Glabellalappen
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Englisch: glabellar flap
Definition
Der Glabellalappen ist ein lokaler Lappen aus der Glabellaregion. Er wird klassisch als V-Y-Advancement-Lappen, Rotationslappen oder Transpositionslappen angelegt. Seine Durchblutung erfolgt zufällig über den subdermalen Plexus und Äste der Arteria supratrochlearis.[1][2][3] Der klassische Glabellalappen ist ein Random-pattern-Lappen. Axial versorgte, auf der Arteria supratrochlearis basierende Insellappen werden als Stirnlappenvarianten klassifiziert und sollten nicht als bloße Transformation des klassischen Glabellalappens dargestellt werden.[4][5] Er ist von medianen und paramedianen Stirnlappen abzugrenzen.
Technik
Das Lappendesign richtet sich nach der Defektlokalisation und -größe. Der Lappen wird meist V-förmig oder elliptisch aus der Glabellaregion zwischen den Augenbrauen gehoben. Die Präparation erfolgt in der Regel subdermal, wobei bei der Anlage axial versorgter Stirnlappenvarianten die versorgenden Gefäße dargestellt und geschont werden. Die Transposition erfolgt durch Rotation oder Advancement in den Defekt.[6] Bei der klassischen V-Y-Technik wird der Lappen nach kaudal verschoben und der Hebedefekt durch Y-förmigen Primärverschluss gedeckt.
Versorgung
Die Blutversorgung des klassischen Glabellalappens erfolgt vor allem über den subdermalen Plexus und Äste der Arteria supratrochlearis sowie dorsale Nasenäste der Arteria angularis. Bei medianen und paramedianen Stirnlappen können zusätzlich Äste der Arteria supraorbitalis in den Lappenstiel einbezogen werden.
Indikation
Der Glabellalappen wird vor allem im Bereich der Nase zur Deckung von Defekten des proximalen Nasenrückens nach Tumorexzisionen verwendet. Zusätzlich kommt er vor allem zur Rekonstruktion des medialen Kanthus zum Einsatz. Bei Defekten, die auf Ober- oder Unterlid oder angrenzende Wangen- bzw. Nasenregionen übergreifen, wird er üblicherweise als Bestandteil einer kombinierten Rekonstruktion eingesetzt.[7]
Modifikationen
Da der Glabellalappen nur über eine begrenzte Reichweite verfügt, kann er bei Bedarf bis zum Haaransatz verlängert werden. In diesem Fall spricht man von einem Fingerstirnlappen. Der entstehende Hebedefekt wird in der Regel primär verschlossen.
Der Stirnlappen wurde im vergangenen Jahrhundert modifiziert. Dabei wurde der paramediane Stirnlappen als Variante entwickelt. Dieser Lappen zeichnet sich durch eine Verlagerung des Stielansatzes nach lateral und kaudal sowie durch eine Verschmälerung des Lappenstiels aus. Im Vergleich zum Glabellalappen weist er eine bessere Blutversorgung und bessere ästhetische Ergebnisse auf. Zudem können größere Defekte abgedeckt werden. Der paramediane Stirnlappen gilt heute als wichtiger Standardlappen zur Rekonstruktion moderater und großer Nasendefekte mit zuverlässiger Durchblutung und guten funktionellen und ästhetischen Ergebnissen.
Risiken und Nachteile
Zu den möglichen Komplikationen zählen partielle oder vollständige Lappennekrose bei unzureichender Durchblutung, venöse Stauung bei zu schmalem Lappenstiel sowie Wundheilungsstörungen. Die Narbenbildung in der Glabellaregion kann kosmetisch störend sein, insbesondere bei vertikaler Narbenausrichtung. Bei größeren Lappen besteht das Risiko einer Asymmetrie der Augenbrauen durch Zug auf das umliegende Gewebe.
Quellen
- ↑ Ahmad et al., Reconstruction of the eyelids after mohs surgery, Semin Plast Surg, 2008
- ↑ Turgut et al., A new glabellar flap modification for the reconstruction of medial canthal and nasal dorsal defects: "flap in flap" technique, J Craniofac Surg, 2009
- ↑ Berggren et al., Laser Speckle Contrast Imaging of the Blood Perfusion in Glabellar Flaps Used to Repair Medial Canthal Defects, Ophthalmic Plast Reconstr Surg, 2022
- ↑ Ahmad et al., Reconstruction of the eyelids after mohs surgery, Semin Plast Surg, 2008
- ↑ Park, Nasal reconstruction in the 21st century--a contemporary review, Clin Exp Otorhinolaryngol, 2008
- ↑ Tan et al., The Use of a Hemi Glabellar Flap for Reconstruction of Medial Canthus Defects, Cureus, 2022
- ↑ Bhandari, Reconstruction of Medial Canthal Defects by Local/Loco-Regional Flaps, J Craniofac Surg, 2022
Literatur
- [1]
- McGregor, I. A. (2014). Plastische Chirurgie: Grundlagen Und Klinische Anwendungen (2nd ed.; E. Biemer, P. Faust, & S. Polzer, Trans.). Berlin, Germany: Springer.
- ↑ Ahmad et al., Reconstruction of the eyelids after mohs surgery, Semin Plast Surg, 2008