalen Bandbreite der verschiedenen sexuellen Aktivitätsstufen der Bevölkerung. Sofern keine krankhaften Paraphilien wie Pädophilie, Zoophilie, Nekrophilie etc. vorliegen, ist es demnach sehr schwer zu differenzieren, wer an einer sexuellen Störung leidet, und wer nicht. Dennoch gibt es eine zahlenmäßig nicht eindeutig festlegbare Grenze, ab wo man von einem pathologischen sexuellen Verhalten sprechen kann. Hierbei kann auch der Zustand des jeweiligen Partners ein wichtiger Indikator für die Diagnosestellung sein. Fühlt dieser sich nur noch überfordert, spricht dies für das Vorhandensein eines krankhaft übersteigerten Sexualtriebs des Partners.
Symptome
- permanente sexuelle Appetenz
- Gefühl, nie völlig befriedigt zu sein, "immer mehr zu brauchen"
- den Partner einengendes Verhalten in Bezug auf Sex
- übermäßige Masturbation
- starker Konsum von Pornografie
- Telefonsex
- sexuell aufdringliches Verhalten auch zu Fremden
- Vernachlässigung von Beruf
- Verschlechterung von sozialen Kontakten
- Einengung des Interessenspektrums
- bei sexueller Enthaltung psychische Entzugssymptome und Stress-Verhalten
Diagnose
Eine Diagnose kann allein durch die Beobachtung und Bestätigung der genannten Symptome, sowie durch ausführliche Befragung von Patient, Partner und Angehörigen erfolgen. Einen objektiven medizinischen Beweis (durch Laboruntersuchungen oder bildgebende Verfahren) existiert nicht.
Therapie
- ausführliche Suchttherapie (Wiedererlangen der Fähigkeit, "nein" zu sagen)
- Verhaltenstherapie
- Gesprächstherapie
- Gruppentherapie
- Paartherapie
- Gabe spezifischer Psychopharmaka (selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer z. B. helfen zum einen, mögliche Stimmungseinbrüche im Rahmen der Entwöhnung zu mildern, zum Anderen haben einige SSRI einen libido-schwächenden Effekt)
- Erlernen von zölibatären Phasen (Enthaltsamkeit über einen längeren Zeitraum)
- Gang zu einer Selbsthilfegruppe