Analabszess
Trainier deine Lernmuskeln!
Mit Flash Cards, Quiz und mehr
LoslegenWir werden ihn in Kürze redaktionell checken.
Wir werden ihn in Kürze redaktionell checken.
Synonyme: Perianalabszess, Periproktitis, Paraproktitis, periproktitischer Abszess, PPA
Englisch: anal abscess
Definition
Ein Analabszess oder Perianalabszess ist eine eitrige Entzündung im Gewebe um den Anus.
Analabszesse und Analfisteln sind eine Krankheitsentität, wobei der Abszess die akute, die Fistel die chronische Form darstellt.
Ätiologie
Bei Erwachsenen gehen Perianalabszesse von einer bakteriellen Infektion der Proktodealdrüsen aus, die im Bereich der Krypten auf Höhe der Linea dentata (anokutaner Grenzbereich Anoderm–Rektumschleimhaut) münden und überwiegend im Intersphinktärraum liegen. Bei Kindern können sie auch im Rahmen einer tief reichenden Windeldermatitis auftreten.
Perianalabszesse kommen gehäuft bei Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen vor (z.B. Morbus Crohn).
Lage
Ein Analabszess kann unter der Haut (subkutan), in der Sphinktermuskulatur oder im Fettgewebe unterhalb des Rektums liegen.
Aufgrund anatomisch vorgeformter Straßen zwischen dem Musculus sphincter ani internus und dem Musculus sphincter ani externus und innerhalb des dreigeteilten Musculus sphincter ani externus zieht der abszedierende Entzündungsherd in etwa zwei Drittel der Fälle direkt zum Afterrand.
In etwa einem Drittel der Fälle breitet er sich langsam tief im Fett der Ischiorektalgrube aus (Ischiorektalabszess). Sehr selten zieht ein Analabszess zwischen Ring- und Längsmuskulatur als hoher intermuskulärer Abszess nach kranial in die Wand des Enddarms hinein. Ebenso selten bleibt er zwischen beiden Schließmuskeln stecken (Intersphinktärabszess).
Symptome
Die typischen Symptome eines Perianalabszesses in der Perianalregion sind:
Durch den Schmerz und die Schwellung treten oft Störungen der Defäkation auf.
Zusätzlich können Fieber, Krankheitsgefühl und gegebenenfalls Sepsiszeichen auftreten. Tiefe Abszesse können trotz geringer äußerer Befunde mit diffusen rektalen oder pelvinen Schmerzen einhergehen.
Wenn sich die Infektion in die Ischiorektalräume ausbreitet, kann die Entzündung maskiert verlaufen und eine Ischialgie vortäuschen.
Komplikationen
Perianalabszesse neigen zu Rezidiven. Durch wiederholte Entzündungen und Durchbruch der Entzündung durch die Rektumschleimhaut kann es zur Ausbildung von Perianalfisteln kommen.
Weitere Komplikationen umfassen lokale Ausbreitung, Sphinkterschädigung beziehungsweise Kontinenzstörungen sowie seltene systemische Komplikationen bis zur Sepsis.
Diagnose
Zur Diagnostik gehören:
- Inspektion
- Palpation (Cave: häufig keine Fluktuation nachweisbar)
- Digital-rektale Untersuchung
- Rektoskopie
- Bei unklaren oder tiefen Befunden: Endosonographie und/oder MRT des Beckens
Therapie
Die Behandlung von Analabszessen erfolgt grundsätzlich operativ durch Inzision und großzügige Drainage des Infektionsherdes unter Schonung der Schließmuskulatur; akute Analabszesse stellen dabei eine Notfallindikation dar.
Abszesse oberhalb des Musculus levator ani werden - sofern technisch möglich - einer Drainagebehandlung unterzogen, um Schäden am Kontinenzorgan zu vermeiden. Mitunter ist auch der Einsatz der (Endo-)Sonographie notwendig, um schwierig zu lokalisierende Abszesse erfolgreich zu drainieren.
Die Nachbehandlung erfolgt meist als offene Wundbehandlung ohne Tamponade mit regelmäßiger Reinigung der äußeren Analregion durch Ausduschen mit Wasser von Trinkwasserqualität.
Prognose
Nach adäquater Drainage heilen die meisten Analabszesse komplikationslos ab. Das Rezidivrisiko liegt bei etwa 10-30 %, wobei in etwa 30-50 % der Fälle eine Analfistel als chronische Verlaufsform entsteht. Proktologische Nachkontrollen sind daher wichtig, um Rezidive und Fistelbildungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
siehe auch: Flexiessay: Analabszess und Analfistel