Chronischer Schmerz
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Englisch: chronic pain
Definition
Chronischer Schmerz stellt im Gegensatz zum akuten Schmerz kein Symptom, sondern eine eigene Krankheit dar. Je nach Definition spricht man von chronischem Schmerz, wenn die Symptomatik länger als 3 Monate besteht oder wiederkehrt.
Chronische Schmerzen können auch als eigenständige primäre Schmerzerkrankungen auftreten. Nach der ICD-11 werden unter chronischem primärem Schmerz u.a. primäre Kopfschmerzen sowie weitere Syndrome wie Fibromyalgie zusammengefasst. Beispiele sind die Migräne und der Kopfschmerz vom Spannungstyp sowie Clusterkopfschmerzen. So können bei den Migräneformen aufgrund bestimmter Risikogene immer wieder Schmerzattacken auftreten, die über Jahrzehnte des Lebens bestehen und chronische Schmerzen bedingen können. Akute Schmerzen haben eine Warnfunktion. Sie zeigen eine Schädigung im Körper an. Bei chronischen Schmerzen ist diese Warnfunktion in der Regel verloren. Schmerzen werden dann selbst zu einer eigenständigen Erkrankung.
Ätiologie
Die Entstehung chronischer Schmerzen ist multifaktoriell. Biologische, psychologische und soziale Faktoren spielen eine Rolle. Zu den biologischen Faktoren gehören genetische Prädisposition, entzündliche Prozesse und strukturelle Veränderungen. Psychologische Faktoren umfassen Angst, Depression und Katastrophisierung. Soziale Faktoren wie Arbeitsplatzsituation und familiäres Umfeld können ebenfalls zur Chronifizierung beitragen.
Pathophysiologie
Bei der Chronifizierung von Schmerzen kommt es zu neuroplastischen Veränderungen im peripheren und zentralen Nervensystem. Die Sensibilisierung von Nozizeptoren führt zu einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit. Im Rückenmark und Gehirn entwickeln sich Veränderungen der Schmerzverarbeitung. Die deszendierende Schmerzhemmung ist oft vermindert. Diese Prozesse führen dazu, dass Schmerzen auch ohne fortbestehende Gewebeschädigung persistieren können.
Einteilung
Nach der ICD-11 werden chronische Schmerzen in sieben Hauptkategorien eingeteilt:
- Chronischer primärer Schmerz
- Chronischer Krebsschmerz
- Chronischer posttraumatischer und postoperativer Schmerz
- Chronischer neuropathischer Schmerz
- Chronischer sekundärer Kopfschmerz oder orofazialer Schmerz
- Chronischer sekundärer viszeraler Schmerz
- Chronischer sekundärer muskuloskelettaler Schmerz
Epidemiologie
Chronische Schmerzen betreffen etwa 20-30% der Bevölkerung in Industrieländern. Die Prävalenz steigt mit dem Alter an. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Rückenschmerzen stellen die häufigste Form chronischer Schmerzen dar, gefolgt von Kopfschmerzen und Gelenkschmerzen. Die volkswirtschaftlichen Kosten durch Arbeitsausfälle und Behandlungen sind erheblich.
Diagnostik
Die Diagnostik chronischer Schmerzen erfordert eine umfassende Anamnese und körperliche Untersuchung. Schmerzfragebögen und Schmerztagebücher helfen bei der Erfassung der Schmerzintensität und -qualität. Psychologische Assessments identifizieren begleitende psychische Faktoren. Bildgebende Verfahren und Laboruntersuchungen dienen dem Ausschluss behandelbarer Ursachen. Eine interdisziplinäre Evaluation ist oft sinnvoll.
Therapie
Die Therapie chronischer Schmerzen erfolgt multimodal. Medikamentöse Ansätze umfassen Analgetika, Antidepressiva und Antikonvulsiva. Nicht-medikamentöse Verfahren wie Physiotherapie, Psychotherapie und Entspannungsverfahren sind wichtige Bausteine. Interventionelle Verfahren wie Nervenblockaden können in ausgewählten Fällen hilfreich sein. Die Patientenedukation und Aktivierung spielen eine zentrale Rolle. Ziel ist nicht die vollständige Schmerzfreiheit, sondern die Verbesserung der Lebensqualität und Funktionsfähigkeit.
Prognose
Die Prognose chronischer Schmerzen ist variabel und hängt von vielen Faktoren ab. Eine frühzeitige multimodale Therapie verbessert die Aussichten. Psychosoziale Faktoren beeinflussen den Verlauf erheblich. Bei vielen Patienten ist eine vollständige Schmerzfreiheit nicht erreichbar. Realistische Therapieziele und eine gute Arzt-Patienten-Beziehung sind für den Behandlungserfolg wichtig. Die Vermeidung einer weiteren Chronifizierung steht im Vordergrund.